Liebe Leser!

Ich liege seit Monaten mit meinen Kindern im Clinch. Es muss ein Haustier her. Meinen meine Kinder. Ich laufe schon am Limit mit den drei Kindern und meinem Job und wehre mich daher mit Händen und Füssen. Dabei müsste ich eigentlich schon seit Jahren gemerkt haben, dass der Kampf verloren ist. Nein ich habe keinen Hund, und die Kinder haben sich auch keinen heimlich zugelegt. Aber wir sind, wie so viele Wachenheimer, des öfteren mal Besitzer des Deutschen liebsten Haustieres, Pediculus humanus capitis, der gemeinen Kopflaus. Sobald die Temperaturen steigen, treffen die ersten Horrormeldungen aus Schule und Nachbarschaft ein, und ab diesem Zeitpunkt ist es eine Frage der Zeit, zumindest bisher immer gewesen, bis die ersten Lieblinge bei uns aufschlagen.

Als der erste Befall auftrat, netter Weise mitten in unserer grössten Familienkrise, war ich geschockt! Meine Kinder Lausbuben und -Mädchen. Ich bin zwar bekennender Prolet und Proletatrier, aber das mit den Läusen? Dass es jetzt soweit kommen musste! Aus meiner Kindheit, selbst mit Läusen verschont geblieben, war das für mich ein Leben lang das Zeichen sozialer Schwäche. Und dann noch in Wachenheim, wir mit Läusen, auf dieser Insel der Glückseligkeit. Die Ächtung lag vor uns.

Ich ging also in die Apotheke, nicht in die Wachenheimer, es war Deidesheim, aus Scham, und kam mir beim Beratungsgespräch so vor, wie in meiner Jugend, als ich mir das erste Mal in der Apotheke Kondome kaufen wollte. Ich wartete bis der Geschäftsraum relativ leer war, spürte, wie mir die Hitze in die Wangen schoss und sagte dann dem Apotheker, welches Anliegen ich hatte. Es täte Ihm leid, aber die Läusemittel seien ausverkauft, sagte der Apotheker! Wie bitte?! Im elitären Deidesheim Läusemittel ausverkauft. Der Apotheker merkte meine Überraschung, vielleicht auch meine Erleichterung und fing mit mir ein therapeutisches Gespräch an. Keine soziale Schwäche, der Befall trifft saubere Kinder häufiger, nicht gefährlich, kein Hygiene-Mangel usw..

Mit den Läusen ist es also so, wie mit dem Sex, sprich Kondomen oder mit dem Bild-Zeitung lesen. Jeder tut es, jeder hat es, aber keiner gibt es zu, bzw. keiner spricht gerne darüber!

Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen Sex, Bild-Zeitung und Läusen. Läuse sind ansteckend.

Und genau das geht mir tierisch auf die Nisse, Nüsse!

Liebe Eltern! Schicken Sie ihr Kind mit 40° Fieber in die Schule? Mit Sicherheit nicht. Behandeln Sie ihr Kind doch bitte so, bei Läusebefall, als sei es krank und halten Sie es so lange von anderen fern, bis es mit Sicherheit wieder gesund ist. Ihr Kind zu früh in die Schule zu schicken, nach einem Befall, ist falscher Ehrgeiz. Dies führt zu einer Epidemie und der unerwünschte Haustierbesuch hört nie auf. Ausser sie scheren die Haare des Kindes kurz, so 3 mm, das hilft auch.

Und wenn wir dann die erste lausfreie Saison haben, hole ich für meine Kinder auch einen Hund…

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