Heute beim Lesen des Spiegel Online tat mein Herz einen freudigen Sprung. Ein Reisebericht über die Pfalz, insbesondere die Weinstrasse, in dem zudem auch Wachenheim erwähnt wird. Schon nach dem ersten Absatz stieg mir die Zornesröte ins Gesicht.

Die Pfalz zwischen Bockenheim und Schweigen sei eine überbewertete Ferienlandschaft, die nur Reben böte und langweiligen Woi mit Worscht. Zudem bediene man nur Klischees, was jedoch immerhin Hunderttausende Touristen, Leute ohne Ahnung, die lediglich schlechten Wein trinken und sich an betonierten betonierten Winzerwegen ergötzen, ins Land treibt. Der Autor, Herr de Swaaf, nannte nur zwei konkrete Gegenbeispiele, zum einen das Weingut Markus Schneider aus Ellerstadt und unseren wachenheimer Hambel-Metzger.

Über unseren Hambel, braucht man nicht viel Worte zu verlieren. Die Qualität ist aussergewöhnlich, aber es gibt nicht nur Saumagen in vielen Variationen beim Hambel, sondern auch sehr leckere andere Angebote, allerdings auch „nur“ Worscht, keine Gegend für Vegetarier eben.

Über die Weine des Weingutes Markus Schneider möchte ich doch ein paar mehr Worte verlieren. Es gibt für mich kein Weingut in der Pfalz, übrigens liegt Ellerstadt nicht an der Weinstrasse, dessen Weine überbewerteter sind, als die von Schneider in Ellerstadt. Er hat zwei drei hervorragende Einzellagen, der Rest der Weine, insbesondere die im Artikel angesprochenen Verschnitte,  sind überteuert, überbewertet und werden von anderen pfälzer Spitzenwinzern weit hinter sich gelassen. Zudem kommen viele Weine, die von Schneider gemacht werden, so munkelt man ob der vielen Tankwagen, die Wein zum Weingut bringen, von anderen Lagen und Winzern, sodass man sich fragt, ob da eine neue Genossenschaft entstünde.

Aber Markus Schneider ist ein Marketing-Genie.

Seine Weine heissen nicht Ellerstadter Haumichtot Riesling Spätlese trocken, sondern Ursprung, Black Print, Tohuwabohu usw. Äusserst wirksam für z.B. Journalisten von Spiegel Online, die keine Ahnung von Wein haben, aber Schlagworte brauchen um die Leserschaft zu beeindrucken, und was tolles auf den Tisch stellen, wenn Sie zum Sushi essen eingeladen haben. Dann bleiben diese in Ellerstadt hängen und dringen aber nicht in das Kernland des Weines vor. Forster Pechstein, Wachenheimer Gerümpel, Wachenheimer Belz, einige der renommiertesten Weine überhaupt, Weingüter wie Bürklin und Wolf, Zimmermann, Mosbacher etc sind anerkannte Spitzenwinzer, die Weissweine der Weltklasse herstellen, sind eine andere Liga als das Weingut Schneider. Herr Schneider ist allerdings einer der ersten jungen Winzer, der die Macht der Medien und seine tollen  Marketing Ideen dazu genutzt hat, sich extrem erfolgreich am Weinmarkt zu positionieren.

Es geht jedoch nicht darum die Weine Herrn Schneiders schlecht zu machen. Es geht auch nicht darum, ob Herr de Swaaf Sushi isst, es geht um die Weinstrasse und die Pfalz als Feriengebiet. Unzählige Burgen, ursprüngliche Dörfchen, das grösste zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands, historische Stätten, Spitzenrestaurants, in der Natur wohnen und nahe schöne Städte besuchen, tolles Essen und Trinken und noch tolleres Wetter und noch viel tollere Menschen machen die Pfalz zu einem einzigartigen Flecken Erde.

Das einzige was der Pfalz fehlt, ist das Meer! Keiner ist perfekt. Wir arbeiten daran.

Dies zu erkennen setzt aber voraus, das zu tun, was Herr de Swaaf augenscheinlich nicht getan hat. Er hat nicht in die Tiefe geblickt, sondern er ist bei den Klischees hängen geblieben und bei denen, die diese Klischees pflegen, weil sie sich von Ihnen abheben wollen.

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