Als stadtbildprägend hat Bürgermeister Bechtel seinen Vorgänger Arnold Nagel bei seiner Amtseinführung bezeichnet. Ein gewisser Sarkasmus lag dabei sicher im Ohr des Zuhörers, vor dessen geistigem Auge das Kuhn’sche Weingut, der wuchtige Altenheimanbau und ein potentieller Supermarkt im Pfortenstück um Beachtung buhlten.

Das Stadtbild prägen wird sicher auch der Neubau des Kelterhauses der Winzergenossenschaft. Kein Sarkasmus eingebaut, ehrlich! Ich trinke die Weine der Wachtenburgwinzer gern und wenn ein neues Kelterhaus nötig ist, muss es gebaut werden. Warum es so hoch sein muss, kann ich nicht beurteilen.

Dass aber scheinbar niemand beurteilen kann, wie hoch es denn nun eigentlich sein wird, ist irritierend. 9,60 m hoch meint der Architekt, 11,50 m hoch die Bauaufsicht der Kreisverwaltung. Schön, das sind ja nicht mal zwei Meter Unterschied. Schwamm drüber.

Schließlich gibt es Fördergelder und ein enges Zeitfenster für den Bau. Also haben Ex-Bürgermeister Nagel und seine Beisitzer mir nichts dir nichts per Eilentscheid den Bebauungsplan außer Kraft gesetzt, den der Ex-Bürgermeister noch Jahre zuvor durchgesetzt hatte.

In seinem Klasse-Kommentar in der heutigen Rheinpfalz bringt Stephan Alfter es auf den Punkt: Mit diesem Eilentscheid hat Winzergenossenschaftsmitglied Nagel seiner Genossenschaft einen Bärendienst erwiesen. Denn das Einschreiten der Bauaufsicht hat schon Zeit gekostet, egal zu welchem Ergebnis der Stadtrat heute Abend kommt.

Wenn Nagel und seine Beisitzer bis Ende Juni von der beanstandeten Höhe des geplanten Gebäudes nichts wussten, wie der ehemalige Bürgermeister behauptet, warum dann die Eilentscheidung am 24. Juni? Wie kann das abgelaufen sein? Dachten sich die Drei: wir wissen zwar nicht warum, aber wir befreien ganz hurtig und ohne den neuen Stadtrat die Winzergenossenschaft vom Bebauungsplan?

Spielt hier wieder die Dauerfehde zwischen Arnold Nagel und Lothar Sturm mit hinein? Handelten Nagel und seine Beisitzer also aus Unwissenheit oder Boshaftigkeit?

Die Winzergenossenschaft wird das weniger interessieren. Für sie ist das Ergebnis der heutigen Stadtratssitzung wichtiger. Die Entscheidung fällt im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung. Unwahrscheinlich aber, dass der Rheinpfalzartikel keine Reaktionen vor Publikum hervorruft. Könnte interessant werden.

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