So langsam könnten wir im Wachtenblog eine Kategorie „Gastronomie“ gebrauchen. Naja, Wirtschaft ist ja mehrdeutig. Hier geht es mal wieder um eine positive Entdeckung:  Gestern war ich zum ersten Mal in der  Gerümpelstube.

Bevor Sie mir jetzt die Wachenheimer Bürgerschaft entziehen: Bei Gesprächen mit Nachbarn habe ich festgestellt, dass ich nicht als einzige noch ohne Gerümpelstuben-Erfahrung war. Und dabei hatte ich – anders als vielleicht mancher Tourist – angesichts des Namens nicht die Befürchtung, eine mit Trödel vollgestellte Gaststube anzutreffen (für nicht-Wachenheimer Leser: Gerümpel ist eine Wachenheimer Weinlage).

Was mich bisher gestört hatte: Bis auf gelegentliche Hinweise auf Gans und Ente war der Gerümpelstube früher von außen nicht anzusehen, was es drinnen zu essen gab. OK, dass man Bratwurst, Leberknödel UND Saumagen im Programm hat, muss eigentlich keine Pfälzer Weinstube betonen. Als Vegetarierin weiß ich aber ganz gerne vorher, ob mir außer Brot und Sauerkraut noch etwas geboten wird.

Seit Januar ist die Gerümpelstube unter neuer Leitung – die bisherigen Besitzer haben ihre Nachfolger übrigens an deren früherer Wirkungsstätte ausgesucht und zwei Monate lang eingearbeitet. Die jungen Leute haben nicht nur eine Speisekarte draußen angebracht, sondern das Weinstuben-Angebot auch mit ein paar kreativen Ideen ergänzt. Zunächst war ich etwas überrascht, dass sich unsere „Reservierung für zwei Personen“ als zwei Plätze an einem großen Tisch herausstelle, an dem schon drei ältere Herrschaften saßen. Da ich aber kein romantisches Tete-a-Tete geplant hatte, sondern ein fröhliches Muttertagsessen mit meiner Mum, war das völlig in Ordnung. Zumal sich an Pfälzer Tischen immer sehr schnell nette Gespräche entwickeln.

Was in der Gerümpelstube als erstes auffällt – und auch in den Bewertungen von Restaurant-Portalen gelobt wird – ist die Freundlichkeit der neuen Betreiber. Das fing schon beim telefonischen Reservieren an und sorgte gestern sehr schnell dafür, dass wir uns richtig wohl fühlten. Meinem geschätzten Nachbarn und Mitblogger Frank war die Atmosphäre bei seinem Besuch sogar ein bisschen zu freundlich. Zugegeben, auch wir wurden zweimal gefragt, ob uns alles geschmeckt hat.  Ich fand das Essen aber so gut, dass ich das gerne erst ihm und dann ihr bestätigt habe.

Außerdem habe ich beobachtet, dass die Freundlichkeit in der Gerümpelstube nicht mechanisch abgespult wird. Als unser Tischnachbar beim Abräumen des Hauptgangs erzählte, dass er den beiden Damen bei ihren Portionen etwas helfen musste, schlug die Betreiberin mit schelmischem Lächeln eine kleine Pause bis zum Nachtisch vor. So etwas find‘ ich einfach gut!

In die Kategorie „einfach gut“ fielen für mich gestern auch Essen und Trinken in der Gerümpelstube. Die offenen Weine stammen von den Wachtenburg-Winzern, meinem Lieblings-Einzelwinzer Zimmermann und vom Dürkheimer Weingut Karst. Die Weißen kommen in einer hübschen Karaffe, die Roten in Mini-Dekantern auf den Tisch. Die Speisekarte bietet die Pfälzer Klassiker – zum Teil in leichter Abwandlung – aber auch Vegetarisches und Kreatives. Meine Mutter schwärmte von ihrem Rumpsteak. Da kann ich aus eigener Sinneserfahrung zumindest beurteilen, dass die Bratkartoffeln ganz hervorragend waren (und das ist schon einmal nicht selbstverständlich in vielen Restaurants).

Ich hatte mich für das vegetarische Gericht auf der Standardkarte entschieden, ein Omelette mit Gemüse der Saison. Und nur ein ganz klein wenig bedauert, dass es diesmal ein Muttertagsessen ohne Spargel sein sollte. Aber erstens hätte ich auf Anfrage auch ein Spargelgemüse bekommen, und zweitens entpuppte sich das Gemüse der Saison nicht wie in vielen Restaurants als Tiefkühl-Mischung aus Erbsen, Möhrchen (wenn ich schon diesen Wellenschnitt sehe…), Brokoli und Kohlrabi. Stattdessen war das lockere Omelette sehr reich gefüllt mit gedünstetem weißen und gebratenem grünen Spargel, gebratenen frischen Champignons und Zucchinischeiben, garniert mit einer dunklen Balsamico-Sauce. Frisch, gekonnt zubereitet und sehr, sehr lecker!

Nach dieser rundrum positiven Erfahrung und einem ausführlichen Verdauungsspaziergang sind meine Mutter und ich noch auf einen Kaffee in der Schloss Vinothek eingekehrt. Bevor Sie uns jetzt Völlerei unterstellen: Wir beide sowie meine jüngste Tochter waren zu Hause im Weg, weil mein Mann und unsere Älteste das Wohnzimmer gerade in ein Kunstatelier verwandelt hatten. Also „aus de Füß“ und mal nachschauen, wie sich der neue Betrieb von Janine Manz so macht, eine Woche nach der Eröffnung.

Angenommen wird er auf jeden Fall sehr gut: Alle Tische drinnen waren besetzt, und der Innenhof wurde dann auch aufgemacht. Hinter der Theke ging es sehr lebhaft zu, es lag auch ein bisschen Anspannung in der Luft. Wir merkten schnell, dass die jungen Damen vom Service durch den Hochbetrieb ein wenig überfordert waren. Etwas Professionalisierung täte da noch gut. Zum Beispiel wurde ich bei meiner kurzen Aushilfs-Erfahrung in der Gastronomie nicht auf die Gäste losgelassen, bevor ich nicht wenigstens drei Teller auf einmal an den Tisch bringen konnte.

So hat es vorgestern an mehreren Tischen für Verwunderung gesorgt, dass die kleinen Apfelschorlen und die Kuchenteller nur zu jeweils zweien, die Kaffeebestellungen gar einzeln gebracht wurden. So viel Gerenne führt insgesamt natürlich zu Wartezeiten. Mein Milchkaffee war aber wieder hervorragend, und meine Tochter hat ihre heiße Schokolade hingebungsvoll bis auf den letzten Löffel ausgeleert. Diese Zutaten stimmen, und der Rest spielt sich bestimmt auch noch ein.

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