Arnold Nagel war sehr lange Bürgermeister in der Stadt Wachenheim und hat viel bewegt und viel gemacht. Die Wertung seines politischen Wirkens für Wachenheim muss jedem Homo Politicus selbst überlassen bleiben.

Seit einiger Zeit schaue ich mit Interesse auf den neuen Politikstil der neuen Mannschaft, der in Wachenheim praktiziert wird, bzw. praktiziert werden soll. Und da fällt mir einiges auf, manches positiv und manches negativ. Beispielhaft sind zwei Dinge zu nennen, die besonders aus diesem New Way herausstechen. Ein Positivum und ein Negativum

An Positivum sehe ich die Art und Weise, wie die Mitglieder des Stadtrates und der Parteien den Diskurs führen. Wiederum nicht inhaltlich, sondern ich bewerte hier die Art der Kommunikation. Man redet sachlich miteinander und nicht jede Stadtrat-Sitzung artet zu einer Schlammschlacht aus. Wobei konstruktives Arbeiten durchaus auch aus einem Spannungsverhältnis resultiert. Ähnlich wie bei Strom, wo verschiedene Pole die Spannung erzeugen, und ein atmosphärisches Reiben Gewitter verursachen, die die schwüle Luft entladen. Plattitüde: Ein Gewitter reinigt die Luft!

An Negativum sehe ich eine gewisse Erstarrung in der politischen Aktion, vielleicht auch nur eine schlechte Informationspolitik.

Herr Bechtel vermittelt den neuen freundlichen Politiker, stilgerecht und sachlich. Der Wähler jedoch fragt sich manchmal ob ein Gewitter kommt, oder ob doch nur ein Wetterleuchten am Horizont stattfindet. Leider zieht sich die neue Stadtregierung oftmals hinter die lange Regierungszeit der Vorgänger und den Filz zurück, der sich in den letzten 30 Jahren gebildet hat. Ist  teilweise auch richtig, aber wirkt es professionell, wenn nach einem halben Jahr noch immer Akten gesucht werden, und wichtigen Konfrontationen aus dem Weg gegangen wird, anstatt die Auseinandersetzung anzunehmen, die Auseinandersetzung mit den Vorgängern. Diese haben eine Pflicht den Bürgern gegenüber ihr Handeln zu dokumentieren, und wenn dieser Verpflichtung nicht nachgekommen wird, gibt es Mittel und Wege in der Politik, diese seltsamen Vorgänge zu untersuchen.

Und damit komme ich wieder zum Anfang des Artikels. Man kann das politische Wirken Herrn Nagels werten wie man möchte, aber man kann Ihm eines nicht vorwerfen, nämlich nicht für seine Meinung eingetreten zu sein und alles dafür getan zu haben, oftmals mit Gschmäckle, für diese Meinung politische Mehrheiten geschaffen zu haben, oder auch es geschafft zu haben, andere Meinungen zu torpedieren.

Das sollte sich der neue Bürgermeister vom Alten abschauen, nicht das Gschmäckle, aber auf seine Art seine Meinung und den Willen der Wähler in Wachenheim zu realisieren, das heisst gerade  zu polarisieren und  unbequem  zu werden. Bitte aber immer mit dem Respekt den anders Denkenden gegenüber, der in solchen Ämtern notwendig ist. Dieser fehlte meines Erachtens Herrn Nagel ab und an, leider.

In Abwandlung eines Zitats Oliver Kahns, des Torwart-Titans, bitte nicht den Bürgermeister-Titan ableiten:

Wir brauchen Eier!

Diese, nicht die Herrn Nagels, die er zweifelsohne hatte,  werden heute mehr denn je im Bürgermeisteramt gebraucht, da auch Wachenheim eine schwere Zeit bevorsteht.

Ich wünsche Herrn Bechtel und seinem Team diese Eier.

Und entschuldigen sie bitte diesen Vulgarismus, Sie können die Eier auch durch Courage ersetzen.

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