Heute ist der Leserbrief in der Rheinpfalz erschienen. Habe ein paar positive Kommentare bekommen. Die Mafia oder die Hexen standen nicht vor der Tür.

Eigentlich könnte ich gleich noch einen Leserbrief schreiben. Aber jetzt kann ich ja bloggen. Am Dienstag hat die Rheinpfalz die Sondierungsgespräche der Parteien für die Stadträte in Bad Dürkheim, Freinsheim und Wachenheim sowie für den Kreistag beschrieben. In Wachenheim scheint niemand an eine feste Koalition im Stadtrat zu glauben. Wechselnde Mehrheiten – klingt anstrengend. Oder geben sich die Parteien nur vage, um sich mit einem Beigeordneten-Amt doch noch in ein festes Bündnis locken zu lassen?

Irritiert hat mich eine Aussage des FDP-Fraktionschefs Dr. Helmut Panzel. Die Rheinpfalz schreibt: „Interessant sei, wie sich das ‚Wegbrechen eines Feindbildes‘, das Nagel für einige Fraktionen gewesen sei, auswirke. Man brauche jetzt ja ein neues, meinte Panzel.“

So, braucht man im Wachenheimer Stadtrat ein Feindbild? Wer dort sitzt, hat von seinen Wählern ein Mandat erhalten, einen politischen Vertretungsauftrag. Die deutschen Parlamentarier, und dazu zählen auch unsere Stadträte, haben freie Mandate. Das heißt, nach der Wahl ist der Gewählte nur seinem Gewissen verpflichtet, vielleicht dem Fraktionszwang, aber nicht einem konkreten Wählerauftrag. Das lateinische mandare, von dem das Wort stammt, heißt auch „aus der Hand geben“. Die Freiheit des Mandats ist sogar im Grundgesetz festgeschrieben. Ein Abgeordneter hätte also wohl die Freiheit, während der gesamten Legislaturperiode sein Feindbild zu kultivieren. Nur würde ich mich dadurch äußerst schlecht vertreten fühlen!

Zugegeben, ich habe auch ein Feindbild. Das steht neben der Weinstraße in einem Wingert und zeigt einen hinaquarellierten Supermarkt mit Parkplatz und Mehrfamilienhäusern. Wenn ich das Wahlergebnis richtig interpretiere, haben etwa 65% der Wachenheimer dieses Feindbild. Wie wäre es, wenn eine breite Mehrheit im Stadtrat sich von diesem Feindbild einen lässt? Einer konstruktiven Arbeitshaltung wäre das bestimmt zuträglich.

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