April 2010


Hurra, heute ist Hexennacht. Und der Wettergott scheint es gut zu meinen mit den Wachenheimern. Trotz miserabler Wettervorhersage hat’s das Spektakel des Pfälzerwaldvereins am Hexenstein bisher nicht verregnet. Wir konnten leider heute Nachmittag nicht mitmachen, aber nachher schnappen wir unsere Besen, und auf geht’s in die Stadt. Dann schauen wir mal nach der Hexe mit der Maushand – und warten natürlich gespannt aufs Hexenblatt!

20:42 Uhr. Hatte ich eben was von milde gestimmten Wettergottheiten geschrieben? Wenigstens hätte es noch schlechter werden können! Mal sehen, ob diese Hoffnung jetzt nicht auch prompt widerlegt wird.

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Mit diesem Blogbeitrag starte ich eine kleine Serie, zu der mich CDU-Stadtratsmitglied Dr. Walter Disteldorf inspiriert hat. Er wurde in einem Artikel der Rheinpfalz zu den geplanten Baumaßnahmen auf der Wachtenburg zitiert. Die Stadt müsse diese Maßnahmen unterstützen, so Disteldorf, schließlich habe Wachenheim ja nur die Burg.

Ich stimme Herrn Disteldorf insofern zu, als die Wachtenburg für unsere Stadt so wichtig ist, dass wir die notwendigen Mittel unbedingt aufbringen müssen. Etwas anders sehe ich die Ausschließlichkeit: Wachenheim hat noch deutlich mehr zu bieten als die Burg. Und auch bei den anderen Attraktionen ließe sich vielleicht das ein oder andere verbessern, damit die Vorzüge der Stadt voll zum Tragen kommen. Darum soll es hier gehen.

Passend zum Frühling fange ich heute mal mit einem romantischen Thema an: Heiraten. Genauer gesagt standesamtliche Trauungen, die nicht am Wohnort der Brautleute stattfinden. Das ist ein interessanter Markt, denn viele Paare heiraten nicht mehr kirchlich – manchmal liegen standesamtliche und kirchliche Trauung auch zeitlich oder räumlich weit auseinander. Dadurch entsteht der Bedarf, die standesamtliche Hochzeit mit vielen Gästen in festlichem Rahmen zu zelebrieren.

In der Pfalz fällt vielen da als erstes Freinsheim ein: Die standesamtlichen Trauungen im historischen Rathaus sind in der ganzen Region beliebt. So sehr, dass die Samstags-Termine bis Mitte September ausgebucht sind. Der Freinsheimer Stadtrat hat vergangenen Donnerstag beschlossen, mehr am Hochzeitstourismus zu verdienen. Auf Antrag von CDU, FDP und FWG wird die Saalmiete von 40 auf 100 bzw. für Ortsfremde auf 150 Euro erhöht (nur für die Trauung, wohlgemerkt!). Für Nicht-Freinsheimer kostet die standesamtliche Eheschließung mit allen Pauschalen und Gebühren dann rund 300 Euro. Außerdem soll künftig eine Hochzeitsordnung den Brautpaaren Regelungen für„sozialverträgliches Feiern“ vorgeben. Zum Beispiel ist Baumstammsägen nur für maximal 30 Minuten erlaubt, und das auch nur neben dem Rathaus.

Dass auch Wachenheim ein traumhaftes Ambiente für die standesamtliche Hochzeit bietet, wird in den einschlägigen Hochzeitsforen noch als Geheimtipp gehandelt. Auch auf der Homepage der Stadt wird darauf nur sehr dezent unter „Veranstaltungsräume“ hingewiesen. Daher hier mal ganz deutlich: In Wachenheim kann man sich in der Ludwigskapelle aus dem 14 Jahrhundert trauen lassen, und das ist wunderschön! Das Brautpaar, die Trauzeugen und die Standesbeamtin sitzen an einem Tisch im ehemaligen Altarraum, die Familie bildet einen Halbkreis drumherum. Auf den auf den Sitzreihen davor finden bis zu 100 weitere Gäste Platz. Meine Mutter hat dort geheiratet, die Standesbeamtin hat das sehr persönlich gemacht, und alle Gäste waren von der Atmosphäre begeistert!

Auch das direkte Drumherum hat viele Vorteile: Vor und nach der Trauung kann die Hochzeitsgesellschaft sich auf dem Marktplatz vor der Kirche versammeln. Bei der Kapelle gibt es sogar eine kleine Küche mit Kühlschrank – das erleichtert die Logistik für einen selbstorganisierten Sektempfang. Parkplätze finden sich direkt „Hinner de Kerch“.

Das einzige, was Wachenheim im Vergleich zu Freinsheim noch fehlt, sind Trauungstermine am Samstag. Da wir Wachtenblogger aufgefordert wurden, konkrete Ideen zur Sanierung des Wachenheimer Haushalts zu finden, schlage ich das hiermit einfach mal vor. Schließlich könnte Wachenheim dafür ordentlich Gebühren verlangen. Wäre doch eine Überlegung wert, oder?

Auch das Wachenheimer Gewerbe würde von einem wachsenden Hochzeitstourismus profitieren – und über die Gewerbesteuer wiederum die Stadt oder andere Orte der Verbandsgemeinde. Schließlich gehören viele Einzelleistungen zum Gesamtpaket Hochzeit. Hier könnten die Brautleute einiges vor Ort finden: Die Blumenhäuser Rudi Renfer oder Iris Diehl könnten florale Arrangements liefern. Für das Styling der Braut bietet Wachenheim zwei Friseure– zu empfehlen wäre außerdem das Kleine Haarhaus in Gönnheim (dann bleibt die Gewerbesteuer in der Verbandsgemeinde). In Friedelsheim gibt es einen Anbieter für Hochzeitsfahrten mit Oldtimern.

Ganz wichtig ist natürlich die Location für die Hochzeitsfeier: Mit den Pfälzer Top-Adressen wie dem Bad Dürkheimer Gartenhotel Heusser oder den Gebrüdern Meurer in Großkarlbach kann Wachenheim nicht ganz mithalten. Wenn man sich mal die Webseiten der Wachenheimer Gastronomie ansieht, scheint das Thema Hochzeit keine besondere Rolle zu spielen. Auf der Homepage des Weinguts Bürklin-Wolf findet man zum Thema Hochzeiten ein standardisiertes Anschreiben, das allerdings nicht unbedingt zum Hochzeit-Feiern in Wachenheim ermutigt.  Die Webseiten der Wein- und Ferienregion Wachenheim listet zwar viele Angebote für Pauschal-Arrangements auf, aber zum Thema Hochzeit ist nichts dabei. Dabei könnte ich mir eine ganze Reihe von Wachenheimer Hochzeits-Paketen vorstellen. Ich habe mich einfach mal von den vorhandenen Angeboten der Gastronomen inspirieren lassen:

  • Altstadt-Hochzeit: Sektempfang im Kelterhaus des Weinguts Manz, Altstadtführung, abends Pfälzer Kesselbufet in Altstadtstube des Weinguts Manz, Übernachtung des Brautpaars in Altstadt-Residenz.
  • Burg-und-Tal-Hochzeit: Kaffee im Wintergarten des Hotel-Restaurants Goldbächel. Dann wandert die Hochzeitsgesellschaft auf die Wachtenburg (das Brautpaar wird gefahren), oben kommt ein Fotograf dazu. Abends festliches Buffet im Goldbächel, wo das Brautpaar auch übernachtet.
  • Biker-Hochzeit: Empfang mit Kaffee und Kuchen auf dem Mundhardter Hof. Anschließend geführte Motorrad-Wanderung, zum Abschluss Pfälzer Abend auf dem Mundhardter Hof.
  • Do-it-yourself-Hochzeit: Nach der Trauung selbstorganisierter Sektempfang an der Ludwigskapelle, dann Feier in der Lutherische Kirche (Platz für ca. 100 Personen, Küche und Geschirr vorhanden, Miete pro Tag günstiger als im Freinsheimer Rathaus nur für die Trauung).
  • Guts-Hochzeit: Im Weingut Bürklin-Wolf zunächst Sektempfang im Englischen Garten, wo das Brautpaar auch fotografiert wird. Danach dürfen sich alle bei einer Partie Croquet entspannen, bevor im Gewächshaus diniert wird.
  • Hippie-Hochzeit: Party mit Buffet und Band im Badehaisel.
  • Hütten-Hochzeit: Zünftiges Abendessen im Oppauer Haus, wo die Hochzeitsgesellschaft übernachtet und am nächsten Tag den Pfälzer Wald erwandert.
  • Kuschel-Hochzeit: Empfang für die Hochzeitsgesellschaft bei Kaffee und Kuchen in der Kulturey, danach zieht sich das Brautpaar zum Candle-Light-Dinner in die Weinstube Schwarzer Peter zurück, Übernachtung mit Verwöhnfrühstück im Weingut Peter.
  • Riesling-Hochzeit: Gefeiert wird in einem der beiden Gewölbesäle des Rieslinghofs, inklusive Rieslingprobe vom Weingut Zimmermann.
  • Sekt-Hochzeit: Sektprobe im Sektschloss Wachenheim, danach entführt der Fotograf das Brautpaar in den Schlosspark, während die Gäste eine Kellerreiführung erhalten. Diniert wird je nach Gruppengröße im Marmorsaal des Sektschlosses oder in der neuen Schloss Vinothek.
  • Wald-Hochzeit: Sektempfang am Picknickplatz im Poppental. Baumstammsägen in freier Natur, danach trägt der Bräutigam die Braut über den Barfußpfad. Pfälzer Buffet im Schützenhaus.
  • Wild-Hochzeit: Sektempfang Forsthaus Rotsteig, danach besucht die Hochzeitsgesellschaft den Kurpfalzpark und genießt eine Sondervorführung der Greifvogelschau (zu empfehlen für eine Hochzeitsgesellschaft mit vielen Kindern). Abends Pfälzer Spezialitäten im Forsthaus.
  • Winzer-Hochzeit: Sektempfang bei den Wachtenburg-Winzern, danach Kellerreiführung. Abendessen je nach Größe der Hochzeitsgesellschaft im Luginsland oder im Veranstaltungsraum der Winzergenossenschaft.

Alle Hochzeitspaare können natürlich eine Rebstock-Partnerschaft im Wachenheimer Gästewingert erwerben.

Na, liebe Wachenheimer mit Sinn für Romantik – was halten Sie von diesen Ideen?

Der Verbandsgemeinderat hat mal wieder getagt. Beherrschendes Thema im öffentlichen Teil war die Schuleigentumsfrage. Das neue Schulgesetz in Rheinland-Pfalz schreibt vor, dass weiterführende Schulen in die Trägerschaft des jeweiligen Kreises übergehen müssen. Das ist im Falle Wachenheims kompliziert, da ja IGS und Grundschule einen Gebäudekomplex nutzen. Die VG Wachenheim will jedenfalls Eigentümer bleiben, vom Kreis dann sowas wie Miete für die Nutzung der Räume haben. Ob der Kreis da mitspielt, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

VG-Bürgermeister Kittelberger informierte den Rat dann auch zum Stand Tempo 70 an der Auffahrt Wachenheim/Friedelsheim zur B 271. Der Landesbetrieb Mobilität hatte die Geschwindigkeitsbegrenzung ja abgelehnt. Im Rat stieß dies auf Unverständnis. Andreas Berger konstatierte, dass er eigentlich davon ausgegangen sei, dass die Ortsbegehung die Gefahren der Stelle hätte offenbaren müssen. Das Echo im VG-Rat deckt sich mit dem Zwischenergebnis der Wachtenblog-Umfrage: Auch hier wünschen sich die Leser ganz eindeutig ein Tempolimit.

Die Verbandsgemeinde hat auf die Ablehnung reagiert und noch einmal die Beschränkung gefordert. Eine Antwort darauf steht noch aus. Arnold Nagel machte zum Thema einen radikalen Vorschlag: Es soll Tempo 70 für die gesamte
B 271 gefordert werden.  Achtung, es geschieht Ungewohntes: Ich stimme Herrn Nagel zu.

Warum denn nicht mit 70 über die gesamte B 271? von Dürkheim aus wird erst nach DÜW-Süd/Wachenheim das Tempo freigegeben, bei Forst/Deidesheim ist wieder 70, bei Ruppertsberg/Meckenheim auch wieder. Wie viel Zeitunterschied würde eine Beschränkung auf der gesamten Strecke denn ausmachen? Eine Minute? Fünf Minuten?

Ich werde den Unterschied im Selbstversuch mit einer Stoppuhr ermitteln – bei nächster Gelegenheit. Einmal nach den geltenden Regeln vom Bruch bis zur A 65 und einmal mit 70. Tagsüber. Das Ergebnis blogge ich dann. Bis dahin können natürlich alle Abstimmwilligen weiterhin an unserer Umfrage zum Thema teilnehmen – komplett anonym, auch wir sehen nur die Zahlen. Dazu einfach hier klicken.

Beim Landesbetrieb für Mobilität in Speyer arbeiten Menschen, die es nicht gut meinen mit den Wachenheimern. Erst ordnen sie eine Verschmälerung des Gehwegs an der Weinstraße an, damit es LKWs leichter haben, im Falle einer Sperrung der Umgehungsstraße durch den Ort zu kommen (bei den Arkaden hört die Erleichterung für Brummis, die ohnehin sinnvoller über die B9 oder A61 umgeleitet würden dann nach ein paar Metern wieder auf).

Und nun lehnt der Landesbetrieb den Antrag der Verbandsgemeinde ab, um die Abzweigung Wachenheim/Friedelsheim an der B 271 (die bei der Villa Rustica ) Tempo 70 einzurichten. Damit bleibt die Wachenheimer Ausfahrt die einzige Ortsabfahrt entlang der B 271, an der es keine solche Tempobeschränkung gibt. Für die Speyrer Bürokraten hat es an der Stelle bisher noch nicht genug Unfälle gegeben, um die Ausgabe für ein paar Schilder zu bewilligen. Schön, das könnte auch damit zu tun haben, dass nicht wenige Wachenheimer die Auffahrt an dieser Stelle meiden. Eben, weil sie gefährlich ist. Denn bei Tempo 100 belassen es viele Kraftfahrer ja nicht. Nur, wenn mal wieder die Blitzer medial angekündigt werden und weithin sichtbar am Straßenrand stehen, schaffen es die meisten, im Rahmen des Erlaubten zu bleiben – mit der Folge, einige Sekunden später anzukommen.

Warum kann der Landesbetrieb ohne Rücksicht auf die Belange vor Ort entscheiden? Aber vielleicht sind wir Blogger ja auch die einzigen, die denken, Tempo 70 würde der Ausfahrt Wachenheim gut tun. Daher fragen wir Euch mal wieder:

Als Wein- und Cafébar öffnet die Schloss Vinothek offiziell am 01. Mai. Janine Manz zieht ins ehemalige Cuvée ein und bereichert die Wachenheimer Gastronomie-Szene wieder mit leckerem Kaffee, bestimmt gutem Wein und netter Atmosphäre. Mit dem Schellack und der Vinothek entwickelt sich vor der Kirche so etwas wie ein Zentrum für Ausgehwillige. Und nein, ich bekomme keine Prozente.

Liebe Leser!

Es scheint dieses Jahr wirklich so zu sein, dass es beim Weinfest zur paradoxen Situation kommt, dass wachenheimer Winzer kein Stand betreiben dürfen, obwohl Sie ihn betreiben wollen. Im Gegenzug bekommen Wein-Agenturen Plätze zugewiesen, die langjährig von eben diesen wachenheimer Winzern belegt waren.

Der über Jahrzenhnte ausschlaggebende Mann, ja ja, ist ja gut, gibt fadenscheinige Begründungen, es wurden wohl Rechnungen nicht fristgemäss bezahlt, es wurde sich seitens der Winzer nicht gekümmert etc, da kann man leider nichts machen…

Wie seltsam, dass mir diese Handlungsweise mit inszenierten Gründen so bekannt vorkommt. Wir hatten ja jahrelang ein kostenloses Seminar im Ränkeschmieden, bzw. kommunaler Politik als um den Supermarkt ging? Werden jetzt noch die Andersdenker abgestraft?

Mich würde interessieren, da ich bisher immer nur bekennender Konsument gewesen bin, wie die objektiven, in der Veratwortung-für-Wachenheim-Zuteilungskriterien für das Weinfest sind(Siehe Kommentar Herr Morell).

Wachenheimer Winzer zahlen Abgaben für den Fremdenverkehr und dürfen nicht zum eigenen Weinfest?

Da die Info, die diesem Artikel zu Grunde liegt, sehr spärlich war, werden wir noch ein wenig recherchieren, aber das Thema mit Sicherheit wieder aufgreifen.

Bis dahin

Ihr Frank Mehlmer

Das wird jetzt ein trauriger Blogbeitrag: Diego Alaimo, der Besitzer der Wachenheimer Eisdiele, ist tot. Die Nachricht hat uns sehr betroffen gemacht.

In unserer Familie war er eigentlich nur unter dem Namen seines kleinen Cafés bekannt: Angelo. Das passte aber auch zu gut. Schließlich hat er den Wachenheimern himmlischen Eisgenuss beschert. Außerdem hat der freundliche weißhaarige Herr stets mit Engelsgeduld abgewartet, bis sich unsere Mädels für eine seiner leckeren Eissorten (oder auch zwei) entschieden hatten. 

Ich weiß gar nicht, ob er sich vorstellen konnte, welchen Effekt die bloße Nennung seines „Künstlernamens“ auf Wachenheimer Kinder hat.  Wenn der Sonntagnachmittag sich mal wieder zieht wie Kaugummi, dann bringt das magische Wort „Angelo“ unsere Mädels zum Strahlen – und in Bewegung. Im vergangenen Sommer motivierte die Aussicht auf ein Eis beim Angelo unsere Jüngste zu ihrer ersten Mini-Wanderung ganz ohne Buggy. An dem Tag war der Chef im Laden, und unsere Kleine erzählte ihm stolz, dass sie den ganzen Weg quer durch den Ort gelaufen sei. Ich bilde mir ein, dass er ihr dafür eine extra große Eiskugel gegeben hat. Mir hat mein Eis an dem Tag jedenfalls auch besonders gut geschmeckt.

Mein Mitgefühl gilt jetzt der Familie von Herrn Alaimo. Wir werden ihn vermissen, und ich bin mir sicher, dass die Erinnerung an ihn in ganz vielen Wachenheimer Herzen wachgehalten wird.

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