Heute ist ein guter Tag zu Heiraten – wenn man Schnapszahlen mag oder Angst hat, das Hochzeitsdatum zu vergessen. Der 10.10.2010 führte in vielen deutschen Städten zu einem Run auf die Standesämter, die eine Ausnahme von der Sonntagsruhe machten: In Köln hatten sich 60 Paare zur Trauung angemeldet, in Kassel 30. Die 24 Termine, die München angeboten hatte, waren seit Anfang August vergeben. Auf der Liste der heute geöffneten Standesämter, die von den Ländern Berlin und Brandenburg ins Internet gestellt wurde, finde sich auch viele kleinere Orte.

Und Wachenheim? In der Rheinpfalz hat Kathrin Keller in einer klugen Notiz „Am Rande“ offen gelegt, dass auch bei unserer Stadtverwaltung Heiratswillige angefragt hatten. Leider hat man sie abgewiesen – wie übrigens auch in Freinsheim. Nun kann ich gut verstehen, dass sich die städtischen Beamten nicht nach Sonntagsarbeit sehnen. Ich bin auch nie begeistert, wenn es mich „erwischt“. Heute hätte es der Stadt jedoch gut angestanden, eine Ausnahme zu machen. Damit hätten wir uns sogar von der Pfälzer Hochzeits-Hochburg Freinsheim absetzen können. Schade, dass Wachenheim diese Chance verpasst hat!

Komisch, alle im Stadtrat vertretenen Parteien und Gruppierungen haben sich die Förderung des Tourismus‘ auf die Fahnen geschrieben. Man spricht von einem essentiellen Wirtschaftsfaktor (FWG), möchte den sanftem Tourismus voranbringen (Bürgermeister Torsten Bechtel, CDU), verspricht neue Ideen (FDP im Kreis Bad Dürkheim), möchte den Tagestourismus steigern (SPD) und die Altstadt mit ihren Geschäften und Gaststätten beleben (Wachenheimer Liste).

All das würde passieren, wenn Wachenheim attraktive Angebote für Brautpaare und ihre Hochzeitsgesellschaften machen würde. Die Gebühren für die Standesamtliche Trauung könnten die Stadt natürlich nicht aus ihrer finanziellen Misere retten. Wenn jedoch nach der Zeremonie in der Wachenheimer Gastronomie gefeiert wird, dann tut das den örtlichen Betrieben und damit auch dem Stadtsäckel gut. Und wer als Brautpaar oder Gast eine schöne Feier in Wachenheim erlebt hat, der kommt auch gerne wieder.

Genau an den maßgeschneiderten Angeboten für Hochzeiten mangelt es aber in Wachenheim. Das habe ich schon im April in dem Blogbeitrag „Mehr als die Burg – Heiraten in Wachenheim“ aufgegriffen. Ich habe damals auch viele Ideen für Hochzeitspakete vorgestellt – von der Altstadt-Hochzeit bis zur Winzerhochzeit. Und was wurde daraus?

Der Blogbeitrag liegt mit 437 Aufrufen auf Rang 2 unserer Artikel. Er wird nach wie vor häufig angeklickt. An den Suchbegriffen sehen wir, dass die Leser nicht zufällig kommen, sondern gezielt nach Angeboten zum Heiraten in der Pfalz suchen. Regelmäßig rufen sie dann auch die Links zu den Wachenheimer Gastronomie-Betrieben auf, die ich bei den einzelnen Hochzeitspaket-Ideen verlinkt habe. Es kann gut sein, dass die ein oder andere Hochzeitsgesellschaft so schon den Weg nach Wachenheim gefunden hat.

Wenn das alles ist, verkauft sich Wachenheim beim Thema Hochzeit aber immer noch weit unter Wert. Auf meinen Blogbeitrag kamen damals viele positive Reaktionen – bis hin zur Frage, warum ich so ein Konzept frei ins Netz stelle (gehört für mich zum „Geist des Web 2.0“). Nils Riebeling schlug sogar die Gründung einer Hochzeitsagentur vor, denn sonst werde es „wieder an der Umsetzung scheitern, da es wie vieles in Wachenheim ein sehr langwieriger Prozess ist“.

Im Moment sieht es so aus, als sollte Nils Recht behalten. Bei den Pauschal-Angeboten der Wachenheimer Tourist Information findet sich für 2011 viel Altbekanntes, aber kein Angebot zum Thema Hochzeit. Wie man so etwas professionell (und zugegebenermaßen in größerem Rahmen) macht, sieht man übrigens auf der Seite Berlinhochzeit.

Warum hat sich hier nichts in diese Richtung  bewegt? Warum verpasst Wachenheim seine Chancen – sei es die Umsetzung meiner Hochzeitsideen oder auch nur die Öffnung des Standesamts am 10.10.2010? Ist die Stadt trotz Finanzmisere noch zu satt, um die ausgetretenen Pfade zu verlassen?

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