Auf die Idee zu diesem Bog kam ich beim Schreiben eines Leserbriefs. Er ist Ausgangspunkt des Wachtenblogs – und soll auch Gegenstand des allerersten Posts sein.

Am 21.  Juni 2009 stand in Wachenheim an der Weinstraße die Stichwahl zum Stadtbürgermeister an. Kontrahenten waren Arnold Nagel (FWG), seit 30 Jahren im Amt, und Herausforderer Torsten Bechtel (CDU). Die politische Auseinandersetzung fand auch in den Briefkästen der Wachenheimer statt. Beide Kandidaten stellten ihre Positionen noch einmal auf Flyern dar. Und es wurde noch mehr verteilt. Unter anderem ein anonymes Flugblatt – laut der lokalen Tageszeitung Rheinpfalz ein „pseudo-satirisches Pamphlet, das den politischen Gewehrlauf direkt auf die Wachenheimer Liste [Anm. d. Blog.: Oppositionspartei im Stadtrat, hatte eine Wahlempfehlung für Torsten Bechtel ausgesprochen] richtete und offenbar darauf ausgelegt war, die Stimmung noch etwas zu vergiften“.

Ich habe mich über das Flugblatt richtig geärgert – vor allem darüber, dass es der Autor anonym unter die Leute gebracht hat. Am Sonntag habe ich erstmal den Ausgang der Wahl gefeiert – Torsten Bechtel hatte gewonnen. Montags habe ich diesen Leserbrief an die Rheinpfalz geschrieben:

Neuer Stil – auch über den Stadtrat hinaus

Die Wahl in Wachenheim war wirklich ein Erlebnis. Polemik als Stilmittel der politischen Auseinandersetzung finde ich kurzfristig unterhaltsam, aber langfristig nicht wirklich hilfreich. Das hat mich schon bei den einigen Wahlprospekten gestört. Schließlich will ich vor einer Wahl wissen, wofür die jeweilige Partei, Liste oder Person steht – und nicht, welche Probleme sie mit ihrem politischen Gegner hat. Die Flyer-Flut vor der Stichwahl zeugte von einer gewissen Verzweiflung. Und zeigte, dass Wachenheim einen neuen Stil in der politischen Kultur auch über den Stadtrat hinaus braucht. Was sollte das anonyme Flugblatt „Die Paten von Wachenheim“? War ja stellenweise ganz lustig, aber zur Satire gehört für mich auch der Satiriker. Warum hatte der Autor nicht den Mut, seine Schmähkritik unter eigenem Namen zu veröffentlichen? Geht es hier um eine offene Auseinandersetzung in der politischen Diskussion oder nur um eine Schädigung des Gegners? Ist vielleicht die Rolle des „total netten Listenmitglieds“ nur vorgespielt? Schließlich setzte schon Friedrich der Große anonym satirische Flugschriften in die Welt, um seine Gegner zu brüskieren (vgl. Andreas Pečar: Friedrich der Große als Autor).

Der anonyme Autor des Paten-Flugblatts ist für mich kein Satiriker, sondern ein verbaler Heckenschütze. Das scheint in Wachenheim Tradition zu haben: Auch die anonymen Autoren des Hexenblatts schießen gerne mal mit scharfer Wortmunition aus dem Hinterhalt. Ich finde nicht, dass diese Art der anonymen Auseinandersetzung Wachenheim weiter bringt. Der neue Bürgermeister will laut seiner Website eine ergebnisoffene Meinungsbildung fördern und möglichst viele Wachenheimer dafür gewinnen, sich für die Gemeinschaft zu engagieren. Damit könnte dem Wechsel im Rathaus ein Wandel in der politischen Kultur der Stadt folgen. Und eine Menge Wachenheimer könnten sich einbringen – unter ihrem eigenen Namen.

Cordelia Krooß

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