Neulich in der Autowerkstatt: Während ich auf meinen Wagen warte, bringt der Besitzer des Autohauses neben der Eingangstür einen großen Aufkleber an. Drei Kinder mit leicht erschrecktem Gesichtsausdruck sind darauf zu sehen. Ob ich die Aktion kenne, fragt er mich. „Ich kenne die Notinsel, und ich finde es toll, dass Sie da mitmachen“, meine ich. „Ist doch selbstverständlich“, kommt die Antwort.

Eigentlich ist es wirklich selbstverständlich, worum es bei der Notinsel geht: Kinder können sich in Notlagen an Erwachsene wenden und finden dort Zuflucht und Hilfe. Das Projekt Notinsel zeigt Kindern konkrete Orte auf, wo sie auf jeden Fall sicher sind. Teilnehmen kann jedes Geschäft – egal ob Werkstatt, Bäckerei oder Friseur. Jedes Kind sollte wissen: wo das Notinsel-Logo hängt, da finde ich Hilfe, wenn ich Angst habe oder mich bedroht fühle.

In Bad Dürkheim, wo sich Bürgermeister Lutz für das Projekt engagiert, gibt es schon ein dichtes Netz aus Notinseln. Meine Forster Werkstatt ist dabei, und ich glaube, in Wachenheim auch schon Aufkleber gesehen zu haben. Vielleicht kennt ja jemand eine Notinsel bei uns – dann freue ich mich über einen Kommentar.

Für die Kinder ist es gut zu wissen, dass es solche Anlaufstellen für den Notfall gibt. Aber reicht das? In Wachenheim hat Ende August ein Kind Hilfe gebraucht. Es wurde im Römerweg von einem Autofahrer angesprochen (die Kurpfalzschule hat darüber ja in einem Elternbrief informiert). Das Kind wurde den Ansprecher los und wandte sich dann in seiner Notlage an eine Passantin. Die wollte helfen, doch sie fuhr nach Hause, um die Polizei zu rufen. Das Kind ließ sie auf der Straße stehen. Vielleicht hätte sie ihm wesentlich besser helfen können, wenn sie sich erstmal seiner angenommen hätte.

Aber Moment, das schreibt sich jetzt natürlich leicht. Kann ich mir sicher sein, dass ich in einer solchen Situation richtig reagieren würde? Vielleicht sollten wir Erwachsenen mal das tun, was wir mit unseren Kindern praktizieren: Das richtige Verhalten bewusst machen und einüben. Für die Kinder kann ich das „Selbstbehauptungs- und Sicherheitstraining für Kids“ der VHS Wachenheim empfehlen (Kurse 131 und 132 im aktuellen Programm). Wir Erwachsenen sollten uns auch immer wieder vergegenwärtigen, was zu tun ist, wenn jemand vor unseren Augen in eine brenzlige Situation gerät: Hinschauen und laut fragen, ob alles OK ist. Wenn man zu mehreren ist, dann unbedingt die anderen ansprechen und zu Verbündeten machen. Immer, wenn es irgendwie geht, sich einmischen und helfen. Gerade Kinder möchten sich darauf verlassen können, dass sie in einer gefährlichen Situation Hilfe und Trost von Erwachsenen erfahren. Eigentlich kann jeder eine Notinsel sein.

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