Wer vom Rhein kommt, kennt das Phänomen: Es gibt immer eine richtige und eine falsche Seite im Leben.  Für den echten, also linksrheinischen Kölner ist das die schäl Sick , auf hochdeutsch schlechte oder falsche  Seite. Das sind für den Kölner die rechtsrheinischen Viertel der Stadt. Schlimmer ist nur noch Düsseldorf. Von anderen Gegenden an Rhein und Mosel kenne ich das auch. Die schäl Sick Mannheims ist eindeutig Ludwigshafen. Und für die Bayern leben die Österreicher auf der falschen Seite der Grenze.

Gibt es die Unterteilung in richtige und falsche Seite auch im kleinen Wachenheim? Mal abgesehen von der Grenze, die unseren grillfreien Garten von Franks Carnivoren-Paradies trennt? Immerhin liegen diese beiden Grundstücke in Wachenheim II. Daneben gibt es noch – richtig – Wachenheim I. Als Demarkationslinie fungiert die Weinstraße. Sie trennt die Wachenheimer in Wessis (I, oberhalb der Weinstraße) und Ossis (II, unterhalb der Weinstraße).

Und was ist nun der Unterschied? Bei oberflächlicher Betrachtung fällt nur auf, dass der Müll an unterschiedlichen Tagen abgeholt wird.  Einen weiteren Hinweis gab uns die Rektorin der Kurpfalz-Grundschule bei der Einschulung unserer Tochter: Früher habe man die Klassen einheitlich aus Kindern von diesseits oder jenseits der Weinstraße bestückt. Für die Laufgruppen sicher praktisch. Allerdings sei man davon abgekommen, um eine ausgewogenere Zusammensetzung der Klassen zu erreichen.

Also scheint es doch mehr Unterschiede zwischen I und II zu geben, als die Müllabfuhr vermuten lässt. Eine Manifestation findet sich in den Ergebnissen der Bundestagswahl 2009. Bei der Wahlbeteiligung gibt es einen signifikanten Unterschied: Während in Wachenheim I nur 65,4 % zur Urne gingen, waren es in Wachenheim II 79,9%. Das kann nur zum Teil daran liegen, dass die IIer sich vielleicht eher auf den (kürzeren) Weg zum Wahllokal in der  Schule machen, während die Wachenheimer aus dem Westen stärker zur Briefwahl tendieren.

Deutlich ist der Unterschied bei den gewählten Parteien (Zweitstimme): In Wachenheim I schnitten SPD (22,4% gegenüber 18,9%) und Linke (6,6% gegenüber 3,0%) besser ab. In Wachenheim II gab Vorteile für die CDU (38,7% gegenüber 34,8%) und ein deutliches Plus für die FDP (23,5% gegenüber  17,5%).

Auch wenn es in beiden Wahlkreisen locker für die Wespen-Koalition gereicht hat, scheint das rote Herz Wachenheims stärker im  Westen zu schlagen. Oder ist das alles Quatsch, die Weinstraße ist nichts als eine Straße, und die schäl Sick Wachenheims liegt in Forst?

Um kulturelle Aufklärung von erfahrenen Wachenheimern wird gebeten!

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