„Die sind ihr Geld wert“, kommentierte ein Mitbürger die Debattanten der gestrigen Stadtratssitzung beim Verlassen des Saals. Das war gegen 22 Uhr, nach dem Ende des öffentlichen Teils, dem ein programmreicher nicht-öffentlicher folgte. Dass die Veranstaltung sich so in die Länge gezogen hatte, lag selbstredend nicht an der prallvollen Tagesordnung. Hier gab es zwar viel zu bereden, offenbar aber noch viel mehr zu sagen. Ein anderer Schaulustiger kommentierte den Hang einiger Räte zum Satzverlust gestern so: „Es ist schon alles gesagt worden, aber noch nicht von mir.“  Wer einmal in die Verlegenheit kommt, möglichst staatstragend möglichst wortreich möglichst wenig zu sagen, kann von dem ein oder anderen Stadtrat viel lernen.Mag sein, dass das Verhältnis von substanziellen Beiträgen zu paraphrasierten Zusammenfassungen substanzieller Beiträge im nicht-öffentlichen Teil der Sitzungen günstiger ist. Ein Stadtratsmitglied deutete dies jedenfalls an. Wenn es also an den Zuschauern liegt, dass Räte meinen, sie müssten etwas sagen, auch wenn es schon gesagt wurde, bin ich Teil des Problems und entschuldige mich für meine wortschwallinduzierende Präsenz.

Es gab aber auch Themen, über die geredet wurde: Die Grundsteuer B wird ziemlich gemäßigt erhöht, der Campingplatz profiert vom Kommunenausplünderungsgesetz (oder heißt es Wachstumsbeschleunigungsgesetz?) und muss weniger Umsatzsteuer abführen, und das Mieten der Lutherischen Kirche für private Feiern wird teurer.

Der Entwurf für das neue Gebäude auf dem Burggelände wurde vorgestellt. Das wird richtig gut. Alles gut durchdacht. Die Pläne zum Friedhofsausbau wurden ebenfalls vorgestellt. Gestorben werden kann weiterhin ruhigen Gewissens, auch der Friedhof wird schön.

Für die nächste Sitzung hat Herr Nagel vom Bürgermeister eine schriftliche Stellungnahme zu den Umständen der Amtübergabe gefordert. Ob das so schlau war? Herr Bechtel sagte seinem Vorgänger eine Antwort zu und fügte in einem Nebensatz hinzu, dass er für diesen Termin auf regen Zuschauerzuspruch hofft.

Hoffentlich heilt die Entzündung, die der Stachel der Niederlage scheinbar verursacht hat, möglichst schnell. Denn abgesehen von den Scharmützeln um die Amtsübergabe laufen die Diskussionen im Rat jetzt deutlich demokratischer. Jeder kann seine Meinung äußern. Sollte sie der des Bürgermeisters widersprechen, bleibt die in den vergangenen Jahren übliche Gegenrede des Bürgermeisters aus, nach der Diskussion wird abgestimmt – fertig. Dafür kann man schon mal die ein oder andere Redundanz in Kauf nehmen.

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