Oktober 2010


Beim Rheinpfalz-Lesen heute morgen erinnerte ich mich an einen Spruch, der in meinem Poesiealbum stand:

„Sag nicht immer, heute will
dieses oder das ich tun.
Schweige doch bis morgen still,
sage dann, das tat ich nun.“

Still schien es die vergangenen Monate manchmal um den Wachenheimer Bürgermeister Torsten Bechtel. Stiller jedenfalls, als ich es mir nach seinem auf Wandel und Dialog ausgerichteten Wahlkampf erhofft hatte. Seit heute wissen wir, dass Wandel und Dialog hinter den Kulissen stattfanden: Laut Rheinpfalz hat Bechtel seit einem halben Jahr Gespräche mit Gutsbesitzerin Bettina Bürklin-von Guradze geführt. Wie beide gestern in einem Pressegespräch bekannt gegeben haben, führten diese Verhandlungen zu drei tollen Neuigkeiten für Wachenheim.

Zum einen gibt es eine sehr erfreuliche Entwicklung beim Pfortenstück, zum anderen eröffnet eine räumliche Neuorientierung des Weinguts zwei ungeahnte Chancen für die Stadt. Da uns das Pfortenstück seit Jahren am Herzen liegt, fange ich mal damit an: Die umstrittenen Pläne, in unmittelbarer Nähe der historischen Stadtmauer einen Supermarkt und Mehrfamilienhäuser zu bauen, waren ja im Frühjahr endgültig gescheitert. Jetzt setzt Bettina Bürklin-von Guradze einen Vorschlag um, den schon vor Jahren Wachenheimer Liste und SPD im Stadtrat befürwortet hatten: Sie hat für das Pfortenstück einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben.

Architektur-Studenten der Technischen Universität Kaiserslautern (die schon damals im Gespräch war) kommen nächste Woche nach Wachenheim und sollen danach verschiedene Vorschläge erarbeiten. Die sollen dann von Anfang an mit den übergeordneten Behörden und der Öffentlichkeit diskutiert werden.

An dieser Vorgehensweise gefallen mir mehrere Aspekte: Die Stadtplanung wird nicht einem Wirtschaftsunternehmen mit Eigeninteressen überlassen (so wie beim ersten Bebauungsversuch der Hasslocher Firma Müller), sondern neutralen Fachleuten, die sich Gedanken im Interesse der Stadt Wachenheim machen werden. Dazu gab es im Kulturteil der Rheinpfalz übrigens neulich einen spannenden Artikel von Markus Clauer (der anlässlich der Rhein-Galerie-Eröffnung fragte, ob Einkaufcenter-Betreiber wie ECE für die wichtigsten städtebaulichen Akzente verantwortlich sein sollten). Ich bin jetzt schon gespannt auf die Vorschläge der Kaiserlauterer Studenten.

Noch besser gefällt mir, dass Bürgern und übergeordnete Behörden in den Entscheidungsprozess einbezogen werden sollen. Wir Wachtenblogger werden uns natürlich an der Diskussion beteiligen. Das ist genau die Transparenz und Bürgerbeteiligung, die ich mir von Torsten Bechtel erhofft hatte! Und das passt auch viel besser zu der großartigen Tradition von Bürklin-Wolf in Wachenheim. Ich hatte mich schon immer gewundert, warum das Weingut, das der Stadt Wachenheim u. a. das Bürgerspital und eine Kirchenglocke geschenkt hat, die Planungen am Pfortenstück gegen den Willen der Bürgermehrheit umsetzen wollte.

Es ist vielleicht aufgefallen, dass wir bei unserer Kritik am geplanten Supermarkt vor allem Altbürgermeister Arnold Nagel und das Hasslocher Bauunternehmen Müller angegangen sind. Bei Bürklin-Wolf passt das Handeln jetzt wieder zu meinem Bild von dem Unternehmen.

Jetzt werde ich nicht mehr darüber nachdenken, ob ich in die Vinothek des Weinguts gehe – egal ob am alten oder neuen Standort. Hier kommt jetzt nämlich die zweite große Neuigkeit: Das Weingut Bürklin-Wolf wird das, was sich in den vergangenen Jahrzehnten beim Wein getan hat – mehr Qualität, weniger Quantität – auch in seinem Immobilienbesitz nachvollziehen. Der frühere Kolbsche Hof an der Weinstraße 65 (derzeit Sitz von Kelterhaus und Vinothek) und ein Grundstück in der Ringstraße sollen verkauft werden. Der Stammsitz des Weinguts am südlichen Ortsausgang soll dafür unter anderem ein neues Kelterhaus und eine Vinothek erhalten.

Für Wachenheim eröffnet das sehr interessante Möglichkeiten: Das Grundstück an der Ringstraße grenzt direkt an die sanierungsbedürftige Stadthalle und das ehemalige Postgebäude – beide in städtischem Besitz. Gegenüber der Rheinpfalz sagte Bürgermeister Bechtel: „Das ist eine einmalige Gelegenheit, den gesamten Komplex entwickeln zu lassen.“ Etwas geheimnisvoll spricht er von „Infrastruktur“, die da geschaffen werden soll. Eigentlich könnten sich die Kaiserlauterer Architektur-Studenten nach dem Pfortenstück gleich diese Liegenschaften vornehmen. Leicht pikant finde ich übrigens, dass Boris Morell, FWG-Vorsitzender und wortreicher Widersacher des Bürgermeisters, mit seiner Firma Mieter im Postgebäude ist.

Spannend könnte es auch im Kolbschen Hof werden. Dieses Ensemble bietet sich doch für ein exklusives Hotel oder ein Seminarzentrum mit besonderer Atmosphäre an. Das könnte Wachenheim noch stärker aufwerten als die von Bechtel als weitere Alternative genannte hochwertige Wohnbebauung.

Es wird spannend die kommenden Jahre in Wachenheim! Ich hoffe sehr, dass der Coup von Torsten Bechtel auch ein Weckruf für die anderen politischen Protagonisten in der Stadt ist. Ergebnisoffene Herangehensweise, Dialog, Transparenz und Beteiligung aller Interessengruppen sollten Schule machen in Wachenheim!

Gelobt sei Allah, denn Allah ist groß und Mohammed ist sein Prophet!

Mein Name ist Achmed. 27 Jahre alt. Ich bin Moslem und bin in Deutschland geboren. Aber eigentlich bin ich gar kein Deutscher. Ich bin Türke.  Das habe ich gemerkt, als ich vor zwei Jahren das erstemal in meinem Vaterland war. Ich komme aus Erzurum, einer Stadt in Ostanatolien. In Deutschland bin ich nur geboren.

Als ich klein war, wohnten wir in Ludwigshafen. Mein Vater hat Schicht gearbeitet in der BASF. Im Farbenbau. Knochenjob. Wir wohnten dann in einer Werkswohnung der BASF, dort wo auch die anderen Türken wohnten. Das war fast wie so Klein-Erzurum. Wir haben alle nur unsere Vatersprache gesprochen. Mein Vater sagte mir immer, dass wir bald in unsere Heimat zurückgehen. Wir sind gekommen, hat mein Vater immer gesagt, weil man uns gebraucht hat. Und man viel Geld verdienen kann. Es gab so viel Arbeit in Deutschland. Die Deutschen haben mich immer nur belächelt und haben Witze über mich gemacht. Türkische Taschenmarke? ALDI. Heute gehen alle zu ALDI. ALDI ist Kult geworden. ALDI ist durch uns mit groß geworden, sagt man. Aber heute brauchen wir kein ALDI mehr. Wir haben heute unsere türkischen Lebensmittelgeschäfte, wir müssen nicht mehr bei den Ungläubigen einkaufen. Mein Vater hat auch so ein Geschäft.

In der Schule war es ganz schön schwer. Ich habe die Sprache nicht richtig gesprochen und kam nicht mit. Die anderen aus Klein-Erzurum kamen auch nicht mit. Unsere Klasse hatte 30 Schüler, davon 20 Türken. Das war echt cool, da wir voll die Mehrheit hatten. Der Schulhof war fest in unserer Hand. Gestört haben eigentlich nur die Deutschen, da diese die Werte, die Allah den Menschen gegeben hat, nicht kannten und immer noch nicht kennen. Das war auch der Grund warum mir mein Vater verbot, mit diesen Ungläubigen Umgang zu haben.

Es war aber richtig voll cool, die blonden Frauen, die wie Huren rumlaufen, anzumachen. Oder den Jungs eins in die Fresse zu geben. Das war so meine Art, denen zu zeigen, wer an den wahren Gott glaubt und wie minderwertig deren Glauben ist. Wenn meine Schwester nur mit einem redete, gab es Ärger. Haram, Sünde, sagte dann mein Vater immer. Das hat sich dann dadurch gelöst, dass sie als Sie eine Frau war, so wie der Koran sagt, eine Burka, Schleier und Kopftuch getragen hat.

Nach der Schule war es voll schwer einen Job zu finden, wegen des Zeugnisses und so. Aber ich war ja nicht dumm, deshalb habe ich so meine eigenen Geschäfte gemacht, alles nur mit meinen Moslembrüdern. Die Ungläubigen verstehen doch gar nichts davon. Dummerweise war etwas wohl nicht ganz richtig, deshalb bin ich den Knast gegangen. War krass. Aber dort habe ich mich verändert. Als ich rauskam, kein Geld nix, hat mich ein Geistlicher angesprochen, nein kein Pfarrer, ein Imam, so einer mit dem grünen Turban, der voll Ahnung von Allah und Mohammed hat. Der hat mir gesagt, wie mein Vater, dass wir unsere Religion schützen müssen, dass es schlecht ist sich anzupassen, da wir ansonsten unsere Heimat, unsere Familie und unseren Gott und unsere Werte verraten. Das ist nicht gut.

Deswegen arbeite ich jetzt bei meinen Baba im Lebensmittelhandel, in dem wir Halal-Lebensmittel verkaufen und nebenbei, wollte ich noch eine Dönerbude aufmachen, in Wachenheim. Aber da haben sich auch alle quergestellt, die Wachenheimer. Ich versteh gar nicht warum. Das wär echt ein guter Platz gewesen, mitten im Ort, gegenüber von der Kirche, da hätten wir mal so richtig einen auf Moslem gemacht. Jetzt ist ein Steuerberater drin, vor einer Kirche, da siehst du wie die drauf sind, deswegen hat doch der Prophet Jesus die Leute aus dem Tempel getrieben, steht sogar im Koran, glaub ich.

Das sind die Gründe weshalb ich alles tun werde, um unsere Heimat, unsere Familie, unseren Gott und unsere Werte zu schützen. Die haben keinen Respekt vor unseren Werten. Auch hier in Deutschland, in diesem wertelosen Land.

Denn Allah ist der einzige wahre und große Gott und Mohammed ist sein Prophet.

لا اله الا الله محمد رسول الله

 

Ach hallo Hilde.

Dich habe ich ja schon lange nicht mehr gesehen. Wie geht es denn so?

Bei mir? Ach du liebes Bisschen. Ich bin total im Stress. Was ich alles so an der Backe habe, das ist schon ganz schlimm. Ich weiss gar nicht, wie ich das alles bewältigen soll. Schau mal Montags morgens habe ich das Frühstück mit den Mädels, das machen wir einmal die Woche, so um das Wochenende zu verlängern und die Woche nicht zu lang werden zu lassen, so mit Champagner und Crêpes. Mein Mann?

Ach der ist doch zur Zeit nur unterwegs. Seit die so eine chinesische Chemiebude gekauft haben, ist der nur noch in Hongkong, Shanghei und was weiss ich wo. Die Kinder hab ich, die kennen den Vater gar nicht mehr, und wenn er nach Hause kommt ist er völlig fertig und gereizt. Aber das ist ja ein anderes Thema.

Also nach dem Frühstück muss ich ja schon wieder Mittagessen für die Kinder vorbereiten. Das ganze Geschirr und der Dreck, das macht mich wirklich fertig, und ich hab doch um 14.00 Uhr Tennistraining bis um 16.00 Uhr. Dann komm ich nach Hause, bin kaputt, Das Geschirr steht immer noch da. Wie meine Kinder?

Meine Racker können ja auch nicht so helfen. Was die alles haben, Geige, Querflöte, Gitarre, Sport.Die ganzen Hausaufgaben. Nee, das möchte denen nicht auch noch zumuten.

Ich dann im Förderverein des Altenheims, Tennisverein Vorstand und Rotary Club. Ich komm zu nix.

Wie? Ob ich eine Putzfrau habe? Ich hatte eine aus Polen, die war ganz o.k. Hat ein bisschen gerochen, so immer nach Schweiss, aber die war nett. Aber weisst du was? Die wollte 10 Euro, 10 EURO die Stunde! Und so richtig sauber war die auch nicht, immer flog irgendwo noch Staub rum. Ab und an ging auch mal was kaputt, wie ein Sektglas, das wollte ich Ihr dann von der Rechnung abziehen, und was meinst du, war die dann frech. Dann hab ich Ihr gesagt, dass sie gar nicht mehr zu kommen braucht. Ich hab den Eindruck, den Polen geht es mittlerweile einfach zu gut. Die brauchen das nicht mehr so, klar bei 10 Euro die Stunde. Die Preise für eine EINFACHE Putze sind völlig verdorben.

Ach du hast eine Neue? Aus der Ukraine. Wie sind die denn so? Ne richtige Perle!! Sag bloß!! Voll engagiert und das für ACHT Euro die Stunde. Riecht die auch so, weisst du ich glaub das kommt vom Essen. Die essen ja immer so komisches Zeug, ich war mal in St.Petersburg, das ganze Kohlzeugs, pfui Teufel. Entschuldigung, ich wollte Dich nicht unterbrechen.

So die riecht nicht. Was sie hat keine Zähne? Beim Bauern einen Unfall gehabt, wer zahlt das denn? Wir wieder, mit unserem Geld, wo das noch hinführt. Spricht sie deutsch, du weisst, wegen der Kinder?

Ja! Das ist ja super. Schick sie doch morgen mal vorbei. Wie keine Zeit?

Die schafft in 10 Haushalten, in einer Kneipe und im Wingert, och die Arme. Die kann doch aber auch am Sonntag kommen, so nach dem Frühstück, gerade für zwei Stunden und dann am Montag abend, so ab acht, ich bin da eh nicht da. Da bin ich bei Paul.

Paul? Ach das ist nur ein Freund. Wir reiten zusammen, ein-, zweimal die Woche. Der ist Reitlehrer. Ein Netter! Was??!!  Ach du, Schweinchen, hör doch auf, ich doch nicht. Ich werd ja ganz rot. Komm da reden wir ein andermal drüber.

Wie heisst die Putze? Ludmilla. Bad Dürkheim? Gib Ihr doch mal meine Telefonnummer. Die soll sich bei mir melden.

Also ich muss weiter, und Danke für die Hilfe. Grüss die Kinder und Toni von mir!! Indien? Zwei Wochen? Der Arme.  Aber du hast ja schon Unterstützung.  Also Tschüüs!!

Bin ich Ludmilla. Komm ich aus Ukraine.

Hab ich meine Mann und meine Kind in Ukraine. Bin ich gekommen nach Deutschland um zu finden Arbeit. Bin ich schon voll beschäftigt. Hab ich gute Patron in Wachenheim. Hat Patron Restorant. Arbeite ich jeden Tag. Komm ich gegen 5 Uhr an die Abend.  Arbeite ich bis gegen 2 Uhr in die Nacht. Hab ich Job für 400 Euro. Arbeite ich auch jeden Tag für meine Patron. Auch die Samstag und die Sonntag. Weil ich aber eine gute Job nicht habe genug, arbeite ich noch in Weinberg. Patron nix so gut zahle. Krigg ich nur 4 Euro Stunde. Arbeit ist hart jetzt. Kalt. Aber ich arbeite morgens in Weinberg. Dann ich noch habe viel Zeit. Deswege putze isch. Patron hat mir gegebe Adresse von gute Familien. Dort putze isch Haus. Bekomme isch 8 Euro Stunde. Ist gut. Bekomm isch Kaffee. Ist warm nach Feld. Komm isch nach Hause. Schlafe ich. Dann isch gehe zu Patron.

Hab isch kaputt meine Zähne. Isch nix versichert. Zähne teuer. Isch deswege arbeiten in Deutschland. Isch verdiene viel Geld. Habe isch keine Zeit, für machen Zähne in Ukraine. Dauert zu lange, isch arbeiten muss Deutschland. Wegen Zähne. Isch machen lasse Zähne in Deutschland. Ist noch mehr teuer. Aber isch gefunden habe Doktor. Mache meine Zähne. Kann isch bezahle, in Teile. Drei vier Teile. Deswegen isch muss mehr lange arbeiten in Deutschland. Wegen Rechnung von Doktor. Wegen Zähne.

Habe isch gefunden Arbeit bei Familien weil Frauen von Deutschland nicht wollen putzen. Die haben auch Kinder doch. Aber da bezahlen Regierung.  Isch putze bei Frau, wo nix arbeite tut, krigge Haarz vier, hat zwei Kinder, aber keine Zeit für Kinder und keine Mann. Arme Frau. Arme Kinder. Hat mir erklärt wie mache soll dass Regierung von Deutschland zahle tut. Isch nix verstande weil isch will schaffen.

Jetzt getroffe eine Mann auf der Strasse. Hate gesagt, isch muss lerne deutsche Sprach. Isch nix integriert. Isch gezeigt mit schreibe das isch kenne Deutsch. Nix genug. Hat gesagt isch nach Hause gehen soll, isch faules Pack unnd asozial. Weil isch lebe von seine Geld und nix integriert. Gesagt isch schaffe. Isch angemeldet. Nix Arbeit schwarz.  Mein Kind handle mit Droge, ich gesagt nix Kind, Kind in Ukraine. Er gesagt irgendwann komme Kind, und dann böse. Er am liebschte schicke neie Adolf!

Ich dann gesehe habbe Bild von Mann. Bei Frau wo hat Hartz IV und Kinder zwei. Hab isch gefragt wer ist. Hat gesagt Vadder von Kinder. Nix arbeiten will. Nix zahle Alimente. Kriggt aber Geld von Regierung. Hat gesagt ist Scheisskerl.

Isch kann verstehe. Irgendwie.

Vor einiger Zeit konnten wir uns beim Blick auf die Zugriffszahlen unseren kleinen Blogs der leisen Hoffnung hingeben, dass wir im Winter 25.000 Hits (Das ist mehr als Ralf Siegel jemals hatte) für das laufende Jahr überschreiten würden.  Und tatsächlich, während heute nachmittag ein Graupelschauer alle Gedanken daran vertrieb, vor die Tür zu gehen, hat der Wachtenblog die Marke überschritten.

Eigentlich hatten wir für den Abend des Erreichens von 25.000 Zugriffen innerhalb des Jahres ein weiteres Live-Bloggen angedacht. Dazu fehlt uns aber gerade die Zeit. Wir haben aber vor, uns mal wieder den Abend mit Tippen und Schlucken um die Ohren zu schlagen. Beim letzten mal, dem Flugblattanalytikabend, hat sich ja gezeigt, dass zu viele Themen leicht dazu führen können, dass man den Faden verliert. Daher wollen wir beim nächsten Live-Abend an einem Thema dran bleiben.

Dazu ein Aufruf an die Wachtenblog-Leser: Schlagt uns bitte Themen vor. Wachenheimbezug wäre schön,  nicht unbedingt nötig, eigentlich aber unausweislich, da wir ja als Wachenheimer diskutieren. Mein erster Vorschlag wäre das bisweilen bizarre Thema der Integration.

Vor Allem aber: Vielen Dank für das Interesse. Wir sind freudig überrascht.

Meine Tochter hatte Geburtstag. Als wir so am Kaffetisch saßen mit Freunden, u.a. ein Engländer, und Familie, kam das Gespräch natürlich auch auf das momentan die Medien beherrschende Thema. Integration. Ausländer.

Das brachte mich zum Nachdenken.

Meine Tochter ist blond. Und meine Tochter ist halbe Ausländerin. Ich bin halber Ausländer. Die Mutter meiner Tochter war Argentinierin. Die Eltern meiner verstorbenen Frau sind Argentinier, aber auch Deutsche. Deren Eltern waren Deutsche und Litauer. Meine Mutter war Österreicherin und ist durch Heirat Deutsche geworden. Die Eltern meines Grossvaters waren Tschechen, könnten aber auch Österreicher, oder Deutsche gewesen sein, kommt auf den Blickwinkel an. In meinem Stammbaum sind Franzosen, Portugiesen. Bei den Portugiesen ist es wahrscheinlich, dass Araber mitgemischt haben. Mein Urururururururururururururururururururururururururururgrossvater hieß Noah. Mein Urururururururururururururururururururururururururururururururururururururururururururururugroßvater hieß Abraham. Noah hatte drei Söhne. Sem, Ham, Japhet. Japhet ist mein direkter Verwandter. Die letzten kamen alle aus dem Nahen Osten. Sogar mein Gott kommt aus der Gegend. Das war ein Sem-ite. Der Prophet des Gottes aus der Gegend kommt auch aus der Gegend. Mohammed. Das war ein Ham-ite. Ich soll ein Japhet-ite sein. Gottes Sohn war ein Jude. Sein Vater ist noch einer. Der letzte der Propheten war eigentlich ein Christ oder Jude. Er wurde dann zum Moslem. Hitler war Österreicher. Hitler war Deutscher. Hitler war Christ. Goebbels war Deutscher. Merkel ist Deutsche. Seehofer ist Bayer. Sarrazin ist Deutscher. Heisst aber Araber. Obama ist ein Neger. Martin Luther King war einer. Özdemir ist ein Türke. Özdemir ist ein Deutscher. Özil ist ein Türke. Özil ist Deutscher. Sarkozy ist Ungar. Sarkozy ist Franzose. Rösler sieht chinesisch aus. Schavan ist ein polnischer Name. Pofalla klingt ausländisch. De Maizière eindeutig französisch. Klose heisst mit Vornamen Miroslav. Podolski ist Pole. Podolski ist Deutscher. Marin ist Bosnier. Marin ist Deutscher. Boateng ist Deutscher. Aber Neger. Cacau ist Deutscher. Aber Neger. Khedira ist Argentinier. Khedira ist Deutscher. Gomez ist Chilene. Gomez ist Deutscher.

Aber halt!
Multi-Kulti ist tot.

Sagt Merkel, die Deutsche.

Erinnern Sie sich noch an den TV-Werbespot mit Herrn Angelo? Für die Vergesslichen und die ganz Jungen unter unseren Lesern: Der sympathische Italiener bekommt Besuch von einer sichtlich genervten Blondine. Die beschwert sich darüber, dass sein Auto auf ihrem Parkplatz steht. Charmant plappernd brüht er ihr einen – aus heutiger Sicht wahrscheinlich ungenießbaren – Tüten-Cappuchino auf, beide flirten ein wenig, und dann sagt Herr Angelo den zum Bonmot gewordenen Satz: „Ich habe gar kein Auto, Signorina.“

Beschwert habe ich mich neulich auch: Dass die Stadt die Chance verpasst hat, am 10.10.2010 standesamtliche Trauungen anzubieten. Und jetzt hat zwar nicht der Herr Angelo mir, aber der Herr Bechtel meinem Mann erklärt, dass die Stadt weder an diesem noch an einem anderen Tag Heiratswillige unter die Haube bringen kann. Das Standesamt gehört gar nicht zur Stadt.

Ins Hohheitsgebiet des Wachenheimer Stadtbürgermeisters fallen lediglich der Bauhof, die Kindertagesstätte, der Jugendtreff, das Schwimmbad und die Stadtwerke. Alles andere untersteht der Verbandsgemeinde und damit dem Verbandsgemeinde-Bürgermeister Udo Kittelberger: Standesamt, Einwohnermeldeamt, Ordnungsamt, Fundamt, Bußgeldstelle, Volkshochschule, Musikschule. Torsten Bechtel könnte also sagen: „Wir haben gar keine Stadtverwaltung, Signora!“

Vielleicht bin ich ja die einzige Wachenheimerin, der das nicht klar war. Könnte an meiner Vorgeschichte als Stadtkind liegen. Schließlich bin ich in Hamburg geboren, wo die Stadtverwaltung unter den Begriffspaar „Stadt & Staat“ firmiert. So war ich davon ausgegangen, dass die Stadt Wachenheim nicht nur über ein legislatives Organ (Stadtrat) verfügt, sondern auch auf legislativer Ebene eigene Vollzugsorgane hat.

Das wäre natürlich sehr teuer, denn eine Verwaltung für die anderen Orte der Verbandsgemeinde bräuchte es trotzdem. Und es ist ja auch völlig wurscht, ob ich zum Beispiel meinen neuen Personalausweis bei einer Stadt- oder einer Verbandsgemeindeverwaltung beantrage.

Dumm ist nur, wenn der Stadtbürgermeister etwas anderes möchte, als die Verbandsgemeinde umsetzt. Vielleicht hätte Torsten Bechtel es den anfragenden Brautpaaren ja gerne ermöglicht, am Schnapszahl-Sonntag in Wachenheim zu heiraten. Und vielleicht hätte er das sogar durchsetzen können. Ich will jetzt nicht vorschlagen, dass der Bademeister, eine Pusteblumen-Erzieherin oder jemand vom Bauhof in die Rolle der Standesbeamtin schlüpft.

Schauen wir doch einfach mal auf die Webseite der Verbandsgemeinde Wachenheim. Da steht unter „Aufgaben der Verbandsgemeinde„:

Nach § 68 der Gemeindeordnung führt die Verbandsgemeindeverwaltung die Verwaltungsgeschäfte der Ortsgemeinden in deren Namen und in deren Auftrag. Sie ist dabei an die Beschlüsse der Ortsgemeinderäte und an Entscheidungen des Ortsbürgermeisters gebunden. Zu den Verwaltungsgeschäften zählen auch die Verwaltung der gemeindlichen Abgaben, […]
– Führung der Verwaltungsgeschäfte der Ortsgemeinden.
– Aufgaben der örtlichen Ordnungsbehörde.
– Standesamt, […]

Habe ich das jetzt falsch verstanden, oder könnte Torsten Bechtel als Stadtbürgermeister anordnen, dass die verbandsgemeindliche Standesbeamtin am 10.10.2010 zumindest Wachenheimer Brautpaare traut? Dann hätte er zwar immer noch kein Auto, könnte sich aber ein Taxi bestellen.

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