Eine Geschichte über ein Wachenheimer Kind, schwere Krankheit und ein krankes System.

Da ist Paul*(Namen geändert). Paul ist zwölf Jahre alt, und Paul muss bald am Bein operiert werden. Eine Zyste hat den Knochen aufgelöst, am Oberschenkelhals. Der restliche Knochen ist dünn und kann jederzeit brechen. Paul geht seit drei Wochen an Krücken um das Bein zu entlasten, bis in aller Bälde der OP-Termin ist. Die OP ist nicht einfach, da wird erstmal die Zyste entfernt, dann wird woanders im Körper Knochenmaterial entnommen und in den Oberschenkel eingesetzt. Paul wird mindestens zwei bis vier Wochen im Krankenhaus sein. Paul wird ca. 9 Monate kein Sport machen können. Das weiss Paul alles und das macht Paul ein bisschen nervös.

Pauls Mutter möchte ihren Filius gerne unterstützen und beruhigen, indem Sie die ersten Tage bei Ihm in der Klinik bleibt. Als Alleinerziehende hat Sie da ja eigentlich einen gesetzlichen Anspruch, Ihr Kind betreuen zu können. Und bekommt für diesen Fall eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. So, als sei sie selbst krank. Natürlich im angemessenen Rahmen. Pauls Mutter ist da sehr sehr anständig, es geht ja lediglich um die Zeit unmittelbar nach der OP. So drei Tage. Dann würde Sie zwischen Wachenheim und der alten Universitätsstadt am Neckar pendeln, Sie hat ja noch mehr Kinder und einen Job.
Aber Sie braucht das nicht, Paul braucht das nicht. Weil Paul ist schon groß. Paul ist ja zwölf. Deswegen braucht er diese Betreuung nicht mehr.

Er hat ja keinen Druck.

Sagt die Krankenkasse, die liebe, die von der grossen Fabrik in Ludwigshafen.

Das geht nur, wenn Paul psychischen Druck hat, der von der Klinik, in der die OP stattfindet, attestiert wird. Kann man natürlich erst ein paar Tage nach der OP attestieren. Gut so für die Krankenkasse der grossen Fabrik. Gut so für den Arbeitgeber. Schlecht für Paul. Ach ja, bei der kleinen Diskussion, wurde Pauls Mutter noch darauf hingewiesen, dass in anderen europäischen Ländern noch viel weniger geleistet wird. Als Trost sozusagen. Ich habe gehört, in Afrika sterben viele Kinder, weil es kein Gesundheitssystem gibt. Auch ein Trost.

Die nette Frau vom Telefon geht dann aber, weil Sie vom Telefonieren mit Pauls Mutter so gestresst ist und von Ihrem Kind und von Ihrem Mann so genervt ist, in eine Mutter-Kind-Kur. Sie muss ja wieder fit werden, damit sie so nett am Telefon sein kann. Da der Mann in der Kur-Zeit Zeit arbeiten muss, kommt eine liebe Dame, die ihm so ein bisschen im Haushalt hilft.

Das wird natürlich von der lieben Krankenkasse der großen Fabrik bezahlt. Ist ja auch wichtig für die Psyche des Kindes. Der Frau am Telefon.

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