Lieber Frank, dies ist ein Kommentar, der so lang wurde, dass ich ihn lieber als Blogbeitrag veröffentliche. Er bezieht sich auf Deinen heutigen Beitrag „Blog und Kommentar“. Ich bin mit dem Artikel in weiten Teilen einverstanden – und überhaupt nicht einverstanden mit dem vorletzten Absatz, in dem Du die Kommentierer ansprichst. Da schreibst Du:

„Unsere Kommentar-Funktion der Seite […] ist nicht als Blog-Ersatz für Personen gedacht, die keinen eigenen Blog […]  haben wollen. Es ist ein Forum zu Themen, die auf dem Wachtenblog diskutiert werden, […]. Dieses System fordert sowohl den Autoren, als auch den Kommentatoren[…] einiges ab, z.B. […] Selbstdisziplin. Die Disziplin zu haben, nicht alles und jeden zu kommentieren, nur damit irgendetwas geschrieben ist. Speziell für uns Autoren, aber auch für alle Beteiligten, sollte das Wort von Dieter Nuhr gelten: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten!“

Ich weiß nicht, wie es unseren Lesern geht. Für mich liest sich das wie ein ziemlicher Schuss vor den Bug unserer Kommentierer. Das war, wie ich von Frank weiß, so nicht beabsichtigt. Doch wenn wir Pech haben, dann ist heute dem einen oder der anderen erstmal die Lust vergangen, im Wachtenblog einen Kommentar zu hinterlassen. Das fände ich schade, sehr schade sogar!

Ich bin doch froh, dass wir in den vergangenen Monaten viel mehr Kommentare auf unsere Artikel bekommen habe – und das von vielen verschiedenen Leuten. Das soll bitte so bleiben, denn das genau ist der Unterschied zwischen einem Blog und einer Webseite!

Den hohen Ansprüchen eines Dieter Nuhr würden unsere eigenen Beiträge übrigens auch nicht immer gerecht. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass meine Texte „Neue Wege der Stadtsäckelsanierung“ oder  „Der Fluch der Cordelia“ die Welt wirklich weiter bringen. Manchmal ist der Wachtenblog trivial – und von der Sanierung kommunaler Haushalte habe ich etwa so viel Ahnung wie von Schwarzer Magie.

Wir alle sind hier Amateure und schreiben nach bestem Wissen und Gewissen – und manchmal einfach nur so aus Blödsinn. Das erlauben wir uns, und das sollten wir daher auch unseren Kommentierern zugestehen. Auch wenn wir uns über die Menge der Kommentare beschweren würden, dann würden wir mit Steinen aus dem Glashaus werfen. Schließlich spammen wir bei unseren Live-Blogs die Mailboxen unserer Abonenten gerne mal mit 20 und mehr Nachrichten voll. Und ich war bisher immer positiv überrascht, dass uns deswegen niemand das Abo gekündigt hat.

Gerade habe ich mir unsere Blogstatistik angesehen: fast 300 Zugriffe heute, aber seit Deiner Veröffentlichung kein einziger Leser-Kommentar. Vielleicht sehe ich ja Gespenster, aber für mich fühlt sich das wie eisiges Schweigen an. Mist!

Ironie des Schicksals: Gerade heute wollte ich in einem Blogbeitrag den Rheinpfalz-Artikel aufgreifen, der die Stimmung in der FWG nach dem „FWG im Gespräch“ analysiert. Danach sind nicht nur wir, sondern auch viele FWG-Mitglieder unzufrieden mit dem aggressiven Ton und dem wenig konstruktiven Inhalt des Blattes. Gegenüber der Rheinpfalz hat sich sogar Nicola Räch, die FWG-Vorsitzende im Stadtrat, von dem Heft distanziert. Das fände ich sehr bedenklich, wollte ich bloggen, wenn die Agitation unter Federführung von Boris Morell gerade die Kräfte aus der FWG treibt, die konstruktiv arbeiten und wirklich am Wohl der Stadt interessiert sind.

Ja, und jetzt habe ich mich gerade von einigen Aussagen meines Mitbloggers Frank distanziert.  Geht es also bei uns gerade zu wie in der FWG? Nein, da sehe ich doch eine ganze Reihe von Unterschieden: Erstens würde ich Frank, selbst wenn er in Rage ist, nicht mit der destruktiven Kraft eines Boris Morell vergleichen. Zweitens ist bei uns dreien im Wachtenblog die Meinungsvielfalt Programm, wir verstehen uns gerade deshalb so gut (und anders als Nicola Räch denkt keiner von uns darüber nach, aus dem Team auszusteigen). Drittens habe ich meine Reaktion mit Frank abgestimmt. Und viertens  machen wir unsere internen Meinungsverschiedenheiten aus eigenem Antrieb transparent. Darum laden auch weiterhin unsere Leser dazu ein, ihren Senf dazu zu geben. Also Feuer frei!

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