Mai 2010


Letzte Woche hatte eine Freundin 40. Geburtstag und ich war dazu verdonnert das Geschenk für den gesamten Freundeskreis zu besorgen, bzw. als ich hörte sie wolle Wein, habe ich an meinen leeren Weinkeller gedacht und witterte eine Win-Win-Situation, ach diese Mist-Anglizismen, eine ja wie sag ich das denn?

Also ich dachte ich könnte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, a Two-Fly-Swatter or so.., nämlich Wein für die Freundin und Wein für mich kaufen. In Wachenheim, logisch. Zimmermann, Bürklin, Genossenschaft etc. wir haben ja alles. Als alter Vergissalles war es dann Samstagmorgen, wir mussten früh an den Bodensee fahren, und ich hatte vergessen das Geschenk zu besorgen. Also auf zu Bürklin und kaufen. Aber die machen halt erst um 11.00 Uhr auf und es war 9.30 Uhr. Mit Angstschweiss auf der Stirn und der Angst von meinen Freunden gesteinigt zu werden, fuhr ich dann zufällig an Frau Schweizers Käse und Wein-Laden vorbei. Geöffnet.

Hier fand ich zwar keine Wachenheimer Weine, dafür aber leckere andere Pfälzer, ein Spanier, Pfälzer Hörspiele, die die Autofahrt mit Kindern zu einem Genuss werden liessen, eine tolle Käseauswahl, Essige, Öle, freundlichste und kompetente Beratung. Als ich am Gehen war, wurde ich dann noch in den kleinen begrünten Innenhof geführt, der bestuhlt und betischt ist. Dort kann man in romantischster Atmosphäre sitzen, ein bisschen Käse und Wein naschen, und falls es ein bisschen mehr Käse und Wein gewesen sein sollte, den Magen mit Mohrbacher Kaffee aufräumen.

Ein Idyll mitten in Wachenheim, das es wert ist bekannter zu sein! Und das beispielhaft ist, wie man mit einfachen Mitteln den Ortskern, den wunderschönen Ortskern mit Potential, aufpeppen kann.

Und meine Freundin ist jetzt auch glücklich mit ihrem Geschenk, ich habe noch einen Freundeskreis, und ich werde bald froh sein, wenn ich ein paar leckere Flaschen für meinen Keller erworben haben werde.

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Schade, dass die neue Multifunktionshalle zur Rettung der IGS und der Wachenheimer Vereine noch nicht fertig ist. Sonst könnte sich Wachenheim nämlich um die Ausrichtung des Eurovision Song Contests bewerben und den Stadthaushalt mit einer Veranstaltung sanieren. Die Künstler könnten ja privat untergebracht werden und für die Presse würde sich auf dem defizitären Campingplatz sicher auch ein Plätzchen finden. Falls die baltischen Staaten weiterhin so abgedrehte Gruppen in die Halbfinals schicken, würde ich für eine Gruppe aus Estland, Lettland oder Litauen ein Zelt im Garten aufstellen.

Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Stefan Raab schlägt ja vor, Lena zur Titelverteidigung zu melden. Dann bliebe ja ein weiteres Jahr Zeit, die Planungen anzupassen, zur Not auch die alte Stadthalle Grand Prix tauglich zu machen. Der Frühlingsempfang geht doch auch, da werden ein paar mehr Leute auch unterzubringen sein. Vielleicht könnte dann auch die dringend nötige U-Bahn gebaut werden, die entlegenere Gebiete Wachenheims mit der Innenstadt oder mobilitätseingeschränkte Innenstädter mit den grünen Wiesen jenseits des Horizonts verbinden könnte. Mit den Fernsehgeldern der European Broadcasting Union alles kein Problem. Ohne die Gelder könnte der Bau einer Halle vielleicht eventuell unter Umständen angesichts der monetären Situation der Stadt ein wenig unvernünftig erscheinen. Außer, man plant ein Süßwarenemporium für die Schüler mit ein. Die Stadt stellt Automaten auf, die Vereinigung der kassenärztlichen Zahnärzte und Haribo sponsern das ganze, die Uni Heidelberg startet noch eine schicke Studie zu Fehlernährung bei Minderjährigen…

Mit ein bisschen Nachdenken kommen da doch noch Ideen

Lieber Achim,

alles Liebe und Gute zu deinem, wie ich von Deiner Kleinen erfahren habe, 48. Geburtstag. 🙂 !

Ich habe Dich eigentlich für jünger gehalten!

Gibt sonst noch wer zu, heute Abend den Eurovision Song Contest zu sehen? Zwei Drittel der Blogger (mindestens) tun’s mit einer Schüssel Salat und einer Flasche nicht allzu trockenen Sekts. Leider haben die Litauer das Halbfinale ja nicht überstanden. Die waren lustig. Also, viel Spaß. Heute landet der deutsche Beitrag sicher in der linken Hälfte. Ach ja – wir haben eine Satellitenschüssel auf dem Dach.

鲁迅,周恩来,邓小平,马克思,列宁,蒋介石 和孟子永远没见面。

Wir Wachtenblogger sind ja allesamt Wachenheimer mit Leib und Seele. Darum wohnen wir auch hier und nicht, sagen wir mal, in Deidesheim. Von unseren übernächsten Nachbarn können wir uns aber das ein oder andere abgucken – zum Beispiel bei der Wirtschaftsförderung oder der Pflege eines attraktiven Stadtbildes.  Heute auf der Heimfahrt habe ich im Radio gehört, dass die Deidesheimer auch bei der Stadtsäckel-Sanierung einen interessanten Weg gehen.

Heute war ja die traditionelle Geißbockversteigerung. Für völlig Ortsfremde: Seit rund 600 Jahren stiftet die im Pfälzer Wald gelegene Gemeinde Lambrecht den Deidesheimern einen Geißbock. Das Tier dient als Tributzahlung. Der Wald um Lambrecht herum gehört nämlich den Deidesheimern. Damit die Lambrechter dort ihr Vieh weiden lassen dürfen, müssen sie seit alters her jährlich einen Ziegenbock springen lassen. 

Für die Geißbockversteigerung haben die Deidesheimer zunächst mal einen Feiertag erfunden. Oder kannten Sie den Pfingstdienstag? Außerdem wird noch was für’s Herz geboten: Das jeweils am frischsten verheiratete Lambrechter Ehepaar muss den Geißbock aus dem Wald vors Deidesheimer Rathaus führen. Dort warten schon eine Menge Schaulustiger und einige mutige Bieter auf das Spektakel.

Um 17:45 Uhr startet die Versteigerung. Wenn die Kirchturmglocke 18:00 Uhr schlägt, hat der zu diesem Zeitpunkt Höchstbietende den Bock am Hals – und das Geld fließt in den Deidesheimer Stadtsäckel.

In den vergangenen neun Jahren erbrachte die Versteigerung Summen zwischen 2.500 und 4.000 Euro. Und was passierte in diesem, von Wirtschaftskrise und Euro-Turbulenzen gekennzeichneten Jahr? Der Zuschlag fiel bei 6.100 Euro!

Überlegen Sie mal, wer im Moment noch Geld auf der hohen Kante hat! Richtig, der Geißbock geht in die Schweiz. Ersteigert hat ihn die Bürgermeisterin der Deidesheimer Partnergemeinde Buochs im Kanton Nidwalden.

Das ist doch mal eine kreative Lösung angesichts leerer Stadtkassen: eine reiche Tante aus der Schweiz! Können wir Wachenheimer nicht auch mal eine Partnerschaft aufsetzen, die uns nicht nur kulturell, sondern auch finanziell weiterbringt?  

Luxemburg oder Liechtenstein fallen mir da ein. Oder wir versuchen es angesichts unserer Schulden gleich eine Nummer größer: Wie wäre eines der sieben arabischen Emirate? Die Falken-begeisterten Scheichs könnte man doch vielleicht über die Greifvogelshow im Kurpfalzpark gewinnen. Das mit der Wein- oder Sektstadt müssten wir dann allerding sehr diskret handhaben…

Keine Sorge, trotz der Überschrift bleibt der Artikel jugendfrei. Der Wachenheimer Gewerbeverein hat die Meinung geäußert, dass eine weitere Verkehrsberuhigung nicht zu einer Belebung der Innenstadt führen würde. Das mag sein, zu mal dort gerade kaum noch etwas zu beleben ist. Steht ja so gut wie nichts mehr leer.

Klar, weniger Autoverkehr könnte natürlich dafür sorgen, dass mehr Leute erwägen würden, die Weinstraße zu Fuß zu erkunden. Das macht derzeit überhaupt keinen Spaß. Der Ruß an den Hauswänden der Arkaden gibt schon mal einen Anhaltspunkt, warum.

Belebt wird der Marktplatz durch das Schellack und die Vinothek. Die würden sicher auch nicht jammern, wenn ihre Gäste etwas weniger Abgase mit bekämen.

Im Zusammenhang der Innenstadtbelebung geht es auch immer wieder um Parkplätze. Braucht Wachenheim mehr Parkplätze? NEIN! Wachenheim braucht mehr Leute, die die vorhandenen Parkplätze benutzen.

Hinner der Kerch bekomme ich immer fast die freie Auswahl für einen Parkplatz, gleichzeitig drängen sich vor der Apotheke vier Autos und behindern den Verkehr. Das können nicht alles schwer gehbehinderte Menschen sein, deren Parkplatz um die Ecke in der Burgstraße gerade belegt ist und für die der lange Weg (ich schätze 80 Meter) vom nächsten Parkplatz die Burgstraße entlang unzumutbar ist.  Vielleicht wäre die Weinstraße schon ein Stückchen beruhigter, wenn mehr Wachenheimer innerorts unmotorisiert unterwegs wären.

Und ein Parkleitsystem wäre auch gut. Pompöses Wort für ein paar Schilder, die zu den Parkplätzen leiten. Aber der ortsfremde Durchgangsverkehr sieht das Chaos vor der Apotheke und fährt durch. Die Parkplätze Hinner der Kerch kennt ja kein Ortsfremder. Gut, ob Autofahrer bereit sind, mehr als 100 Meter zu Fuß zurück zu legen, ist dann wieder ein anderes Thema. Aber nur von durchfahrenden Autos hat niemand was, im Gegenteil, die verdrecken nur die Luft.

Der Gewerbeverein warnt, dass mehr Verkehrsberuhigung dazu führen könnte, dass Wachenheim zu einer Schlafstadt ohne Infrastruktur wird. So wie Deidesheim? Alle Einkaufsmärkte außerhalb, damit der Lieferverkehr nicht durch den Ort muss und die Innenstadt auf Vordermann gebracht – da könnte man vielleicht was abgucken.

Bestimmt ist seit dem Bau der Umgehung viel weniger Verkehr auf Wachenheims Weinstraße. Trotzdem ist es noch viel. Anders als Forst oder Deidesheim gibt es leider keine vernünftige Alternative zur Weinstraße. Dass eine weitere Beruhigung des Verkehrs dort die Infrastruktur gefährdet, glaube ich kaum. Mir ist dort zu viel Verkehr, deshalb meide ich sie zu Fuß oft (meint, ich nehme den Amalie-Helferich-Pfad oder die Bahnhofstraße). Ohne Verkehrsberuhigung sehe ich die Infrastruktur in größerer Gefahr. Was unterscheidet dann Wachenheim von einem Straßendorf? Vier, fünf Geschäfte und die Stadtrechte.

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