Zwangsehen sollen in Deutschland ja noch entschiedener geächtet werden. Gut so! Allerdings gilt das nicht für rheinland-pfälzische Verbandsgemeinden. Ihnen hat die Verwaltungs- und Kommunalreform eine Gebietsoptimierung verordnet. Das bedeutet: Was zu klein und damit zu teuer ist, soll fusionieren.

Die Verbandsgemeinde (VG) Wachenheim mit knapp 10.000 Einwohnern wurde als einer dieser Winzlinge identifiziert. Der Heiratskandidat ist auch schon lange gefunden: die benachbarte VG Deidesheim, die mit rund 11.750 Einwohnern zwar größer ist, aber auch noch unter dem Schwellenwert von 12.000 Einwohnern liegt. Deidesheim und Wachenheim sollen sich nun also gegenseitig über die Schwelle tragen. Die Frage ist: Wer hat dabei die Hosen an?

Die Begeisterung der designierten Brautleute hält sich noch in Grenzen – zumindest in Wachenheim. Dort war die Verwaltungsreform am vergangenen Montag ein Tagesordnungspunkt der VG-Ratssitzung. Es ging um die Bildung einer Steuerungsgruppe, die sich mit generellen Fragen der Fusion beschäftigen soll. Verbandsbürgermeister Udo Kittelberger war gesetzt, ebenso die beiden Beigeordneten Helmut Rentz (SPD) und Heike Ditrich (FWG) sowie die VG-Büroleiterin Ulla Kaiser.

Zusätzlich sollte jede Fraktion im Verbandsgemeinderat einen Vertreter benennen. Dies sind: Hans-Jürgen Häfner (SPD), Helmut Panzel (FDP), Arnold Nagel (FWG) und Torsten Bechtel (CDU). „Sehr Wachenheim-lastig“, war ein Kommentar aus dem Plenum.

Interessanter als diese Personalien war, was der 1. Beigeordnete Rentz im Anschluss sagte: Er bezog sich auf einen Zeitungsartikel, in der die VG Deidesheim sich als „Wunschpartner“ von Wachenheim bezeichnet hatte.  

Merkwürdig, die VG Wachenheim scheint im Moment ja einiges aus der Rheinpfalz zu erfahren. Wobei mir einfällt, dass eine fusionierte VG Deideswachenheim nicht nur zu zwei Landkreisen gehören würde, sondern auch zwei unterschiedliche Lokalausgaben der Rheinpfalz erhielte.

Naja, Rentz spottete jedenfalls über die Aussage in dem Zeitungsartikel, dass eine Fusion mit Deidesheim „ergebnisoffen diskutiert werden solle“ – schließlich gebe es keine Alternative. „Wir gehorchen der Not“, so Rentz. Verbandsbürgermeister Kittelberger entgegnete, wie so oft um eine optimistische Sichtweise bemüht: „Wir diskutieren aus der Not, aber auf Augenhöhe.“

Das klingt spannend. Etwa so wie eine Braut, die zufällig fast genauso groß wie der Bräutigam ist, den die Familie für sie bestimmt hat.

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