November 2009


Endlich hat der VG-Rat seinen Einspruch gegen den Kreis-Bescheid zum Pfortenstück begründet. Die Kreisverwaltung hatte ja die Änderung des Flächennutzungsplans nicht genehmigt, da die Verbandsgemeinde die Belange des Denkmalschutzes ihrer Ansicht nach nicht genug berücksichtigt hatte. Aber was versteht schon ein Raumplaner vom Denkmalschutz?
Zum Glück gibt es ja die gesammelte Denkmalschutzkompetenz im Rat der Verbandsgemeinde Wachenheim. Die hat jetzt erkannt: Nicht ein Supermarkt bedroht die mittelalterliche Stadtmauer am Pfortenstück, sondern die Touristen. Von einem Sondergebiet für Tourismus gehe eine „deutlich größere Gefahr“ für das denkmalgeschützte Gemäuer aus.

Ja klar! Warum sind wir da nicht alle schon viel früher drauf gekommen? Die Touristen sind die eigentliche Gefahr für Burgen, Mauern und Ruinen. Wenn wir unsere Baudenkmäler effektiv schützen wollen, müssen wir Touristen von ihnen fernhalten. Ein Supermarkt ist da ein probates Mittel. Der könnte Touristen tatsächlich von der gefährlichen Idee abbringen, sich die Wachenheimer Stadtmauer mal aus der Nähe anzusehen.

Vielleicht sollten die Verbandsgemeinderäte mit dieser Idee ins Beratungsgeschäft einsteigen. Konsum als neue Waffe in der Tourismusbekämpfung! Ohne Supermarkt ist es doch nur eine Frage der Zeit, bis Touristen den Freinsheimern ihre Mauer zerstören. Und auch das Hambacher Schloss ist akut durch Urlauber bedroht. Von der Wachtenburg ganz zu schweigen!

Wir sollten die klugen Köpfe im Verbandsgemeinderat nicht allein lassen. Jeder Einzelne kann helfen, Touristen von unseren Kulturgütern fernzuhalten. Wenn Sie der nächste Erholungssuchende fragt, wie er denn zur Burg, zur Stadtmauer oder zur Villa Rustica kommt, handeln Sie verantwortungsvoll! Beschreiben Sie ihm den Weg in den Bruch! Denn wer kauft, zerstört keine Baudenkmäler. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Danke, weiser Verbandsgemeinderat.

Gestern Abend tagte mal wieder der Stadtrat. Gestern trafen sich aber auch die freien Mitarbeiter der Rheinpfalz. Also gibt es diesmal keinen Wachtenblog-Bericht von der Sitzung. Die interessanten Themen, falls es welche gab, waren wohl ohnehin im nicht-öffentlichen Teil versteckt. Dachte sich auch die Rheinpfalz und hat niemanden zur Sitzung geschickt.

Wäre aber schön, bei den Sitzungen immer einen Blogger zu haben. Daher nochmal die Einladung an alle, die den Mut haben, unter ihrem eigenen Namen zu schreiben: werdet Wachtenblogger! Bloggen geht fix und die hohen Zugriffszahlen auf den Blog überraschen uns immer wieder.

Vor einigen Jahren haben die Wachenheimer über den Bau des Kurpfalzauditoriums im Oberstnest abstimmen dürfen – und waren mit Dreiviertelmehrheit dagegen. Aber das heißt ja nichts. Ist ja nur die Bürgermeinung. Und mit einem neuen Namen ist sicher auch ein neuer Bedarf und eine neue Akzeptanz verbunden, dachte man sich wohl für eine Weile im Rat, nachdem die bindenende Wirkung des Bürgerentscheids passé war und Herr Nagel das Projekt wieder auf den Tisch brachte.

Jetzt war es die Schule, die die Halle unbedingt brauchte – als Aula. Erinnern wir uns nicht alle an die vielen Stunden, die wir in der Aula unserer Schule verbrachten? Meine Schule hatte sogar zwei, die außerhalb von Abiturfeiern etwa die Funktion eines extravagant breiten Flurs hatten. Dumm nur, dass die Gesamtschule in Wachenheim keine Aula braucht. Und noch dümmer, dass die Halle drumherum 4 Millionen Euro kosten soll. Und am allerdümmsten, dass man bei maßgeblichen Stellen den Bedarf dafür nicht sieht und daher dreimal ablehnte, einen Zuschuss für eine neue Halle zu geben. Doch halt! Der ehemalige Bürgermeister hat wieder in die Zukunft geblickt. Wir brauchen Räume für die Schule, weil – aufgemerkt – Herr Nagel davon ausgeht, dass die Gesamtschule verplichtende Ganztagesschule wird.

Über den Sinn der freiwilligen Ganztagsschule kann man diskutieren – ich habe drei paar Jahre eine AG im Ganztagsangebot der Wachenheimer Grundschule geleitet und finde, dass Ganztagsschule nur Sinn macht,wenn der Unterricht und die Hausaufgaben über den gesamten Tag gestreckt werden. Davon abgesehen wollen beileibe nicht alle Eltern eine Ganztagsschule, die für die gewohnten Nachmittagsaktivitäten kaum Spielräume läßt. Und überhaupt geht das alles am Thema vorbei, denn wie Katrin Keller völlig richtig schreibt, ist die Raumplanung der Gesamtschule gar nicht Aufgabe der Stadt Wachenheim.

Wozu brauchen wir eine solche Halle also, wenn man ominöse Orakel außer Acht läßt?  Um neue Parkplätze zu haben? Da käme der Bau eines Parkplatzes ohne Halle billiger. Erfreulich, dass das Ganze jetzt noch einmal durchleuchtet wird und auch neue Ideen erwünscht scheinen.

Heute hat sich eine Frage geklärt, die sich mir schon ein paar Mal gestellt hat: Warum sammeln die Wachenheimer Pfadfinder einmal im Jahr Altpapier ein? Die jungen Leute sind dazu von 8 Uhr morgens bis in den späten Nachmittag unterwegs. Wozu der Aufwand – schließlich können die ausgedienten Zeitungen, Kartons und Prospekte doch ganz bequem per Altpapiertonne entsorgt werden?

Als heute wieder mal eine Meldung im Amtsblatt auf die nächste Sammlung der Pfadfinder am Samstag, 28. November, hinwies, habe ich einfach mal angerufen – beim Organisator Oliver Wild von den Wachenheimer Pfadfindern, dem Stamm Ritter von Dalberg. Und tatsächlich, er gab mir eine einleuchtende Erklärung: Die Pfadfinder haben diese Altpapiersammlung schon vor etwa 30 Jahren angefangen. Als die Altpapiertonnen eingeführt wurden, machten die Dalberg-Ritter eine Umfrage bei den Wachenheimern. Laut Oliver Wild wollten 2/3 der Befragten weiterhin gebündelte Zeitungen und Kartons vor die Türe stellen, um die Pfadfinder zu unterstützen. Die Pfadfinder bekommen nämlich für das Altpapier Geld von einem Entsorgungsunternehmen, und damit finanzieren sie einen Teil ihrer Jugendarbeit. Eine gute Sache also. Das denkt sich wohl auch die Kreisverwaltung Bad Dürkheim und unterstützt die Pfadfinder. Für die Sammelaktion ist nämlich eine Menge zu organisieren. Zum Beispiel müssen die Traktoren versichert werden.

Wo ich jetzt den Hintergrund kenne, werde ich unsere Altpapiertonne bis zum 28. November auf Diät setzen. Schließlich sagte Oliver Wild, dass auch kleine Mengen zum Gesamterfolg der Aktion beitragen. Einen geeigneten Karton zum Verpacken finde ich bestimmt (schließlich ist unsere Jüngeste den Windeln noch nicht komplett entwachsen :-)). Ansonsten tut es wohl auch ein ordentliches Bündeln des Altpapiers, und dann kommt alles bis 8 Uhr morgens vor die Tür. Bleibt nur zu hoffen, dass es an dem Samstag nicht regnet.

Bei unserem Telefongespräch habe ich Oliver Wild noch eine weitere Sammelaktion vorgeschlagen. Uns nervt es nämlich jedes Jahr im Januar, dass man die abgeschmückten Weihnachstsbäume nicht einfach vor die Haustür stellen kann, sondern sie an den Alten Galgen bringen muss. Da hat man nur die Wahl, das Auto zu nehmen – und danach unzählige Tannennadeln aus dem Teppichbelag des Kofferraums zu zupfen – oder das nadelnde Gerippe durch halb Wachenheim zu schleifen. Haben wir beides schon ausprobiert, macht nicht wirklich Spaß. Wie schön wäre es, wenn die Pfadfinder mit dem Traktor zum Tannenbaum-Einsammeln kämen!  Von einem Entsorgungsunternehmen würden sie dafür wohl nichts bekommen – aber ich zum Beispiel würde ihnen für unseren Baum gerne 5 Euro in die Hand drücken!

Oliver Wild stand der Idee aufgeschlossen gegenüber. Bevor man sich da genauere Gedanken macht, müsste man natürlich wissen, ob außer mir (und einigen Nachbarn, mit denen wir jedes Jahr über die Prozedur lästern) noch andere Wachenheimer an der Aktion interessiert wären. Fangen wir doch einfach mal im Wachtenblog an: Wer von unseren Lesern würde den Pfadfindern gerne gegen einen – selbst wählbaren – Spendenbetrag seinen Weihnachstbaum übergeben? Zum Antworten bitte ganz oben im Beitrag  auf „Leave a comment“ klicken.

Kaum ist Halloween vorbei, ziehen schon wieder Sammler durch Wachenheims Straßen. Diesmal meist volljährig und wahrscheinlich unverkleidet. Doch haben sie es nicht auf Süßes abgesehen, sondern auf Überflüssiges. Es ist wieder Sperrmüllzeit. Sollte Wachenheim irgendwann einmal Luftkurort werden wollen, sollte der Entsorgungskalender konsultiert werden, bevor Fachkräfte zum Ermitteln der Luftqualität eingeladen werden.

Seit Sonntag patrullieren wieder betagte Kastenwagen auf der Suche nach verwertbarem Weggeworfenen. Jeden Tag mehr und jeden Tag häufiger. Auf unserer Seite der Weinstraße (der mit der höheren Wahlbeteiligung) ist ja mutmaßlich am Mittwoch Sperrmüll. Dienstags, wenn die Transporter zeitweise Stoßstange an Stoßstange unterwegs sind, liegt dann permanent Dieselgeruch in der Luft. Kinder bleiben dann besser hinterm Haus (noch besser drin, der Feinstoffkonzentrationen wegen), denn der Sperrmüllfledderer muss seine Aufmerksamkeit ja auf potentiell kommerziell Verwertbartes richten – und der Markt für angefahrene Kinder ist extrem überschaubar.

Mit einer Feinstaubplakette für Wachenheim wäre der Spuk im Handumdrehen erledigt, obwohl: es fahren dieses Jahr nicht mehr ganz so viele Klapperkisten im zweiten Gang von Haufen zu Haufen. Und warum bleiben die immer bei den Nachbarn stehen und nicht bei uns? Ist deren kaputter Stuhl etwa besser als unser kaputtes Regal? Was, wenn der ganze Schrott morgen noch da liegt? Völlig unangetastet. Doch halt, da geht der versiffte Teppich dahin, und endlich die 20 Jahre alten Klappstühle, die älter aussehen. Puh, Gesicht gewahrt.  Oh, House geht los, muss Schluss machen.

In meinem Lieblings-Social-Network XING gab es die letzten Tage mehrere Diskussionsrunden zu Halloween.  Dabei outeten sich viele Mitglieder als Halloween-Hasser, wetterten gegen den aus USA importierten Konsum und fluchten über unverschämte Kinder. Ein XINGer erzählte sogar, dass er seine Wohnungstür mit vorsorglich Folie beklebt, nachdem sie einmal völlig verschmiert wurde.

Da wurde mir wieder mal bewusst, wie gut wir es in Wachenheim haben. In Ludwigshafen fand ich Halloween auch eher nervig. Hier freue ich mich richtig auf den Tag: Vor fast jeder Tür leuchtet ein ausgehöhlter Kürbis. Sobald es dunkel wird, zieht einer von uns „Großen“ mit den verkleideten Mädels durch die Nachbarschaft. Ich hatte dieses Jahr „Hausdienst“ und konnte im Laufe des Abends fast alle Kinder aus der Nachbarschaft liebevoll zurechtgemacht als Hexen, Gespenster, Monster oder Vampire bewundern. Auf den Spruch „Süßes oder Saures“ beschränkten sich die allerwenigsten. Fast immer sagten die kleinen Gruselgeister kurze Gedichte auf (unsere mussten sich auch eins überlegen, bevor es losging). Zwei Gruppen sangen sogar englische Halloween-Lieder. Für eine so nette Unterhaltung gebe ich gerne eine kleine Belohnung – zumal man den meisten Kids hier nicht extra sagen muss, dass sich jeder aus der Süßigkeitenschüssel bitte nur ein Stück nimmt.

Für mich hat der Halloween-Abend hier immer etwas Zauberhaftes. Und dabei ist es mir egal, ob der Brauch aus den USA, aus Irland oder anderen keltischen Regionen importiert ist. Spätestens wenn wir bei lieben Nachbarn um ein Holzfeuer stehen und gemeinsam Kürbissuppe und Glühwein genießen, ist Halloween eine Echt-Wachenheimer Erfahrung.

Und noch eine Randnotiz aus der Hochburg des Halloween: Bei Spiegel online habe ich gerade gelesen, dass in den USA immer mehr Schulen Richtlinien für die Halloween-Kostümierung der Kinder herausgeben. Aus politischer Korrektheit und christlichem Fundamentalismus entstehen da absurde Vorschriften: kein Blut, keine Masken, keine Spielzeugwaffen, keine künstlichen Fingernägel (?!), nichts Ethnisches oder gar Religiöses. Eine Schule riet den Kindern, sich doch als historische Persönlichkeiten oder gesundes Gemüse zu verkleiden. Bin ich froh, dass wir Halloween in Wachenheim feiern!

Jetzt würde mich mal interessieren: Wie ist Halloween in Ihrer /Eurer Nachbarschaft?