Bei einer Sparmaßnahme hat es die Stadt jetzt eiskalt erwischt. Die Streusalz-Vorräte waren nicht auf den schneereichen Winter ausgelegt. Kleiner Trost: damit stehen wir nicht allein da. Eine Dame vom Ordnungsamt sagte mir gerade, dass dem Bauhof das Salz ausgegangen ist. Nachschub ist im gesamten Bundesgebiet nicht zu bekommen, in den Nachbargemeinden sieht es nicht besser aus.

Seit Montag herrscht laut Gemeindeverwaltung beim Bauhof Ausnahmezustand, die drei Mitarbeiter kommen mit dem Räumen und Streuen einfach nicht hinterher. Bei uns im Höhnhausen wurde gestern Split gestreut. Nur leider ohne jeden Effekt, er ist in eine zentimeterdicke Eisschicht eingefahren. Heute sind die Bauhof-Mitarbeiter laut Ordnungsamt dabei, die wichtigsten Verkehrswege in Wachenheim per Hand (also wahrscheinlich mit Schaufeln oder anderem Gerät) vom Eis zu befreien.

Von den Bürgern wird übrigens nicht erwartet, dass sie mit dem Eisstößel auf die Straße gehen. Zwar ist die Straßenreinigung in Wachenheim grundsätzlich Anwohnersache – also jeder muss die Straße vor seinem Grundstück bis zur Fahrbahnmitte sauberhalten. Den Winterdienst aber übernimmt ganz offiziell die Stadt für die Bürger. Wer im Moment aber etwas Sand oder Split übrig hat, darf der Stadt laut Ordnungsamt gerne helfen. Bei Streusalz ist eher Vorsicht geboten – nächste Nacht soll es so kalt werden, dass die angetaute Masse wieder gefrieren würde. Wer also Salz streut, sollte danach den Matsch beiseite räumen.

Insgesamt klingt die Erklärung der Ordnungsamt-Mitarbeiterin sehr einleuchtend – und ich schätze es sehr, dass sie sich die Zeit dafür genommen hat. Aus ihren Worten klang auch heraus, dass die Stadt von der Heftigkeit dieses erneuten Schnee-Einbruchs überrascht war („so einen Winter haben wir einmal in 20 Jahren“). Nicht ganz nachvollziehen kann ich aber die Prioritäten beim Schneeräumen. Gerade wenn die Salzvorräte erschöpft sind, muss man doch den Schnee möglichst beiseite schaffen, bevor er zu Eis friert.

Dass dabei Hauptverkehrsadern wie Weinstraße und Friedelsheimer Straße oberste Priorität haben, ist ganz klar. Was ist aber mit den Nebenstraßen? Zum Beispiel im Norden Wachenheims: Oberhalb der Weinstraße sind Königswingert, Hüttenwingert, Bürklin-Wolf-Straße und sogar das kleine Sträßchen „Am Lindenbrunnen“ geräumt. Unterhalb der Weinstraße im Neubaugebiet „Auf der Höhe“ wurde nicht geräumt. Seit gestern Abend liegt zum Beispiel im Höhnhausen eine zentimeterdicke Eisschicht auf der Straße – mittendrin die schon erwähnten Splitsteinchen. Es ist spiegelglatt, heute morgen ist schon ein Junge mit dem Fahrrad vor unserem Haus gestürzt. Von da kann man übrigens auf den Wirtschaftsweg sehen, der parallel zum Höhnhausen verläuft. Der ist schon seit Sonntag schneefrei. Ein Winzer sagte mir, das käme durch die Schlepper, die ständig über den Weg fahren.

Eine ganz eigene Theorie zu den Prioritäten beim Schneeräumen wurde heute morgen bei den Waldkindergarten-Eltern diskutiert. Ein Bekannter erzählte, seine Straße sei immer perfekt geräumt worden, so lange da ein Stadtrat wohnte. Seit dem nicht mehr so sei, sehe es da auch aus wie im Höhnhausen.

Aktueller Nachtrag: Es ist jetzt 10 vor 10, gerade kam das Streufahrzeug vom Bauhof – hurra! Erst streute der Wagen relativ wenig Split, doch dann kam das Fahrzeug in der Kurve in Rutschen und glitt etwa zwei Meter übers Eis. Danach legte der Fahrer bei der Splitmenge eine Schippe drauf, jetzt sieht es befahrbar aus. Das werde ich gleich mal ausprobieren – außer bloggen hab ich ja noch einen kleinen Nebenjob…

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