Gestern abend hatten wir das Vergnügen etwas Besonderes erleben zu dürfen. Wir besuchten in der SAP-Arena das Auftaktkonzert der MMW(Marius Müller Westernhagen) Tour 2010. Ich, für meinen Teil, ging da mit relativ gemischten Erwartungen hin, da MMW das ehemalige Flaggschiff der deutschsprachigen Rockmusik, doch schon einige Jahre nichts mehr gerissen hat. Zudem sah ich zuvor im Internet, dass die Arena bei weitem nicht ausverkauft schien.

Als wir dann ankamen, ereilte mich schon der erste Schock! Sponsor der Tour ist SWR……..1. Hey, ich bin ein Ringrocker, siehe anderer Artikel, ich bin ein SWR3er. Mein Schatz meinte, ich solle froh sein, dass nicht SWR4 der Sponsor sei, prompt sahen wir ein Plakat der Flippers, und ich fühlte mich wieder wohler. Die seltsamen Gefühle liessen mich aber einen Grossteil des Abends nicht mehr los. Im Laufe meines mittelalten Lebens habe ich mehrere MMW Konzerte geniessen dürfen und hatte daher eine enorme Erwartungshaltung an MMW und das Publikum, das ja bei MMW noch mehr ein Teil der Show ist als bei anderen Bands. Dann der zweite Schock. Gefühlt waren wir beim jüngeren Viertel der Zuschauer, und wir hatten einen Sitzplatz. Ich sah mit grossen Augen meine Mitzuhörer und dachte, Scheisse sind die alt. Beim Blick in den Spiegel heute morgen erkannte ich dann die verzerrte Selbstwahrnehmung.

Die Halle füllte sich schleppend und ich glaubte schon, mein MMW spielt vor einer halbleeren Halle. Jedoch war die Halle dann doch zu ca. 3/4 gefüllt. Die Vorgruppe war eine junge Band aus Südafrika, Isochronos, oder so, ich habe den Namen nicht richtig verstanden, war so eine Stilmischung aus U2, Muse und was weiss ich was. Interessant, aber die Stimme des Sängers war doch ein wenig vorpubertär für die voluminöse Musik.

Also der Tisch war gerichtet. Ich erzählte Schätzelein an der Seite von der Wahsinnsstimmung auf MMW Konzerten, und wie die Zuschauer MARIUS skandieren, hm der dritte Schock. Relatives Schweigen und stilles Warten.

Vorhang auf, MMW und Band an. Wo war diese alte Magie? Könnte er es noch rüberbringen. Nach drei Liedern hatte ich die Erkenntnis.

Er konnte. Und wie. Eine Tolle Mischung aus alten und neuen Songs, mit einer richtig geilen Band und einer Hintergrundsvokalistin, die mit einer Stimme gesegnet ist, wie man sie selten zu hören bekommt. Sie durfte auch ein Lied alleine singen, und bei „Wieder hier“ war Ihre Einlage für uns Höhepunkt des Abend. Nun und dann kam Schock vier.

Irgendwas, trotz der tollen Stimmung fehlte immer noch. Das Gehüpfe im Innenraum, das Wogen der Massen. Der Keulenschlag kam, die, oder besser WIR, können gar nicht mehr hüpfen. Wir haben alle Arthrose, oder lädierte Bänder, wir sind älter geworden. Genau wie Marius. Der ist auch nicht mehr wie von der Tarantel gestochen über die Bühne. Manchmal meinte man sogar er habe Rücken…

Mit dieser Erkenntnis haben wir das Konzert angenommen und es wurde zudem was ich mir für uns erwartet habe.

Ein Stück Lebensgeschichte in zweieinhalb Stunden Musik gefasst.

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