Wer hätte das gedacht: Es gibt eine Stadtratsitzung in Wachenheim, und die meistgenutzte Vokabel nach den diversen Abstimmungen ist „einstimmig“. Zugegeben, die Tagesordnung bot heute Abend keine wirklich heißen Eisen. Wenn es zwei Lager gab, fanden sich in dem einen meist nur vier Ratsmitglieder: die Abgeordneten der FWG.

Ein gut gehütetes Geheimnis ist nun auch gelüftet. Als erster Beigeordneter wird künftig Dr. Helmut Panzel von der FDP an der Seite des neuen Bürgermeisters sitzen. Genau der, der nach der Wahl gespannt war, welches neue Feindbild sich die bisherige Opposition suchen wird. Der  zweite Beigeordneten-Posten ging nicht an einen Vertreter von SPD oder WL, sondern an Volker Liebschner von der lokalen Agenda. Die lokale Agenda hatte es in der Vergangenheit schwer, mit ihren Anliegen und Anregungen im Stadtrat Gehör zu finden. Das scheint sich nun zu ändern. Ein vielversprechender Anfang für mehr Bürgerbeteiligung.

Klar ist jetzt auch: Es gibt keine Geschäftsbereiche für die Beigeordneten! Gut so, denn das hätte mehr gekostet als der beinahe kontrovers diskutierte Zuschuss, den die Stadt zur Restaurierung der Georgskirche leisten wird (10.000 € verteilt auf zwei Jahre).

Müßte man die Atmosphäre der Sitzung mit nur einem Wort beschreiben, wäre sachlich der Favorit. Sicher, der Unterhaltungswert der Stadratssitzungen hat nachgelassen. Beim Tagesordungspunkt „Ausschüsse“ flammte ein wenig alte Kampfeslust auf. Passt die Wirtschaftsförderung nun eher in den Finanzausschuss oder in einen Ausschuss mit der Tourismusförderung? Braucht es einen Ältestenrat oder nicht? Hier hatten FWG und der Rest unterschiedliche Meinungen. Das ist nichts Neues. Neu ist aber, dass der Bürgermeister alle Meinungen hörte und nicht versuchte, abweichende zu diskreditieren.

Viel spekuliert wurde im Vorfeld ja, welche Rolle Arnold Nagel als Stadtratsmitglied spielen würde. Immer wieder war die Befürchtung zu hören, dass er es Torsten Bechtel so schwer wie möglich machen wird. Die schleppende Übergabe der Amtsgeschäfte nährte diese Sorgen. Die erste Sitzung jedoch nicht. Der neue Stadtrat Nagel meldete sich nicht zu Wort.

Spannend wird es natürlich, wenn das Thema ansteht, das Herrn Nagel den Posten kostete: das Pfortenstück. Vielleicht kehrt auch hier wieder ein rationales Element in die Diskussion zurück.

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