Zur gestrigen Hexennacht gab es etwas Neues am Wachenheimer Marktplatz: Die Schloss Vinothek feierte Vorpremiere. Die offizielle Eröffnung mit Bürgermeister und Stadträten war erst heute, aber bei der Einweihungsparty gestern Abend brummte der Laden schon ganz gewaltig.

Die schon aus „Manz Comfort Living“ bekannte, stilsichere Handschrift von Janine Manz ist auch im ehemaligen Cuvée zu spüren. Zentrum des Innenbereichs ist die Theke, an der es eine kleine, aber gut ausgesuchte Weinauswahl und den gewohnt leckeren Kaffee gibt. In den zwei Gasträumen und einem kleinen Verkaufsbereich im ersten Stock schafft sie eine edle Atmosphäre, die keineswegs elitär oder steif wirkt.

Der Clou der Schloss Vinothek ist der Hofgarten! Da saßen die Gäste gestern unter einem großen Sonnensegel, beleuchtet von Schwedenfeuern und Gartenfackeln. Besonders begehrt waren auch die Plätze in den beiden Strandkörben, die an ihrem früheren Standort meist leer auf die Weinstraße blickten. Jetzt kann man von dort über das Vinotheks-Dach hinweg auf die angestrahlte Turmspitze der Sankt-Georgs-Kirche schauen.

Gegen 21 Uhr war kaum ein Platz zu bekommen. Alt-Wachenheimer, Noch-nicht-ewig-hier-Wohner, Jungvolk von außerhalb – das Publikum war gut gemischt. Zur loungigen Stimmung trug auch die tolle Live-Band um den Wachenheimer Trompeter Martin Kerbeck bei. Und wo gibt’s das schon, dass ein älterer Herr aus dem Publikum zum Mikrophon greift und eine trocken-coole Version von Mackie Messer singt?

Im neuen Hexenblatt wird die Schloss Vinothek in einem Leserbrief erwähnt. Als „Licht von Wachenheim“, das die Vorherrschaft des „Cafes-Zur-Dunklen-Seite-Der-Macht“ (gemeint ist das Café Schellack direkt nebenan) beenden solle. Der Leserbrief-Autor, Pseudonym „Black Bürger“, versucht hier den Konflikt zwischen „zugereisten Mitbürgern“ und den Gefährten des „alten, wiedergekehrten Vorsitzenden Nagel Der Weise“ an den beiden Cafés festzumachen. Was für ein Blödsinn!

Der Cafébesuch in Wachenheim wird ja wohl hoffentlich nicht vom Parteibuch abhängen. Natürlich stehen das Schellack und die Vinothek im Wettbewerb um die Gunst der Gäste. Aber hier könnte Konkurrenz tatsächlich das Geschäft beleben. Wir haben gestern jedenfalls unsere Weinbestellungen auf Vinothek und Schellack verteilt, und da waren wir nicht die einzigen.

Wenn Janine Manz und Schellack-Besitzer Stefan Pflüger nicht gegeneinander, sondern miteinander agieren, könnte der Wachenheimer Marktplatz insgesamt deutlich mehr Gäste anziehen. Zumal man hört, das Kappelchen sei endlich verkauft. Vielleicht Gesellt sich da vielleicht bald ein Restaurant hinzu? Dann könnte in Wachenheim tatsächlich ein neues Zentrum entstehen – nicht um einen schnöden Supermarkt herum, sondern um historische Bauwerke und gelungene Gastronomie. Das könnte dann auch noch weiter ausstrahlen, etwa zum Luginsland oder zum Cuvée Schwarzer Peter. Wir drücken die Daumen!

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