Mit diesem Blogbeitrag starte ich eine kleine Serie, zu der mich CDU-Stadtratsmitglied Dr. Walter Disteldorf inspiriert hat. Er wurde in einem Artikel der Rheinpfalz zu den geplanten Baumaßnahmen auf der Wachtenburg zitiert. Die Stadt müsse diese Maßnahmen unterstützen, so Disteldorf, schließlich habe Wachenheim ja nur die Burg.

Ich stimme Herrn Disteldorf insofern zu, als die Wachtenburg für unsere Stadt so wichtig ist, dass wir die notwendigen Mittel unbedingt aufbringen müssen. Etwas anders sehe ich die Ausschließlichkeit: Wachenheim hat noch deutlich mehr zu bieten als die Burg. Und auch bei den anderen Attraktionen ließe sich vielleicht das ein oder andere verbessern, damit die Vorzüge der Stadt voll zum Tragen kommen. Darum soll es hier gehen.

Passend zum Frühling fange ich heute mal mit einem romantischen Thema an: Heiraten. Genauer gesagt standesamtliche Trauungen, die nicht am Wohnort der Brautleute stattfinden. Das ist ein interessanter Markt, denn viele Paare heiraten nicht mehr kirchlich – manchmal liegen standesamtliche und kirchliche Trauung auch zeitlich oder räumlich weit auseinander. Dadurch entsteht der Bedarf, die standesamtliche Hochzeit mit vielen Gästen in festlichem Rahmen zu zelebrieren.

In der Pfalz fällt vielen da als erstes Freinsheim ein: Die standesamtlichen Trauungen im historischen Rathaus sind in der ganzen Region beliebt. So sehr, dass die Samstags-Termine bis Mitte September ausgebucht sind. Der Freinsheimer Stadtrat hat vergangenen Donnerstag beschlossen, mehr am Hochzeitstourismus zu verdienen. Auf Antrag von CDU, FDP und FWG wird die Saalmiete von 40 auf 100 bzw. für Ortsfremde auf 150 Euro erhöht (nur für die Trauung, wohlgemerkt!). Für Nicht-Freinsheimer kostet die standesamtliche Eheschließung mit allen Pauschalen und Gebühren dann rund 300 Euro. Außerdem soll künftig eine Hochzeitsordnung den Brautpaaren Regelungen für„sozialverträgliches Feiern“ vorgeben. Zum Beispiel ist Baumstammsägen nur für maximal 30 Minuten erlaubt, und das auch nur neben dem Rathaus.

Dass auch Wachenheim ein traumhaftes Ambiente für die standesamtliche Hochzeit bietet, wird in den einschlägigen Hochzeitsforen noch als Geheimtipp gehandelt. Auch auf der Homepage der Stadt wird darauf nur sehr dezent unter „Veranstaltungsräume“ hingewiesen. Daher hier mal ganz deutlich: In Wachenheim kann man sich in der Ludwigskapelle aus dem 14 Jahrhundert trauen lassen, und das ist wunderschön! Das Brautpaar, die Trauzeugen und die Standesbeamtin sitzen an einem Tisch im ehemaligen Altarraum, die Familie bildet einen Halbkreis drumherum. Auf den auf den Sitzreihen davor finden bis zu 100 weitere Gäste Platz. Meine Mutter hat dort geheiratet, die Standesbeamtin hat das sehr persönlich gemacht, und alle Gäste waren von der Atmosphäre begeistert!

Auch das direkte Drumherum hat viele Vorteile: Vor und nach der Trauung kann die Hochzeitsgesellschaft sich auf dem Marktplatz vor der Kirche versammeln. Bei der Kapelle gibt es sogar eine kleine Küche mit Kühlschrank – das erleichtert die Logistik für einen selbstorganisierten Sektempfang. Parkplätze finden sich direkt „Hinner de Kerch“.

Das einzige, was Wachenheim im Vergleich zu Freinsheim noch fehlt, sind Trauungstermine am Samstag. Da wir Wachtenblogger aufgefordert wurden, konkrete Ideen zur Sanierung des Wachenheimer Haushalts zu finden, schlage ich das hiermit einfach mal vor. Schließlich könnte Wachenheim dafür ordentlich Gebühren verlangen. Wäre doch eine Überlegung wert, oder?

Auch das Wachenheimer Gewerbe würde von einem wachsenden Hochzeitstourismus profitieren – und über die Gewerbesteuer wiederum die Stadt oder andere Orte der Verbandsgemeinde. Schließlich gehören viele Einzelleistungen zum Gesamtpaket Hochzeit. Hier könnten die Brautleute einiges vor Ort finden: Die Blumenhäuser Rudi Renfer oder Iris Diehl könnten florale Arrangements liefern. Für das Styling der Braut bietet Wachenheim zwei Friseure– zu empfehlen wäre außerdem das Kleine Haarhaus in Gönnheim (dann bleibt die Gewerbesteuer in der Verbandsgemeinde). In Friedelsheim gibt es einen Anbieter für Hochzeitsfahrten mit Oldtimern.

Ganz wichtig ist natürlich die Location für die Hochzeitsfeier: Mit den Pfälzer Top-Adressen wie dem Bad Dürkheimer Gartenhotel Heusser oder den Gebrüdern Meurer in Großkarlbach kann Wachenheim nicht ganz mithalten. Wenn man sich mal die Webseiten der Wachenheimer Gastronomie ansieht, scheint das Thema Hochzeit keine besondere Rolle zu spielen. Auf der Homepage des Weinguts Bürklin-Wolf findet man zum Thema Hochzeiten ein standardisiertes Anschreiben, das allerdings nicht unbedingt zum Hochzeit-Feiern in Wachenheim ermutigt.  Die Webseiten der Wein- und Ferienregion Wachenheim listet zwar viele Angebote für Pauschal-Arrangements auf, aber zum Thema Hochzeit ist nichts dabei. Dabei könnte ich mir eine ganze Reihe von Wachenheimer Hochzeits-Paketen vorstellen. Ich habe mich einfach mal von den vorhandenen Angeboten der Gastronomen inspirieren lassen:

  • Altstadt-Hochzeit: Sektempfang im Kelterhaus des Weinguts Manz, Altstadtführung, abends Pfälzer Kesselbufet in Altstadtstube des Weinguts Manz, Übernachtung des Brautpaars in Altstadt-Residenz.
  • Burg-und-Tal-Hochzeit: Kaffee im Wintergarten des Hotel-Restaurants Goldbächel. Dann wandert die Hochzeitsgesellschaft auf die Wachtenburg (das Brautpaar wird gefahren), oben kommt ein Fotograf dazu. Abends festliches Buffet im Goldbächel, wo das Brautpaar auch übernachtet.
  • Biker-Hochzeit: Empfang mit Kaffee und Kuchen auf dem Mundhardter Hof. Anschließend geführte Motorrad-Wanderung, zum Abschluss Pfälzer Abend auf dem Mundhardter Hof.
  • Do-it-yourself-Hochzeit: Nach der Trauung selbstorganisierter Sektempfang an der Ludwigskapelle, dann Feier in der Lutherische Kirche (Platz für ca. 100 Personen, Küche und Geschirr vorhanden, Miete pro Tag günstiger als im Freinsheimer Rathaus nur für die Trauung).
  • Guts-Hochzeit: Im Weingut Bürklin-Wolf zunächst Sektempfang im Englischen Garten, wo das Brautpaar auch fotografiert wird. Danach dürfen sich alle bei einer Partie Croquet entspannen, bevor im Gewächshaus diniert wird.
  • Hippie-Hochzeit: Party mit Buffet und Band im Badehaisel.
  • Hütten-Hochzeit: Zünftiges Abendessen im Oppauer Haus, wo die Hochzeitsgesellschaft übernachtet und am nächsten Tag den Pfälzer Wald erwandert.
  • Kuschel-Hochzeit: Empfang für die Hochzeitsgesellschaft bei Kaffee und Kuchen in der Kulturey, danach zieht sich das Brautpaar zum Candle-Light-Dinner in die Weinstube Schwarzer Peter zurück, Übernachtung mit Verwöhnfrühstück im Weingut Peter.
  • Riesling-Hochzeit: Gefeiert wird in einem der beiden Gewölbesäle des Rieslinghofs, inklusive Rieslingprobe vom Weingut Zimmermann.
  • Sekt-Hochzeit: Sektprobe im Sektschloss Wachenheim, danach entführt der Fotograf das Brautpaar in den Schlosspark, während die Gäste eine Kellerreiführung erhalten. Diniert wird je nach Gruppengröße im Marmorsaal des Sektschlosses oder in der neuen Schloss Vinothek.
  • Wald-Hochzeit: Sektempfang am Picknickplatz im Poppental. Baumstammsägen in freier Natur, danach trägt der Bräutigam die Braut über den Barfußpfad. Pfälzer Buffet im Schützenhaus.
  • Wild-Hochzeit: Sektempfang Forsthaus Rotsteig, danach besucht die Hochzeitsgesellschaft den Kurpfalzpark und genießt eine Sondervorführung der Greifvogelschau (zu empfehlen für eine Hochzeitsgesellschaft mit vielen Kindern). Abends Pfälzer Spezialitäten im Forsthaus.
  • Winzer-Hochzeit: Sektempfang bei den Wachtenburg-Winzern, danach Kellerreiführung. Abendessen je nach Größe der Hochzeitsgesellschaft im Luginsland oder im Veranstaltungsraum der Winzergenossenschaft.

Alle Hochzeitspaare können natürlich eine Rebstock-Partnerschaft im Wachenheimer Gästewingert erwerben.

Na, liebe Wachenheimer mit Sinn für Romantik – was halten Sie von diesen Ideen?

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