In der letzten Sitzung des Verbandsgemeinderats Wachenheim ging es um eine Tempobeschränkung auf der B 271 an der Anschlussstelle Wachenheim/Friedelsheim. Der Verbandsgemeinderat hatte Tempo 70 für diese Stelle beantragt, der Landesbetrieb Mobilität Speyer hatte dies abgelehnt. Es dürfte kein Zweifel am Gefahrenpotenzial dieser Stelle bestehen. In den letzten Tagen gab es wieder einen Fast-Crash. Aber „fast“ ist den Speyrer Bürokraten wahrscheinlich nicht gefährlich genug.

Arnold Nagel hatte bei der Sitzung für die FWG vorgeschlagen, die ganze B 271 mit Tempo 70 zu versehen – und damit für Kopfschütteln und Heiterkeit gesorgt. Aber warum? Wie viel Zeit verliert man denn, wenn man statt mit 100, unterbrochen von zwei Stellen mit 70, die ganze Strecke mit 70 fährt? Dieser Frage bin ich heute mit der Stoppuhr im Auto nachgegangen, äh, nachgefahren.

Der experimentelle Streckenabschnitt geht von der Auf/Abfahrt Bad Dürkheim Süd/Wachenheim (bis dahin ist aus Richtung Dürkheim ohnehin Tempo 70) bis zur letzten Betonüberführung vor der A 65. Schon eine überschlagsmäßige Rechnung lässt angesichts der kurzen Entfernung nicht mal für Laborbedingungen (sprich völlig freie Straße) große Zeitunterschiede erwarten. Wie gering der Unterschied dann ausfiel, war überraschend.

Auf dem Hinweg hatte ich bis Forst/Deidesheim freie Fahrt, dann war ein paar Autos weiter vorne ein Lieferwagen. Normaler Verkehr. Nach 6:43 Minuten durchfuhr ich die Brücke. Dann die Strecke mit Tempo 70. Erstmal eine Entschuldigung an alle, die hinter mir ins Lenkrad beißen wollten. Tatsächlich fühlt es sich seltsam an, bei freier, trockener Straße 70 zu fahren. Doch der Trost für meine Verfolgerinnen und Verfolger: Sie haben nicht einmal eine halbe Minute verloren!

19,9 Sekunden langsamer
war ich mit Tempo 70 auf der gesamten Strecke. Gefühlt war es mehr, die Stoppuhr ist gegen derlei verhinderte Geschwindigkeitsgenugtuung aber völlig unempfindlich. Bei normalem Verkehr und ohne Gesetzesbruch sind vielleicht auch 30 oder gar 45 Sekunden Ersparnis rauszuholen. Wer viel mehr Zeit rausholen will, darf es mit den beiden 70er Stellen Forst/Deidesheim und Meckenheim schon nicht mehr so genau nehmen und muss auch auf den Passagen dazwischen ordentlich zusätzlichen Kraftstoff verbrennen. Und für was? Für eine Minute oder 80 Sekunden? Muss deshalb eine Anschlussstelle permanent gefährlich bleiben? Und worauf mich Arnold Nagel gestern am Rande der Stadtratssitzung aufmerksam machte: wer vom Parkplatz der Villa Rustica wieder sicher auf die B 271 will, braucht Geduld oder einen durchzugsstarken Motor.

Also, werte Beamte beim Landesbetrieb Mobilität in Speyer, richten Sie bitte wenigstens an der Anschlussstelle Wachenheim/Freidelsheim Tempo 70 ein. Dann verlieren zwar viele ein paar Sekunden, aber weniger gefährden ihr Leben.

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