Keine Sorge, trotz der Überschrift bleibt der Artikel jugendfrei. Der Wachenheimer Gewerbeverein hat die Meinung geäußert, dass eine weitere Verkehrsberuhigung nicht zu einer Belebung der Innenstadt führen würde. Das mag sein, zu mal dort gerade kaum noch etwas zu beleben ist. Steht ja so gut wie nichts mehr leer.

Klar, weniger Autoverkehr könnte natürlich dafür sorgen, dass mehr Leute erwägen würden, die Weinstraße zu Fuß zu erkunden. Das macht derzeit überhaupt keinen Spaß. Der Ruß an den Hauswänden der Arkaden gibt schon mal einen Anhaltspunkt, warum.

Belebt wird der Marktplatz durch das Schellack und die Vinothek. Die würden sicher auch nicht jammern, wenn ihre Gäste etwas weniger Abgase mit bekämen.

Im Zusammenhang der Innenstadtbelebung geht es auch immer wieder um Parkplätze. Braucht Wachenheim mehr Parkplätze? NEIN! Wachenheim braucht mehr Leute, die die vorhandenen Parkplätze benutzen.

Hinner der Kerch bekomme ich immer fast die freie Auswahl für einen Parkplatz, gleichzeitig drängen sich vor der Apotheke vier Autos und behindern den Verkehr. Das können nicht alles schwer gehbehinderte Menschen sein, deren Parkplatz um die Ecke in der Burgstraße gerade belegt ist und für die der lange Weg (ich schätze 80 Meter) vom nächsten Parkplatz die Burgstraße entlang unzumutbar ist.  Vielleicht wäre die Weinstraße schon ein Stückchen beruhigter, wenn mehr Wachenheimer innerorts unmotorisiert unterwegs wären.

Und ein Parkleitsystem wäre auch gut. Pompöses Wort für ein paar Schilder, die zu den Parkplätzen leiten. Aber der ortsfremde Durchgangsverkehr sieht das Chaos vor der Apotheke und fährt durch. Die Parkplätze Hinner der Kerch kennt ja kein Ortsfremder. Gut, ob Autofahrer bereit sind, mehr als 100 Meter zu Fuß zurück zu legen, ist dann wieder ein anderes Thema. Aber nur von durchfahrenden Autos hat niemand was, im Gegenteil, die verdrecken nur die Luft.

Der Gewerbeverein warnt, dass mehr Verkehrsberuhigung dazu führen könnte, dass Wachenheim zu einer Schlafstadt ohne Infrastruktur wird. So wie Deidesheim? Alle Einkaufsmärkte außerhalb, damit der Lieferverkehr nicht durch den Ort muss und die Innenstadt auf Vordermann gebracht – da könnte man vielleicht was abgucken.

Bestimmt ist seit dem Bau der Umgehung viel weniger Verkehr auf Wachenheims Weinstraße. Trotzdem ist es noch viel. Anders als Forst oder Deidesheim gibt es leider keine vernünftige Alternative zur Weinstraße. Dass eine weitere Beruhigung des Verkehrs dort die Infrastruktur gefährdet, glaube ich kaum. Mir ist dort zu viel Verkehr, deshalb meide ich sie zu Fuß oft (meint, ich nehme den Amalie-Helferich-Pfad oder die Bahnhofstraße). Ohne Verkehrsberuhigung sehe ich die Infrastruktur in größerer Gefahr. Was unterscheidet dann Wachenheim von einem Straßendorf? Vier, fünf Geschäfte und die Stadtrechte.

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