Jetzt ist es also doch soweit. Deutschland spielt gegen Argentinien um den Einzug ins Halbfinale!

Meine Kinder sind Halb-Argentinier. Meine verstorbene Ehefrau Argentinierin. Viele meiner besten Freunde Argentinier. Mein Grill ist aus Argentinien. Das Fleisch, das ich grille kommt aus Argentinien. Ich habe Geschäftsbeziehungen nach Argentinien. Und zwei Flaggen wehen vor meinem Haus, Argentinien und Deutschland.

Mein Ältester hat deutlich Stellung bezogen und daher musste ich ihm das Versprechen abnehmen, dass wir am Samstag nicht anfangen zu streiten, wenn ich mit meinem losen Mundwerk despektierliche Äusserungen über die Albiceleste, oder auch Selección, die argentinische Nationalmannschaft, machen werde. Meine Stellung, die ich bezogen habe, ist keine. Die Leidenschaft für Deutschland, aber Argentinien ist ein Land, das Leiden schafft und leidenschaftlich ist.

Das Spiel der letzten WM musste ich alleine schauen, da ich auf Dienstreise war. Als Lehmann den Elfmeter hielt, schrie ich so laut, dass ich dachte ich bekomme einen Herzinfarkt. Und dieses Mal?

Ich glaube, ich werde zur argentinischen Hyme aufstehen, diese beginnt mit den Worten „Hört, Ihr Sterblichen“, zum Spiel argentinischen Rotwein trinken, werde zwei- dreimal spanisch fluchen, lästere über Maradonna, über dessen Leben und fußballerische Leistungen ich ein paar DVD’s im Schrank habe, ein Genie, und ich werde meine Kinder, selbstverständlich mit aller Liebe und voller Verständnis nach dem Spiel in den Arm nehmen. Vielleicht lege ich ja einen Tango auf, und denke an La Boca, die Atmosphäre in den Strassen von Buenos Aires, an meine Freunde und meine Familie, an mein Traumland.

Nach dem Spiel…

Dann, wenn unsere Jungs diese Gauchos wieder in die Pampa geschickt haben werden und sie so richtig weggehauen und verhauen haben. Dann, wenn diese überstolzen und teilweise arroganten Typen, die immer noch in Zeiten Evitas leben, in ihren blau-weißen Hemden auf dem Rasen sitzen werden und flennen, als Ausgleich dafür, dass sie beim letzten Mal so schlechte Verlierer waren, Frings prvozierten, dass er gesperrt wurde, und wir gegen Italien verloren haben. Diese pienzigen Jammerlappen, die nur darauf aus sind andere hinters Licht zu führen und den Schiri ja sowieso bestochen haben.

Und wenn sie doch durch allerlei miese Tricks und vermeintliche fussballerische Genialität gewinnen sollten, diese Pampa-Roller, diese halb-italo-ibero-was-weiss-ich-denn, dann, dann werde ich Engländer, annektiere Buenos Aires zusätzlich zu den Malvinen und gebe meine Kinder in ein Internat der Kirche, wo sie zum rechten Glauben und zu Zucht und Ordnung erzogen werden, gehe in einen Londoner Pub und haue mir die Birne zu, schmähliche Lieder über Argentinien und Deutschland singend!

Wie sagt einer meiner besten Freunde?

„Fußball ist doch keine Frage auf Leben und Tod!!…..Es ist mehr!“

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