Mein Sohn, 13,  ist ein ernsthafter Rammstein Fan, ebenso wie ich, deshalb versprach ich ihm, letztes Jahr, ein Rammstein Konzert mit ihm zu besuchen. Die reguläre Tour war innerhalb eines Tages ausverkauft, doch es gibt den Rock-Mega-Event mit Rammstein als Top Act!

Rock am Ring!

Das Christkind brachte die Eintrittskarten und das Warten hatte dann am Freitag ein Ende, Kiss hatten wir schon sausen lassen, 4 Tage zelten waren uns zu lang. Die Campingausrüstung gepackt, meinen dritten Mitstreiter, einen Engländer, ebenso, und dann ging die Vater-Sohn-Freund-Truppe einen Abrocken. Ich muss noch erwähnen, ich habe in meinem Leben zwar viele Konzerte besucht, aber mehrtägig war auch für mich mit meinen fast 45 Jahren Neuland, und dann noch im Zelt…

Der Proviant bestand vorwiegend aus Dosenfutter, Ravioli, gebackene Bohnen, ein Tribut an meinen Engländer, politisch völlig unkorrekt Dosen Cola für Max, Dosenbier für Bruce und mich, eine kleine Flasche Jack Daniel’s…usw. mental sah ich meine Party-Orgien aus der Jugend vor mir und freute mich im Vorfeld wohl mehr als Max, nocheinmal das zu sein, was er ist.

Im Zelt war es heiss, die kleine Whiskey-Flasche wurde nur halb geleert, am zweiten Tag sehnte ich mich nach einer Dusche und einem weichen Bett, ich lag mit Ohrstöpseln im Schlafsack, da die 20 jährigen bis um 6.00 Party machten, direkt neben meinem Zelt, das ist doch Ruhestörung, das Dosenbier wurde zu Radler gemischt, immer schön die Sonnencreme aufgetragen, usw. Selbst bei den jungen hübschen Mädels dachte ich sehnsüchtig an das nicht mehr ganz 20 jährige Mädchen zu Hause in Wachenheim, diese ganzen Tattoos, die diese jungen Dinger haben, wie sind die denn drauf, und Sonntags gingen wir in ein Hotel frühstücken!

Mit anderen Worten, ich habe mich selbst erkannt, keine 18 mehr, ein Leben hinter mir und ein anderes vor mir! Ich habe dann meine Vaterrolle in vollsten Zügen genossen und die grossen Augen meines Sohnes gesehen, seine Freude und seine Achtung vor mir. All die Bands, die er aus dem Radio kennt, all die Menschen mit den geilen Tattoos, boah Papa schau mal sieht die gut aus, mit seinem coolen Vater im Zelt pennen, diesem bis nachts beim klönen mit dem Freund zuhören, heey Papa, ihr habt ja den Whiskey gar nicht leer getrunken, er konnte endlich mal so richtig mit mir sein, ohne die kleinen Geschwister, und ein kleines bisschen den Vorhang lüften, und einen Spalt gross sehen, was vielleicht in den nächsten Jahren das Leben an Spass und Freude bringt.

Dies zu sehen und zu geniessen, und zu wissen, dass meine Kinder der wahre Rock’n Roll und Top Act des Lebens sind, war  für mich das geilste Erlebnis überhaupt.

Sehr oft wurde ich von jungen Leuten angesprochen, so um die 20, die mich siezend fragten, wie alt mein Sohn sei. Nach der Antwort „13“ klopften sie ihm auf die Schulter und gratulierten ihm.

Zu seinem Vater.

Ich hatte dann die grossen Augen, die mit Tränen gefüllt waren, und dachte, mein Gott, irgendetwas scheine ich doch richtig zu machen, und scheine meinen Kindern etwas geben zu können, was andere nicht so hatten oder haben. Und in diesen Momenten fühlte ich ein sonniges Lächeln und eine imaginäre Hand auf meiner Schulter.

Bei Rammstein saß er dann auf meiner Schulter, wir sahen all das, was zu sehen wir gekommen waren und fühlten all das, was zu fühlen wir gekommen waren.

Wir waren Ring-Rocker!

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