Vor einigen Wochen habe ich die Kirchenmänner in Wachenheim gefragt, wie diese zu den Missbrauchsvorgängen in den Kirchen stehen. Heute möchte ich diese Kritik noch einmal vertiefen, da ich glaube, dass Glaube etwas Universelles ist, und dieses Thema somit Wachenheim und jeden Menschen direkt betrifft.

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Seit Anbeginn der Kulturen, die der moderne Mensch hervorgebracht hat, gibt es Verbrechen, die schlimmer bewertet werden als andere, d.h. in der Meinung der Gesellschaft mehr geächtet werden, als andere. Hierzu zählen insbesondere Verbrechen an hilflosen Menschen, Kranken, Behinderten, Kindern.

Nun hat sich seit Jahrhunderten in der westlichen Welt, und davon ausgehend in vielen Erdteilen,  eine Institution etabliert, die sich als Leitkultur definiert und diesen Anspruch direkt von Gott ableitet. Eine Institution, die in allen Teilen des Lebens präsent ist. Politik, Sozialwesen, Militär, Fiskus, Bildung etc. . Durch eine Säkularisierung und all so menschlicher Machtpolitik ist es dieser Institution, der Kirche gelungen, Ihr antikes und mittelalterliches Weltbild, gegen alle Modernisierungen zu schützen und eine Parallel-Welt zu schaffen. Mit Ihrem eigenen Recht und den eigenen Werten. In vielen Ländern gibt es zwar eine Trennung von Staat und Kirche, aber die Einflüsse und alten Mechanismen sind noch existent. In Italien, Spanien fast eine Staatsreligion, in Deutschland eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes, weltweit einer der grössten Grundbesitzer, organisatorisch fast eine Diktatur.

Diese Kirche, und ich unterscheide hier in aller Deutlichkeit vom Glauben und vom Gläubigen!, ist seit Monaten Teil eines Skandals, der in seiner Abscheulichkeit seines Gleichen sucht. Menschen, die für sich in Anspruch nehmen im Namen Gottes  und leitkulturell zu handeln, misshandeln Schutzbefohlene, mehr noch sie missbrauchen diese sexuell und zerstören deren Seele vielleicht unwiederbringlich.

Die Frage, die sich stellt, ist wie eine Gesellschaft, wenn ein solches Verbrechen ans Tageslicht kommt, damit umgeht und welche Sanktionen gegen die Verbrecher durchgeführt werden. Und hier zeigt sich die Perversion der Institution Kirche und die machtvolle, vielleicht unheilvolle Durchdringung der Gesellschaft mit klerikalen Macht-Mechanismen und deren Paralleluniversum.

Schützt im Strafrecht jemand einen Verbrecher wissentlich, so ist er ein Mittäter. In den letzten Wochen jedoch hört man von vielen Geistlichen, die auf Basis des Kirchenrechts(!) in eine andere Gemeinde versetzt wurden. Wohlgemerkt ist diese Versetzung eine Bestrafung im Sinne des Kirchenrechts.

Was kann man daraus erkennen?

Erstens das Verbrechen wird von der Kirche erkannt.

Zweitens, wissentlich wird ein Päderast versetzt.

Drittens, der Täter wird nicht der weltlichen Justiz überstellt.

Viertens, derStraftäter kommt in eine neue Gemeinde, in der von seinen Untaten nichts bekannt ist und

fünftens, wieder kommen unschuldige Schutzbefohlene in seine Obhut.

Ich bin kein Jurist, die Worte die mir hier in den Sinn kommen, sind u.a. Beihilfe, Verschleierung einer Straftat, unterlassene Hilfeleistung, Unzucht mit Abhängigen etc..

Es stellt sich die Frage nach der Rechtfertigung einer solchen gewährten Immunität und warum es in der heutigen Gesellschaft, die so aufgeklärt scheint, noch solche Mechanismen gibt, die an mittelalterliches Standesrecht erinnern. Wieso können sich Menschen soweit ausserhalb eines Rechtssystems stellen? Im Mittelalter  wurden solche Verbrecher mit drakonischen Strafen belegt, unter anderem wurden Sie an den Pranger gestellt. Heute werden diese Menschen genauso geächtet und bestraft, wenn, ja wenn Sie nicht Mitglied des Klerus sind, man sehe den Fall Kampusch.

Und nach diesem ganzen Artikel merke ich, dass ich den gleichen Fehler mache, wie andere auch. Ich schreibe nur über die Täter. Über Täter, die geschützt werden, über Täter die sich als Opfer einer Intrige darstellen, über Täter, die in höchsten Führungsschichten des Klerus sind und von noch höheren gedeckt werden.

Die Opfer lasse ich ausser Acht.

Was hat Jesus in einem solchen Fall getan? Er predigte Vergebung und Nächstenliebe, aber er jagte solche, die gegen das Wort seines Vaters handelten aus dem Tempel, weil sie nicht würdig waren in seinem Hause. Pharisäer.

Und er kümmerte sich um die Opfer.

Also Ihr Hirten, die von solchen Vorgängen wisst, bzw. Ihr die Hirten sein wollt und Eure Schäfchen quält. Fragt Euch, wie Euer Gott gehandelt hat und wie er handeln würde in einer Situation wie dieser.

Und schaut dabei in den Spiegel.

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