Weinfest 2.0 – das erinnert ja erstmal an Achims Fastnachts-Artikel für die Rheinpfalz (Stichwort “Dubbephone”). Hier soll es jetzt aber um die Frage gehen, wie und von wem das nächste Wachenheimer Weinfest auf die Beine gestellt wird.

Wie gestern im Stadtrat beschlossen, soll die Federführung von dem bisher verantwortlichen Festkomitee auf einen paritätisch besetzten  Stadtrats-Ausschuss übertragen werden, der durch Vertreter von Vereinen und Beschickern ergänzt wird.

Das kann sicher ein hilfreicher Schritt sein, um den vielfach bejammerten “Untergang des Weinfestes” aufzuhalten (siehe unseren Blogbeitrag mit Kommentaren vom Juni). Aber ist das genug? Ein bisschen klingt es nach dem Prinzip “Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründ’ ich einen Arbeitskreis”. Vielleicht gibt es da ja eine intelligentere Lösung.

Hiermit schlage ich vor, das kommende Weinfest nach den Prinzipien des Web 2.0 zu planen, in einem sich selbst organisierenden Netzwerk. Wie ich auf so etwas komme? Letzte Woche hatte ich das große Vergnügen, mehrere Vorträge von Luis Suarez zu erleben. Der Mann ist aktiver Blogger, Twitterer und ein Vordenker von Enterprise 2.0, also vom Einsatz Sozialer Software (z. B. Blogs) für Wissensaustausch und Zusammenarbeit in Unternehmen. Wenn er seine Rückreise nicht so früh gelegt hätte, dann hätte ich ihm am Wochenende gerne unser Burgfest gezeigt.

Stattdessen wende ich einfach mal seine Ideen auf unser Weinfest an. Als erstes kommt mir da ein Vortragschart in den Sinn, das die unterschiedlichen Arbeitsstile verschiedener Generationen vergleicht. Da sind die Traditionalisten (geboren bis 1945): Sie gehen streng nach Hierarchie vor, kommunizieren “von oben nach unten” und führen nach dem Prinzip “Befehl und Kontrolle”. Mich erinnert das stark an unseren Alt-Bürgermeister und Vorsitzenden des bisherigen Festkomitees. Ist ja auch OK, jede Generation hat ihre Stärken.

Die jetzt beschlossene Ausschuss-Lösung scheint mir typisch für die Generation X (Jahrgänge 1965 – 1980 – dazu gehört wohl auch unser neuer Bürgermeister): Da bildet man Teams aus Einzelpersonen, die aus ihrer jeweiligen Sicht ein Problem bearbeiten. Auf Basis ihrer Ergebnisse trifft dann der Chef gemeinsam mit dem Team eine Entscheidung.

Mein Vorschlag: Gehen wir doch noch einen Schritt weiter und machen es wie die ganz Jungen, die sogenannte Generation Y oder Generation Web. Die verstehen sich als Netzwerk und lösen Probleme in selbstorganisierter Teamarbeit  (collaborativer Arbeitsstil heißt das auf Neudeutsch). Diese Herangehensweise findet auch Ausdruck im sogenannten Web 2.0,  zu Deutsch vielleicht “Mitmach-Internet”. Dazu gehört zum Beispiel auch der Wachtenblog (obwohl wir für die “Generation Web” eigentlich viel zu alt sind – soweit zu den Grenzen der Theorie…).

Das eindeutigste Kennzeichen des Web 2.0 ist für mich der “user generated content”, zu deutsch der vom Nutzer selbst bereitgestellte Inhalt. Im Internet heißt das, dass jeder plötzlich nicht nur surfen und lesen kann, sondern auch schreiben und veröffentlichen. Und wenn mehrere sich dabei austauschen und zusammenarbeiten, kann etwas richtig Spannendes entstehen. So war es zum Beispiel bei Wikipedia.

Übertragen wir das doch mal aufs Wachenheimer Weinfest.  Wie wäre es, wenn die Nutzer, also die Weinfest-Besucher, selbst zur Gestaltung beitragen könnten? Wenn alle, denen unser Weinfest am Herzen liegt, ein Netzwerk bilden, gemeinsam ein Konzept entwickeln und umsetzen würden?

Dazu müsste der Ausschuss sich weiteren Mitgliedern öffnen – grundsätzlich ist das ja schon angedacht. Nur dass der Kreis nicht nach Proporz besetzt wird, sondern sich jeder einbringen kann, der gute Ideen hat und sie auch umsetzen kann. Das wäre dann mal die Bürgerbeteiligung, die unser neuer Bürgermeister im Wahlkampf angekündigt hat. Wir Wachtenblogger haben schon von einigen Wachenheimern gehört, die mitmachen würden – und Attraktives auf die Beine stellen könnten.

Gefördert werden könnte das Engagement durch einen transparenten Austausch auf einer für alle zugänglichen Plattform. Das könnte ein weiterer Blog sein, oder auch ein öffentliches Forum. Ich hätte da schon Ideen und würde natürlich unterstützen. In dieser Plattform könnte man gemeinschaftlich ein Konzept erarbeiten, verschiedene Alternativen vorstellen und um Feedback bitten. Hier könnten sich alle Nutzer, also Weinfest-Besucher, einbringen.

Das hätte auch den Charme, dass die Wachenheimer sich wieder mit ihrem Weinfest identifizieren würden. Auch die öffentliche Wirkung über Wachenheim hinaus wäre sehr positiv. Da haben wir ja aufzuholen. Haben doch beim Burgfest viele Besucher Wachenheims zuallererst eine der reißerischen FWG-Planen an den Ortseingängen gesehen.

Stellen wir uns mal vor, die ganze Welt kann uns bei der gemeinschaftlichen Vorbereitung unseres Weinfestes über die Schulter schauen und sogar mitreden. Dann würden sich wahrscheinlich alle Beteiligten besser benehmen – die Chance für eine völlig neue Collaborations-Kultur. Außerdem würde nach außen ein ganz neues Bild von Wachenheim entstehen. Schließlich wären wir das erste “user-generated Weinfest” der Welt!

Um es mit John Lennon zu sagen: “You may say I’m a dreamer, but I’m not the only one!”

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