Wir Wachtenblogger sind ja allesamt Wachenheimer mit Leib und Seele. Darum wohnen wir auch hier und nicht, sagen wir mal, in Deidesheim. Von unseren übernächsten Nachbarn können wir uns aber das ein oder andere abgucken – zum Beispiel bei der Wirtschaftsförderung oder der Pflege eines attraktiven Stadtbildes.  Heute auf der Heimfahrt habe ich im Radio gehört, dass die Deidesheimer auch bei der Stadtsäckel-Sanierung einen interessanten Weg gehen.

Heute war ja die traditionelle Geißbockversteigerung. Für völlig Ortsfremde: Seit rund 600 Jahren stiftet die im Pfälzer Wald gelegene Gemeinde Lambrecht den Deidesheimern einen Geißbock. Das Tier dient als Tributzahlung. Der Wald um Lambrecht herum gehört nämlich den Deidesheimern. Damit die Lambrechter dort ihr Vieh weiden lassen dürfen, müssen sie seit alters her jährlich einen Ziegenbock springen lassen. 

Für die Geißbockversteigerung haben die Deidesheimer zunächst mal einen Feiertag erfunden. Oder kannten Sie den Pfingstdienstag? Außerdem wird noch was für’s Herz geboten: Das jeweils am frischsten verheiratete Lambrechter Ehepaar muss den Geißbock aus dem Wald vors Deidesheimer Rathaus führen. Dort warten schon eine Menge Schaulustiger und einige mutige Bieter auf das Spektakel.

Um 17:45 Uhr startet die Versteigerung. Wenn die Kirchturmglocke 18:00 Uhr schlägt, hat der zu diesem Zeitpunkt Höchstbietende den Bock am Hals – und das Geld fließt in den Deidesheimer Stadtsäckel.

In den vergangenen neun Jahren erbrachte die Versteigerung Summen zwischen 2.500 und 4.000 Euro. Und was passierte in diesem, von Wirtschaftskrise und Euro-Turbulenzen gekennzeichneten Jahr? Der Zuschlag fiel bei 6.100 Euro!

Überlegen Sie mal, wer im Moment noch Geld auf der hohen Kante hat! Richtig, der Geißbock geht in die Schweiz. Ersteigert hat ihn die Bürgermeisterin der Deidesheimer Partnergemeinde Buochs im Kanton Nidwalden.

Das ist doch mal eine kreative Lösung angesichts leerer Stadtkassen: eine reiche Tante aus der Schweiz! Können wir Wachenheimer nicht auch mal eine Partnerschaft aufsetzen, die uns nicht nur kulturell, sondern auch finanziell weiterbringt?  

Luxemburg oder Liechtenstein fallen mir da ein. Oder wir versuchen es angesichts unserer Schulden gleich eine Nummer größer: Wie wäre eines der sieben arabischen Emirate? Die Falken-begeisterten Scheichs könnte man doch vielleicht über die Greifvogelshow im Kurpfalzpark gewinnen. Das mit der Wein- oder Sektstadt müssten wir dann allerding sehr diskret handhaben…

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