Wer regelmäßig beim Wachtenblog vorbeischaut, war heute vielleicht überrascht. Wir waren es auch – und hoffen, dass die Mailboxen unserer Abonnenten nicht übergelaufen sind angesichts von  mehr als 50 Kommentar-Benachrichtigungen!

Inhaltlich möchte den letzten Blogbeitrag und die Reaktionen hier gar nicht vertiefen. Den Kommentaren der Wachtenblogger ist nichts hinzuzufügen. Auch die Äußerungen der übrigen Kommentierenden sprechen für sich. Spannender ist vielleicht ein Blick auf die zwischenmenschliche Ebene. Übertragen wir das, was heute passiert ist, doch mal auf die nicht-virtuelle Welt (getreu der Kernaussage vieler Blogging-Ratgeber, dass online im Prinzip dieselben Umgangsregeln gelten wie offline).

Stellen Sie sich vor, Sie stehen mit ein paar Nachbarn auf der Straße zusammen und unterhalten sich. Das tun sie regelmäßig, und Sie sind immer froh, wenn jemand sich dazugesellt und mitdiskutiert. Manchmal laden Sie sogar ausdrücklich dazu ein, und wenn jemand die Einladung annimmt, dann freuen Sie sich.

Plötzlich erscheinen Leute, die Sie noch nie gesehen haben, und möchten mit Ihnen unbedingt über einige der Sätze sprechen, die Sie gerade gesagt haben. Dabei stellen sich die Herren nicht vor, duzen Sie aber ungefragt und schildern ihnen wortreich ihre Sicht der Welt. Anfangs versuchen Sie noch, diese Herrschaften humorvoll in die Unterhaltung einzubinden. Sehr schnell merken Sie jedoch, dass es diesen Leuten nicht um die Teilnahme an einen Gespräch geht, sondern um das Absetzen ihrer Botschaften (was auch immer sie sich davon versprechen).

Im weiteren Verlauf fragen die Herrschaften insistierend nach Zahl und Geschlecht Ihrer Kinder, prophezeien Ihnen ein baldiges Ende Ihrer Ehe, spekulieren über Ihre berufliche Leistungsbereitschaft, geben Ihnen Anweisungen zu Stil und Themen Ihrer Diskussion und bedeuten Ihnen, dass Sie noch viel lernen müssen. In ihrem missionarischen Eifer stört es diese Leute auch nicht, dass sich die ursprünglichen Gesprächsteilnehmer nach und nach aus der Interaktion verabschieden. Auch als sie schon längst allein auf der Straße stehen, ziehen sie immer noch weitere Standpunkte , Studien und Statistiken hervor.

Wir Wachtenblogger haben uns gefragt, wo kommen sie nur alle her, diese Herren mit mehr Sendungsbewusstsein als Kinderstube. Und da hat uns tatsächlich eine Statistik weiter geholfen, nämlich unsere Blogstatistik. Da sieht man nicht nur, dass der Wachtenblog heute etwa dreimal so viele Zugriffe hatte wie an unserem bisher besten Tag (obacht: Quantität ist nicht nicht gleich Qualität!), sondern auch, dass mehr als 120 dieser Zugreifenden von einerForumsdiskussion auf den Wachtenblog geleitet wurden.

Die haben wir uns natürlich mal angesehen (Achim hat es ja schon in einem seiner Kommentare erwähnt). Das Forum gehört zur Website „Wieviel ‚Gleichberechtigung‘ verträgt das Land?“. In dem Forum ruft Oliver (wohl derjenige, der sich uns auf freundliche Nachfrage ebenso freundlich als Oliver Ahmann vorstellte) seine Mitstreiter dazu auf, ihm beim Kommentieren unseres Blogbeitrags beizustehen. Übrigens mit den Formulierungen „Alle gegen einen, das gilt nicht“ (interessant dabei: mit dieser Aussage wollte er erreichen, dass viele Leute den Blogbeitrag einer Person kommentieren) und „Wer will, kann ja mitmachen, und freundlich feste druff“.

Nachdem der erste Forumsbeitrag erschienen war, gesellten sich auf dem Wachtenblog zu Oliver Ahmann auch noch Gernot Waldner, Carl Jung, Christoph Müller und Stefan Pradel.  Ich finde es wirklich rührend, wie viel Zeit sich die fünf Herren genommen haben, um einen Kommentar nach dem anderen zu schreiben. Da hatte ich wirklich viel zu lesen, als ich heute abend von der Arbeit heimkam. Nur schade, dass in dem ganzen Geschreibsel, das doch sehr ähnlich klang, die guten Kommentare von Mitgliedern der Wachtenblog-Zielgruppe fast untergingen!

Zur Wirkung der Kommentare von Oliver Ahmann & Co. möchte ich einfach das wiedergeben, was ein Nutzer namens Narrowitsch im oben beschriebenen Männerforum geäußert hat: „Wer auf jeden feministischen Spatzenfurz schwere Geschütze wie Wehrpflicht und Gesundheit auffährt oder gar mit ganzen Vorwurfslisten Salve schießt, der könnte Gefahr laufen, sich lächerlich zu machen.“ Auch hier habe ich nichts hinzuzufügen.

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