Der Auftakt des Wurstmarktes zeigte mir, warum dieses Fest so beliebt ist. Unser erster Besuch, mit Kindern, begann am Samstag gegen 16.00 und endete gegen 21.30. Nach der ersten Abarbeitung einiger Rituale, ich hole mir immer diese fantastischen Brötchen mit Prager Schinken als Eröffnungsschmaus, einer ersten Schorle am Schubkärchler Stand am Riesenrad, weil man ja dort auf seine Kumpels wartet, und einer kommt zum Glück immer zu spät, so bleibt genügend Zeit für die Schorle, sind wir also mit den Kindern losgezogen, um mal zu schauen, was die Fahrgeschäfte so hergeben.

Als Papa muss ich natürlich am ersten Tag immer auf die Bremse treten, da ansonsten das Budget für den gesamten Markt, welches eh immer zu schmal bemessen ist, innerhalb einer Stunde aufgebraucht wäre. Die Diskussionen mit den lieben Kleinen dürften allen Eltern hinlänglich bekannt sein. Dann kamen wir aber an einen Stand, der für den weiteren Verlauf des Abends sehr wichtig war.

Dieser Spielestand, an dem ein überaus sympathischer Holländer bediente, bietet ein Spiel, dessen Ziel es ist, Kugeln in ein Löcherfeld so hineinzurollen, daß gewisse Muster erzielt werden, für die es Punkte gibt. Im Prinzip drei, oder vier oder fünf in einer Reihe, also das TicTacToe-Prinzip. Meine Kinder spielten das sehr erfolgreich, so konnten Sie einige Preise aussuchen. Hier kommt nun wieder der sympathische Holländer ins Spiel, der bei der Preisauswahl die Kinder so lenkte, daß sie sich Elektroschock-Gimmicks herausssuchten. Kugelschreiber, Laserpointer, Autoschlüssel etc., die bei Berührung dem Berührenden einen elektrischen Schlag versetzen. Meine Kinder, zehn und dreizehn Jahre alt, fanden dieses durchaus attraktiv, und der nette Holländer sah wahrscheinlich eine Gelegenheit, sich an der größten Fussballnation der Welt zu rächen.

Mit diesen Schockern und den Kindern, die schon den gesamten Weg wahllos Schocks verteilten, liefen wir beim Schubkärchler der „Vier Jahreszeiten“ ein und bekamen, trotz insgesamt 6 Kindern im Schlepptau einen Tisch, bzw. konnten uns um zwei hintereinander gelagerte Tische lagern.

Erst dachten wir, wir seien auf dem Oktoberfest gelandet.

Dirndln und Lederhosen wohin man schaute. Eine Gruppe von ca. 40 Leuten im ganzen Zelt verteilt, einige schon im Zustand des fortgeschrittenen Wahnsinns, aber alle nett und freundlich. Unsere direkten Tischnachbarn waren drei junge Leute, und ein Mann so um die 55 bis 60 Jahre alt. Wir kamen mit Ihnen ins Gespräch und erfuhren Interessantes.

Die Gruppe der „Bergadelzzhausner Hitt’n“, wohl so eine Art Heimatverein, fährt seit 40(!) Jahren mit seinen Mitgliedern, aus allen erwachsenen Altersklassen, jedes Jahr auf unseren Wurstmarkt. Sie starten am ersten Samstag um 11.00 in Bergadelzhausen, schlagen in Bad Dürkheim auf, irgendwann auf dem Dürkheimer Boden, und fahren, ohne Hotelbuchung Sonntags um 12.00 mittags zurück. Permanent mit einem Schorle in der Hand, ohne zu schlafen. Wie ausgereift dieses Sytem ist, erkennt man an der Organisation der Abfahrt. Treffpunkt ist der grosse Parkplatz Richtung Leistadt, am Kreisel hoch. Wer es nicht bis hoch zum Parkplatz schaffen kann, verschafft sich durch die Lage am Kreisel den Vorteil, dass der Bus nach Abfahrt entgegenkommt, und man eventuell noch wahrgenommen wird. Denn diese Männer und Frauen haben eine Eiserne Regel, die besagt, dass der Busss um PUNKT 12 losfährt, wer nicht da ist, hat Pech, und muss mit dem Zug fahren.

Die Leute sind echt nett, zudem einhellige Meinung war, dass der große Bruder, das Oktoberfest, null mit unserem WUMA mithalten kann, da man viel mehr Auswahl an Getränken hat, und aufgepasst, die Leute seien viel netter und offener! Das ist doch mal ein Kompliment an die ehemalige bayerische Kolonie!

Ach, und unser Nachbar war Starkstromelektriker!

Als nämlich meine Tochter und ihre Freundin Ihn „schocken“ wollte, zuckte er nicht mit einer Wimper. Da sagte meine Freundin, er sei bestimmt Starkstromelektriker. Daraufhin brach er fast vor Lachen zusammen und tatsächlich, war er genau dieses von Beruf.

Und wir gingen beschwingt nach Hause, mit der Erkenntnis, dass die Bayern ein echt liebenswertes Völkchen sind, und die Bayern genau dies auch von uns Pfälzern denken. Alte Brüder eben…

Bis dann,

Euer Frank Mehlmer

Advertisements