So kontrovers kann man sich einig sein! Heute Abend beschloss der Stadtrat bei einer Gegenstimme (Lothar Sturm) und einer Enthaltung (Michael Wendel), die Winzergenossenschaft vom Bebauungsplan Süd auszunehmen. Das neue Kelterhaus darf also die beantragte Höhe haben.

Die Debatte vor der Abstimmung ließ jedoch kaum auf einen breiten Konsens schließen. Zu gegenwärtig waren wohl die Streitereien während der mehrjährigen Entstehungsgeschichte des Bebauungsplans Süd. Jenes Planes, der die Keimzelle der persönlichen Animositäten zwischen Lothar Sturm und Arnold Nagel zu sein scheint.

Während der eine sagt, der Plan wäre aufgestellt worden, um seine Wohnbebauung in der Nachbarschaft der Winzergenossenschaft zu verhindern, sagt der andere, der Plan habe den Bestand der Winzergenossenschaft schützen sollen. Nagel behauptete in der Sitzung, dass es ohne jenen Bebauungsplan, der eben auch die Gebäudehöhen vorschreibt, die Winzergenossenschaft und die Sektkellerei in Wachenheim heute nicht mehr gäbe. Gut, er hat auch behauptet, dass REWE 2008 schließt und Wachenheim dann ohne Supermarkt da steht.

Die Frage der Befangenheit beim Thema sorgte für Diskussionen. Während die Verwaltung keine Befangenheit bei Ratsmitgliedern gesehen hatte, gab es im Rat erhebliche Zweifel. Nicola Räch etwa sah für sich eine Befangenheit und wollte auf die Teilnahme an der Abstimmung verzichten, Lothar Sturm und Kira Hinderfeld ebenfalls. Dann richteten sich die Augen auf das einzige anwesende Mitglied der Winzergenossenschaft. Arnold Nagel allerdings fühlte sich gänzlich unbefangen dabei, über einen Punkt abzustimmen, der für die wirtschaftliche Existenz der Genossenschaft bedeutend ist, die ihm seine Trauben abnimmt.

Für das Ergebnis der Abstimmung war das Geplänkel letztlich unerheblich. Die Winzergenossenschaft hatte sich im Vorfeld der Sitzung um weitgehende Transparenz bemüht, so dass wohl auch von der benachbarten Eigentümergemeinschaft keine Klage zu erwarten ist. Jetzt bleibt zu hoffen, dass der Wein demnächst noch besser wird und die Wachtenburg-Weine bei Prämierungen endlich denen der Vier Jahreszeiten der Rang ablaufen.

Unterhaltsam wurde dann der Punkt „Verschiedenes“ der Stadtratssitzung. Hier fragte Sturm, ob es denn eine geordnete Übergabe vom alten auf den neuen Bürgermeister gegeben habe. Um diplomatische Worte bemüht, berichtete Torsten Bechtel vom Übergabegespräch, das aus dem kommentierten Aushändigen eines DIN A 4-Blatts mit Schlagworten bestanden habe. In dem vormals mit Akten gut bestückten Bürgermeisterzimmer sei jetzt viel Platz, neue Ordner ins Regal zu stellen. Daraufhin entgegnete Nagel, er habe Termine angeboten und schließlich seien alle Akten in den zuständigen Abteilungen vorhanden. Erinnert mich an eine Passage aus Douglas Adams’ „Per Anhalter durch die Galaxis“: Als sich die Erdbewohner über die Sprengung der Erde für eine Umgehungsraumstraße beschweren wollen, kommt heraus, dass die Pläne dazu 100 Jahre lang auslagen – hinter einer Tür mit der Aufschrift „Vorsicht bissiger Tiger“, in einem treppenlosen Keller ohne Licht in einem baufälligen Haus auf einem unwirtlichen Planeten in Alpha Centauri.

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