Juni 2010


Jetzt ist es also doch soweit. Deutschland spielt gegen Argentinien um den Einzug ins Halbfinale!

Meine Kinder sind Halb-Argentinier. Meine verstorbene Ehefrau Argentinierin. Viele meiner besten Freunde Argentinier. Mein Grill ist aus Argentinien. Das Fleisch, das ich grille kommt aus Argentinien. Ich habe Geschäftsbeziehungen nach Argentinien. Und zwei Flaggen wehen vor meinem Haus, Argentinien und Deutschland.

Mein Ältester hat deutlich Stellung bezogen und daher musste ich ihm das Versprechen abnehmen, dass wir am Samstag nicht anfangen zu streiten, wenn ich mit meinem losen Mundwerk despektierliche Äusserungen über die Albiceleste, oder auch Selección, die argentinische Nationalmannschaft, machen werde. Meine Stellung, die ich bezogen habe, ist keine. Die Leidenschaft für Deutschland, aber Argentinien ist ein Land, das Leiden schafft und leidenschaftlich ist.

Das Spiel der letzten WM musste ich alleine schauen, da ich auf Dienstreise war. Als Lehmann den Elfmeter hielt, schrie ich so laut, dass ich dachte ich bekomme einen Herzinfarkt. Und dieses Mal?

Ich glaube, ich werde zur argentinischen Hyme aufstehen, diese beginnt mit den Worten „Hört, Ihr Sterblichen“, zum Spiel argentinischen Rotwein trinken, werde zwei- dreimal spanisch fluchen, lästere über Maradonna, über dessen Leben und fußballerische Leistungen ich ein paar DVD’s im Schrank habe, ein Genie, und ich werde meine Kinder, selbstverständlich mit aller Liebe und voller Verständnis nach dem Spiel in den Arm nehmen. Vielleicht lege ich ja einen Tango auf, und denke an La Boca, die Atmosphäre in den Strassen von Buenos Aires, an meine Freunde und meine Familie, an mein Traumland.

Nach dem Spiel…

Dann, wenn unsere Jungs diese Gauchos wieder in die Pampa geschickt haben werden und sie so richtig weggehauen und verhauen haben. Dann, wenn diese überstolzen und teilweise arroganten Typen, die immer noch in Zeiten Evitas leben, in ihren blau-weißen Hemden auf dem Rasen sitzen werden und flennen, als Ausgleich dafür, dass sie beim letzten Mal so schlechte Verlierer waren, Frings prvozierten, dass er gesperrt wurde, und wir gegen Italien verloren haben. Diese pienzigen Jammerlappen, die nur darauf aus sind andere hinters Licht zu führen und den Schiri ja sowieso bestochen haben.

Und wenn sie doch durch allerlei miese Tricks und vermeintliche fussballerische Genialität gewinnen sollten, diese Pampa-Roller, diese halb-italo-ibero-was-weiss-ich-denn, dann, dann werde ich Engländer, annektiere Buenos Aires zusätzlich zu den Malvinen und gebe meine Kinder in ein Internat der Kirche, wo sie zum rechten Glauben und zu Zucht und Ordnung erzogen werden, gehe in einen Londoner Pub und haue mir die Birne zu, schmähliche Lieder über Argentinien und Deutschland singend!

Wie sagt einer meiner besten Freunde?

„Fußball ist doch keine Frage auf Leben und Tod!!…..Es ist mehr!“

Bei der morgendlichen Lektüre des Spiegel Online stolperte ich über einen Artikel, der sich mit der Aussage einiger Politiker beschäftigt, dass Einwanderer zukünftig einen IQ Test ablegen sollen, damit nicht mehr nur humanitäre Gründe eine Einwanderung nach Deutschland ermöglichen sollen.

Den Gedanken finde ich sensationell und plädiere für diesen IQ Test, der auch für Politiker, insbesondere Kommunalpolitiker durchgeführt werden sollte. Besonderen Wert muss bei diesem Test auf das kleine Einmaleins, das richtige Aufsagen des Alphabets, und den Quotienten für soziale Intelligenz gelegt werden. So können dann Finanzierungen, Investitionen, Kommunikation und Diskussionsfähigkeit optimiert werden.

Da vor Jahren die Universität in Dublin einen IQ Test für den gesamten EU Raum machte, der zum Ergebnis hatte, dass Deutschland einen durchschnittlichen IQ von 107 hat und damit einen Spitzenplatz einnimmt, mit Holland zusammen, Frankreich hatte 94, schlage ich vor, dass Politiker mit einem geringeren IQ als 107 aus der Politik ausgeschlossen werden, oder in Ihr Heimat-Bundes-Land-Ort-etc… zurückgeschickt werden sollten, oder eben nach Frankreich.

Und sie sollten um Gottes Willen keine Politik mehr machen.

Seit einem Jahr – nicht auf den Tag genau – bloggen wir schon. 174 Beiträge mit 340 Tags und  381 Kommentare (inklusive unserer) sind zusammen gekommen, seit Cordelia nach einem anonymen Flugblatt (gut, so anonym ist es ja nicht mehr)  die Idee zum Wachtenblog  hatte. Über 15.000 Zugriffe (ohne unsere eigenen) hatten wir bisher, die allermeisten davon natürlich in diesem Jahr. Dafür danke an alle Leser und danke an Cordelia für die Idee!

Fast alle Vorrundenspiele sind gespielt, Blogger glotzen statt zu bloggen und unmittelbar nach dem öden Gerumpele zwischen Porugal und Brasilien reift die Erkenntis: die FIFA hat eine neue Strafe eingeführt. Für Spieler gibt es gelbe und rote Karten und nun gibt es auch für Zuschauer ine harte disziplinarische Maßnahme – die Nachspielzeit. Mit ganzen fünf Minuten bestrafte der Unparteiische heute bei Portugal – Brasilien uns arme Enthusiasten. Und wie Profis nach einer abgepfiffenen Aktion recken wir sofort die Arme gen Himmel und sagen: Nachspielzeit?! Warum? Ich habe doch nichts gemacht. Ich wollte doch nur Fußball sehen.

Unglaublich: Der portugisische Trainer fand, dass es ein Superspiel war.

Und nun noch der Blogbezug: Es gibt eine bloginterne Wette zur WM. Je nachdem ob Spanien oder Deutschland zuerst ausscheidet, gewinnt Frank oder ich einen Schorle.

So, jetzt muss ich wohl das Sonnensegel raffen, sonst reißt das Gewitter Segel und Baum in Stücke.

Stell Dir vor, es ist Stadtratssitzung, und kein Wachtenblogger geht hin. Das ist leider heute der Fall: Achim hat einen beruflichen Termin, und die anderen Wachtenblogger hüten Kinder – und schauen (Frank, Du ja bestimmt auch) das Argentinien-Spiel.

Dabei wäre die heutige Stadtratssitzung bestimmt spannend gewesen. Auf der Tagesordnung des öffentlichen Teils standen laut Amtsblatt und Rheinpfalz:

  • Änderung des Flächnnutzungsplans: Das Neubaugebiet „Auf der Höhe“ soll bis an die Bahnlinie ausgedehnt werden. Das Gewerbegebiet am Alten Galgen soll ebenfalls erweitert werden, dort geht es um Grundstücke hinter dem Sportplatz.
  • Zusätzliches Personal für die „Pusteblume“: Die Kindertagesstätte braucht wohl eine weitere Mitarbeiterin. Grund sind die vielen Kinder, die Sprachauffälligkeiten haben (40), in ergotherapeuthischer Behandlung sind (12) oder als Windelkinder besonders viel Hilfe brauchen. Wow, 40 Kinder mit Sprachauffälligkeiten, das ist mehr als ein Viertel der (laut Pusteblume-Homepage) 151 Kinder! Kann das sein?
  • Mal wieder Multifunktionshalle: Hier fragt die Verbandsgemeinde nach dem aktuellen Stand. Sie will das Projekt wohl finanziell unterstützen, wenn die Halle auch der Schule zu Gute kommt. Da habe ich ein Verständnisproblem: Welche Schule? Es kann sich ja nur um die Grundschule handeln, denn die IGS geht ja gerade in die Trägerschaft des Kreises über. Braucht die Grundschule jetzt eine Multifunktionshalle?

Da wir nicht dabei sein konnten, warten wir gespannt auf den Bericht in der Rheinpfalz. Oder können Sie aushelfen, liebe Leser? Wenn jemand heute dabei war, würden wir uns über einen Kommentar freuen!

Zwangsehen sollen in Deutschland ja noch entschiedener geächtet werden. Gut so! Allerdings gilt das nicht für rheinland-pfälzische Verbandsgemeinden. Ihnen hat die Verwaltungs- und Kommunalreform eine Gebietsoptimierung verordnet. Das bedeutet: Was zu klein und damit zu teuer ist, soll fusionieren.

Die Verbandsgemeinde (VG) Wachenheim mit knapp 10.000 Einwohnern wurde als einer dieser Winzlinge identifiziert. Der Heiratskandidat ist auch schon lange gefunden: die benachbarte VG Deidesheim, die mit rund 11.750 Einwohnern zwar größer ist, aber auch noch unter dem Schwellenwert von 12.000 Einwohnern liegt. Deidesheim und Wachenheim sollen sich nun also gegenseitig über die Schwelle tragen. Die Frage ist: Wer hat dabei die Hosen an?

Die Begeisterung der designierten Brautleute hält sich noch in Grenzen – zumindest in Wachenheim. Dort war die Verwaltungsreform am vergangenen Montag ein Tagesordnungspunkt der VG-Ratssitzung. Es ging um die Bildung einer Steuerungsgruppe, die sich mit generellen Fragen der Fusion beschäftigen soll. Verbandsbürgermeister Udo Kittelberger war gesetzt, ebenso die beiden Beigeordneten Helmut Rentz (SPD) und Heike Ditrich (FWG) sowie die VG-Büroleiterin Ulla Kaiser.

Zusätzlich sollte jede Fraktion im Verbandsgemeinderat einen Vertreter benennen. Dies sind: Hans-Jürgen Häfner (SPD), Helmut Panzel (FDP), Arnold Nagel (FWG) und Torsten Bechtel (CDU). „Sehr Wachenheim-lastig“, war ein Kommentar aus dem Plenum.

Interessanter als diese Personalien war, was der 1. Beigeordnete Rentz im Anschluss sagte: Er bezog sich auf einen Zeitungsartikel, in der die VG Deidesheim sich als „Wunschpartner“ von Wachenheim bezeichnet hatte.  

Merkwürdig, die VG Wachenheim scheint im Moment ja einiges aus der Rheinpfalz zu erfahren. Wobei mir einfällt, dass eine fusionierte VG Deideswachenheim nicht nur zu zwei Landkreisen gehören würde, sondern auch zwei unterschiedliche Lokalausgaben der Rheinpfalz erhielte.

Naja, Rentz spottete jedenfalls über die Aussage in dem Zeitungsartikel, dass eine Fusion mit Deidesheim „ergebnisoffen diskutiert werden solle“ – schließlich gebe es keine Alternative. „Wir gehorchen der Not“, so Rentz. Verbandsbürgermeister Kittelberger entgegnete, wie so oft um eine optimistische Sichtweise bemüht: „Wir diskutieren aus der Not, aber auf Augenhöhe.“

Das klingt spannend. Etwa so wie eine Braut, die zufällig fast genauso groß wie der Bräutigam ist, den die Familie für sie bestimmt hat.

Die Münze in dem Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt(Beim Überqueren der Brücke bitte zahlen!)!

Wer kennt diesen Spruch nicht, der der Legende nach mit zur Reformation von Martin Luther geführt hat. Auf der Suche nach Einnahmequellen für die katholische Kirche wurde der Ablass erfunden, mit dem man sich, ganz weltlich, von seinen Sünden auf Erden freikaufen konnte und mit sauberer Seele dem Fegefeuer entging.

Der streitbare Mönch Luther nahm, unter anderem, diese Vorgehensweise zum Anlass seine Thesen an die Kirchentür zu nageln und begründete damit die reformierte Kirche, er protestierte. Daher der Name Protestanten. Er protestierte gegen eine Verweltlichung des Glaubens, der sich seiner Meinung nach immer weiter von seinen Wurzeln entfernte und u.a. zu etwas gemacht wurde, das man bezahlen konnte, bzw. musste.

In der heutigen modernen globalisierten Welt gibt es für die Kirchen einfachere Mittel um Geld einzunehmen. Insbesondere hier in Deutschland gibt es die Kirchensteuer. Ein wunderbares Instrument um die Mitgliedsbeiträge seiner Mitglieder einzusammeln. Einzigartig auf der Welt und so typisch deutsch, so vereinshaft. Diese Kirchensteuer gibt es in einem Land, in dem Staat und Kirche seit langer Zeit getrennt sind, was für mich ein Paradoxon darstellt, genau wie der Religionsunterricht an staatlichen Schulen. Dies soll aber nicht das Thema des Artikels sein, sondern Kirchensteuer, Glauben, Universalität des Glaubens und die Verarbeitung eines Themas, das mich seit mehr als zwei Jahren massiv beschäftigt.

Also, in Deutschland definiert der Christ über die Zahlung der Kirchensteuer. Zahlt man keine Kirchensteuer ist man kein Christ. Was passiert, aber, wenn man in anderen Ländern seinen Obulus an die Kirche entrichtet, aber in Deutschland aus der Kirche ausgetreten ist?

Hierzu ein konkretes Beispiel.

Meine verstorbene Frau war Argentinierin, eine gläubige Argentinierin. Als sie meinetwegen nach Deutschland kam, war es für sie klar, in Buenos Aires in der Kirchengemeinde von Vicente Lopez, Buenos Aires weiterhin ihren Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten. Da auch ich mein Geld in einer kleinen Gemeinde in der dritten Welt besser verwendet sah, als in dem riesigen Verwaltungsmoloch Deutschland und wir wussten, dass der dortige Pfarrer eine tolle Gemeindearbeit machte, entschlossen wir uns hier keine Kirchensteuer mehr zu bezahlen und stattdessen unser Geld in Argentinien der Kirche zu spenden. Dies taten wir nachweislich.

Dann kam unsere Tochter zur Welt. In Deutschland. Zum Zeitpunkt der gewünschten Taufe wohnten wir am Niederrhein, einer sehr katholisch geprägten Gegend und wir mussten wirklich suchen, um eine protestantische Gemeinde zu finden, in der die Taufe stattfinden konnte. Im Interview, das der Pfarrer mit uns führte, machte er gleich klar, was die Bedingungen für eine Taufe seien. Wir mussten Mitglied der Gemeinde sein und Kirchensteuer bezahlen. Wir machten klar, dass wir in Deutschland keine Gemeindemitglieder seien, aber ja in Argentinien und wollten unser Kind im Namen Christi taufen lassen, in Deutschland. Er, der Pfarrer ging sofort auf Distanz, sagte was von Kosten und wir könnten ja schön behaupten, wir seien dort Mitglied und vermutete, wir wollten uns nur den Ritus für ein tolles Familienfest erschleichen. Nach Vorlage unserer Spendenquittungen, war das immer noch nicht klar, er müsse mit seinem Vorgesetzten sprechen, dem hier unten auf der Erde. Nach zwei Wochen Klärungen und eines Telefonats der Kirche nach Argentinien(!), fand die Taufe statt und unsere Tochter war endlich eine Christin. Für den Aufwand der Kirche wurde uns eine Spende nahegelegt, wir erfüllten diesen Wunsch.

Da wir den Worten Jesu folgten, und Kinder um uns sein sollten, bekamen wir noch ein drittes Kind. Das erste wurde übrigens in Argentinien getauft. Nun endlich wieder in unserem schönen Wachenheim wohnend. Auch hier stand die Taufe an, und nach unseren Erfahrungen am Niederrhein bereiteten wir alle Unterlagen vor, gingen noch einmal die Argumente durch, die wir in unserem letzten Taufgang angewendet hatten, so von wegen, Glaube lässt sich doch nicht durch Steuerzahlungen fest machen, …wir unterstützen die Dritte Welt Kirche, dann lassen wir unser Kind halt wieder in Argentinien taufen etc. etc. Dann kam es zur Besprechung mit dem örtlichen Hirten und wir waren auf das Positivste überrascht. Nach unserer kurzen Erklärung war alles kein Problem, wir mussten keine Spendenquittungen vorlegen, alles war wunderbar, nein so borniert ist man nicht… und unser Kleiner wurde in Wachenheim getauft, ein Schäfchen der Herde zugeführt. Boshaft gedacht, auch der wird ja mal gross werden und zahlt dann mal Kirchensteuer. Aber diese Meinung war damals weit entfernt und wir liessen auch unseren Kleinen zum Christ machen.

Dann starb meine Frau und mein Kirchenwelt- und Kirchenmenschenbild wurde zutiefst erschüttert. Als in Sterbedingen unerfahrener Mensch, ging ich zu einem Beerdigungsinstitut organisierte die Beerdigung, und auf die Frage, ob ich selbst mit dem Pfarrer reden möchte oder ob das für mich erledigt werden sollte, beauftragte ich das Institut mit der Kontaktaufnahme. Einen Tag später rief mich die Frau der Beerdigungsfirma an, und teilte mir mit, der Pfarrer  könne meine Frau nicht beerdigen, da sie 1994 aus der Kirche ausgetreten sei. Wohlgemerkt muss dem werten Herrn Pfarrer unsere Geschichte bekannt gewesen sein, da er ja unseren Jüngsten getauft hatte und auch die anderen Rahmenbedingungen bekannt waren. Die Dame der Beerdigungsfirma bot an mit den Freireligiösen zu sprechen, die hätten tolle Prediger, aber ich wollte das mit dem Pfarrer klären, was mir zum Glück nicht gelang. Bei meinem Anruf in der Gemeinde hob keiner das Telefon ab, was einen Eklat verhinderte und just in diesem Moment reifte in mir der Entschluss die ganze Beerdigung mit Freunden selbst zu organisieren. Was ein wunderschönes persönliches Erlebnis war, sofern eine Beerdigung der Ehefrau schön sein kann, aber persönlicher, angemessener und herzlicher kann niemand verabschiedet werden, den man geliebt hat.

Der Pate meines Jüngsten, ein sehr gläubiger Christ, Katholik, ist mit einer Brasilianerin verheiratet, die zum Zeitpunkt der Beerdigung in Manaus, dem Herz der grünen Hölle mitten im Dschungel weilte. Als dieser Pate nun seiner Frau erzählte, wie die hiesige Kirche agierte, organisierte sie einen Trauergottesdienst in Brasilien; ebenso wurde in der Gemeinde in Argentinien einen Gottesdienst gehalten. Ich glaube das Seelenheil meiner Frau ist somit, falls das überhaupt notwendig gewesen sein sollte, auf ordentliche Füsse gestellt worden.

Weit weg, in fernen Ländern, in denen man normalerweise Urlaub macht, und in die man, so der Wachenheimer Pfarrer in der aktuellen Ausgabe der „Brücke“, seinen Glauben mitnimmt und immer bei Gott aufgehoben ist. Sofern man in Deutschland Kirchensteuer bezahlt.

Uns kannte keiner in Brasilien, aber der katholische Priester in Manaus hat für meine Frau gebetet, der Priester im Krankenhaus in Rio Cuarto, wo meine Frau keine Kirchensteuer bezahlt hat, aber starb, gab ihr die letzte Ölung, in Buenos Aires wurde für meine Frau gebetet, die Kirche hier, bei der meine Kinder in der Gemeinde sind, die Kinder der Verstorbenen, hat noch nicht einmal kondoliert, nicht mir, nicht meinen Kindern. Es gab kein Wort, weder schriftlich, noch mündlich, kein Wort der Institution und kein Wort des Menschen, der Pastor genannt wird, Hirte, geschweige denn Hilfsangebote an die Kleinen.

Diese Art Kirchenbürokratie und gelebte Kirche ist mir zutiefst zuwider und widerspricht allem, was Martin Luther wollte, und vor allem, was Jesu wollte. Mir sind aus der Bibel eigentlich nur Geschichten bekannt, bei denen wegen des schnöden Mammons Verrat geübt wurde. Verrat am Tempel, dort wurden sie von Jesus vertrieben und Verrat an Jesus selbst, für ein paar Silberlinge. Die Frage, die sich aufwirft, und die mir seit zwei Jahren keine Ruhe gelassen hat, ist, ob diese Haltung klerikal im Allgemeinen ist, oder ob dieses Verhalten persönlich bedingt war.

Ich habe meine Antwort gefunden. Endlich!

Der Verbandsgemeinderat Wachenheim hat in seiner gestrigen Sitzung seine Linie zur Eigentumsfrage der Wachenheimer Schulen geändert. Zur Erinnerung: Durch das neue Schulgesetz (§ 80) sollen alle weiterführenden Schulen in Rheinland-Pfalz zum 1. August 2010 in die Trägerschaft der Kreise übergehen.

In Wachenheim gibt es eine spezielle Situation: Die Integrierte Gesamtschule (IGS) ist von dem Gesetz betroffen. Die Grundschule (Kurpfalzschule) wäre nicht betroffen, sitzt aber im selben Gebäude und ist sehr eng mit der IGS  verwoben: Beide Schulen teilen sich Sekretariat, Hausmeister, Turnhalle, etc.

Die erste Idee Wachenheims war, neben der Grundschule auch die IGS zu behalten und an den Kreis zu vermieten. In ersten Gesprächen haben Vertreter des Kreises wohl die Möglichkeit signalisiert, dass es hier eine Ausnahmeregelung geben könnte.

Daraufhin hatte der Verbandsgemeinderat am 26. April einstimmig beschlossen, dass Wachenheim die Trägerschaft von IGS und Grundschule behalten sollte. Die Nutzung der IGS durch den Kreis sollte in einem Nutzungsvertrag geregelt werden. Verbandsbürgermeister Udo Kittelberger sollte darüber mit dem Kreis verhandeln.

Nur leider hatte der Verbandsgemeinderat die Rechnung ohne Landrätin Sabine Röhl gemacht. Die wurde wohl erst nach dem Ratsbeschluss informiert und teilte dann über einen Rheinpfalz-Artikel vom 11. Mai mit, dass der Vorschlag der Verbandsgemeinde vom Kreis auf keinen Fall umgesetzt werde. „Auf’s falsche Pferd gesetzt“ war damals die Überschrift des Zeitungsartikels.

Udo Kittelberger hatte zunächst über eine weiteren Rheinpfalz-Artikel gegen die Landrätin argumentiert, brachte gestern aber eine gegenteilige Beschlussvorlage ein: Nun sollten beide Schulen in das Eigentum des Kreises übergehen. Bei der Grundschule sollte die Verbandsgemeinde weiter Schulträger bleiben. Für das übertragene Schulgebäude würde sie eine Entschädigung vom Kreis bekommen (allerdings nur den Buchwert nach dem Doppik-Verfahren, also ein schlechtes Geschäft). Ab dem 1. August müsste sie dann an den Kreis Miete zahlen.

Mein erster Gedanke bei dieser Beschlussvorlage: An dem Prinzip „Verkaufen und Zurückmieten“ ist schon Karstadt pleite gegangen! Die etwa einstündige Diskussion im Verbandsgemeinderat zeigte aber, dass die Entscheidung so einfach nicht ist.

Zunächst einmal gab es keine Einigkeit, ob es grundsätzlich möglich wäre, dass man die IGS abgibt und die Grundschule behält. FWG-Vertreter und Wachenheimer Ex-Bürgermeister Arnold-Nagel betonte, dass dies gesetzlich möglich sei und die Organe des Kreises einen entsprechenden Vorschlag noch nicht einmal debattiert hätten. Kittelberger und die Ortsbürgermeister entgegneten, die Landrätin wäre nur für die Alternativen „ganz oder gar nicht“ zu haben. Also entweder, die Verbandsgemeinde gibt beide Schulen ab, oder sie behält beide und muss doppelt zahlen – für die eigenen Schulen und per Umlage für die anderen Schulen des Kreises.

Erstaunt hat mich diese Diskussion schon: Da debattiert der Verbandsgemeinderat seit April – oder wahrscheinlich noch länger – über eine Einigung mit dem Kreis. Da sollte man nicht mehr auf Hörensagen angewiesen sein, um die Position des Kreises zu beurteilen. Mal ganz naiv gefragt: Warum lädt man die Landrätin Röhl oder einen fachlich zuständigen Vertreter des Kreises nicht zur Sitzung ein? Wie auch Andreas Berger von der FDP vermutete, könnte es hier ein Kommunikationsproblem geben.

Insgesamt standen bei der Debatte rationale Erwägungen gegen ungutes Bauchgefühl. Die vorgebrachten Ängste und Bedenken waren für mich durchaus nachvollziehbar: Für den Friedelsheimer Bürgermeister fühlte sich der Übergang der Schulträgerschaft an wie „kalte Enteignung und Entmündigung der Kommunen“. Nagel sagte mehrmals „Eigentum gibt man nicht ohne Not aus der Hand“. Mehrere Redner machten sich Sorgen, ob die Grundschule unter dem neuen Eigentümer noch in Schuss gehalten würde. So könnten zum Beispiel die geplante Ausbesserung der Fenster in Frage stehen. Der Wachenheimer Bürgermeister Torsten Bechtel (CDU) merkte allerdings an, dass gerade die Fenster in den Räumen der ersten und zweiten Klassen schon so lange in einem gefährlichen Zustand seien, dass es unter der Trägerschaft des Kreises nicht schlimmer werden könne.

Daraufhin entspann sich mal wieder ein Schlagabtausch zwischen Nagel und Bechtel, bei dem der Ex-Bürgermeister seinen Nachfolger unterstelle, er habe von Schulen keine Ahnung. Klar, der Mann ist ja auch nur Lehrer und kein Winzer….

Für das Übertragen des Eigentums an der Grundschule sprachen vor allem rationale Argumente: Wenn Wachenheim Eigentümer der Grundschule bliebe, könnte das zu hohen Unterhalts- und Folgekosten führen, und die Verbandsgemeinde müsste gleichzeitig die anderen Schulen des Kreises per Umlage mit finanzieren. Weitere Details wie Ausgleichszahlungen, Nutzung der Schulgebäude für Vereine, Musikschule, VHS u. ä. würden in einem Vertrag geregelt. Außerdem sei die Situation weniger kompliziert, wenn beide Schulen dem selben Eigentümer gehörten.

Am Ende siegten die Köpfe über die Bäuche: Zunächst wurde ein Vorschlag Nagels, die Grundschule zu behalten, abgelehnt. Dann wurde die ursprüngliche Vorlage mit 16 Ja-Stimmen (CDU, SPD und FDP-Mann Berger), 6 Nein-Stimmen (FWG und FDP-Mann Panzel) sowie 2 Enthaltungen angenommen. Gewinner gab es bei der Abstimmung nicht wirklich – alle schienen sich eher in ein Übel zu fügen, und mehr als einmal stand die Vermutung im Raum, dass die Ansammlung aller Schulen beim Kreis eine erste Vorbereitung für künftige Schulschließungen sein könnte.

Als weiterer Tagesordnungspunkt stand mal wieder das Thema Flächennutzungsplan auf der Tagesordnung: Vertreter eines Discounters haben in Gönnheim nach einem Gewerbegrundstück angefragt. Die Orstgemeinde hat daraufhin beantragt, für die gesamte Verbandsgemeinde ein Einzelhandelsgutachten anfertigen zu lassen. Dies traf auf allgemeine Zustimmung und wurde einstimming angenommen.

Trotzdem gab es einige interessante Diskussionsbeiträge: Der Wachenheimer SPD-Vertreter Häfner sorgte sich, dass sich durch das Gutachten die Größenempfehlung für den Wachenheimer Supermarkt ändern könnten. Dies kritisierte der Gönnheimer Bürgermeister Robert Blaul als Kirchturmdenken: „Wachenheim hat mal wieder Angst, dass ihnen die Felle davon schwimmen.“

Sein Wachenheimer Kollege Bechtel sagte, das Gutachten sei längst überfällig. Interessant sei nur, dass es jetzt auch die befürworteten, die jahrelang nichts in dieser Richtung unternommen hätten. Wer jetzt jammerte, dass bald alle kleinen Geschäfte schließen würden, hätte sich jahrelang auf einen Markt und einen Standort versteift und alle Alternativen „plattgemacht“.

Das Einzelhandelsgutachten soll etwa 10.000 € kosten (im Verbandsgemeinde-Haushalt bei der Fortschreibung des Flächennutzungsplans budgetiert). Betrachtet werden soll der Zeitraum bis 2020 (10 Jahre finde ich etwas wenig), dabei sollen der demografische Wandel sowie die Entwicklungen von Kaufkraft und Kundenströmen berücksichtigt werden.  Auch die Nachbargebiete Bad Dürkheim, Maxdorf und Deidesheim sollen mit einbezogen werden.

Der Friedelsheimer Bürgermeister Hafner wies darauf hin, dass es in Deidesheim (wesentlich weniger Einwohner als die Verbandsgemeinde Wachenheim) einen Penny, einen Lidl und demnächst auch einen Aldi gebe. Hoffentlich komme das Gutachten dann nicht zu der Empfehlung, „dann kann die Oma aus Wachenheim ja mit ihrem Rollator nach Deidesheim fahren“.

Mit einem Sieg beim Verbandsgemeindeturnier beendete die D-Jugend des TuS Wachenheim die überragende Saison mit dem Gewinn des Doubles. Der anschliessende Freudenzug auf einer Winzerrolle(netterweise von Familie Hill in Gönheim zur Verfügung gestellt), der vom Alten Galgen mitten auf das Weinfest führte, kann ruhigen Gewissens als Höhepunkt des Weinfestes und des Wachenheimer Fussballjahres gesehen werden.

Die Jungs wurden, sozusagen auf der Meistertreppe an der Kirche, von Verbandsbürgermeister Kittelberger für Ihre Leistung geehrt  und verliehen dem Weinfest Stimmung und (welt-, kreis-)meisterliches Flair.

Wir gratulieren und freuen uns für unsere Jungs, dass sie solch eine tolle Feier bekamen. Verdientermassen wohlgemerkt!!

Gestern bei meinem ersten Heim-Weinfestbesuch bin ich direkt in den Dalberger Hof und habe den ganzen Abend dort verbracht, ohne einen „Rundgang“ über den Rest den Weinfestes getan zu haben.

Nach dem heutigen Fussballspiel haben meine Kinder und ich das nachgeholt. Bei diesem Rundgang hatte ich einen Flashback an eine Begebenheit, die mir und einigen Freunden vor mehr als 25 Jahren passiert ist. Wir fuhren nach Heidelberg und einer meiner Freunde war auf dem Rücksitz eingeschlafen. Als wir in Heidelberg am Hauptbahnhof standen, weckten wir Ihn und forderten Ihn auf, nach dem Weg nach Heidelberg zu fragen. Er der Forderung nach und ich werde den Blick des Befragten Heidelbergers niemals vergessen.

Heute kam ich in die Versuchung nach dem Weg zun Weinfest zu fragen, obwohl ich schon mittendrin stand.

Solch ein konzept-, zusammenhangs- und liebloses Fest ist mir schon lange nicht mehr untergekommen. Die Burg ist da wie immer aussen vor. Im Prinzip haben die Kneipen Stühle draussen stehen. Als Leistungsschau Wachenheims und des Wachenheimer Weines dient dieses Etwas mit Sicherheit nicht. Die Argumente sehe ich jetzt schon vor mir. Rheinland-Pfalz-Tag, Fussball WM, Wetter, alles fadenscheinige Entschuldigungen dafür, dass über Jahre hinweg ein Missmanagement stattfand, und ohne Rücksicht auf Veränderung der Besucherstruktur geschaltet und gewaltet wurde. Siehe auch die restliche Politik, die die Quittung von den Wählern bekam. Beim Weinfest erteilt der Besucher die Quittung und ist bestimmt nicht durch die immer gleichen Flammkuchen, Bratwürste und Schwenksteaks umzustimmen.

Ich hoffe, dass dieser Zustand 2010 nur ein Zwischenstadium der Verpuppung ist. Was dann rauskommt wird man sehen. Motte oder Schmetterling. Weinfest, Hoffest, nur Burgfest, Burgstrassenfest oder was auch immer.

Ich  drücke Wachenheim die Daumen und werde morgen wieder in den Dalberger Hof gehen, da stimmt zumindest das Ambiente!

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