Erinnern Sie sich noch an den TV-Werbespot mit Herrn Angelo? Für die Vergesslichen und die ganz Jungen unter unseren Lesern: Der sympathische Italiener bekommt Besuch von einer sichtlich genervten Blondine. Die beschwert sich darüber, dass sein Auto auf ihrem Parkplatz steht. Charmant plappernd brüht er ihr einen – aus heutiger Sicht wahrscheinlich ungenießbaren – Tüten-Cappuchino auf, beide flirten ein wenig, und dann sagt Herr Angelo den zum Bonmot gewordenen Satz: „Ich habe gar kein Auto, Signorina.“

Beschwert habe ich mich neulich auch: Dass die Stadt die Chance verpasst hat, am 10.10.2010 standesamtliche Trauungen anzubieten. Und jetzt hat zwar nicht der Herr Angelo mir, aber der Herr Bechtel meinem Mann erklärt, dass die Stadt weder an diesem noch an einem anderen Tag Heiratswillige unter die Haube bringen kann. Das Standesamt gehört gar nicht zur Stadt.

Ins Hohheitsgebiet des Wachenheimer Stadtbürgermeisters fallen lediglich der Bauhof, die Kindertagesstätte, der Jugendtreff, das Schwimmbad und die Stadtwerke. Alles andere untersteht der Verbandsgemeinde und damit dem Verbandsgemeinde-Bürgermeister Udo Kittelberger: Standesamt, Einwohnermeldeamt, Ordnungsamt, Fundamt, Bußgeldstelle, Volkshochschule, Musikschule. Torsten Bechtel könnte also sagen: „Wir haben gar keine Stadtverwaltung, Signora!“

Vielleicht bin ich ja die einzige Wachenheimerin, der das nicht klar war. Könnte an meiner Vorgeschichte als Stadtkind liegen. Schließlich bin ich in Hamburg geboren, wo die Stadtverwaltung unter den Begriffspaar „Stadt & Staat“ firmiert. So war ich davon ausgegangen, dass die Stadt Wachenheim nicht nur über ein legislatives Organ (Stadtrat) verfügt, sondern auch auf legislativer Ebene eigene Vollzugsorgane hat.

Das wäre natürlich sehr teuer, denn eine Verwaltung für die anderen Orte der Verbandsgemeinde bräuchte es trotzdem. Und es ist ja auch völlig wurscht, ob ich zum Beispiel meinen neuen Personalausweis bei einer Stadt- oder einer Verbandsgemeindeverwaltung beantrage.

Dumm ist nur, wenn der Stadtbürgermeister etwas anderes möchte, als die Verbandsgemeinde umsetzt. Vielleicht hätte Torsten Bechtel es den anfragenden Brautpaaren ja gerne ermöglicht, am Schnapszahl-Sonntag in Wachenheim zu heiraten. Und vielleicht hätte er das sogar durchsetzen können. Ich will jetzt nicht vorschlagen, dass der Bademeister, eine Pusteblumen-Erzieherin oder jemand vom Bauhof in die Rolle der Standesbeamtin schlüpft.

Schauen wir doch einfach mal auf die Webseite der Verbandsgemeinde Wachenheim. Da steht unter „Aufgaben der Verbandsgemeinde„:

Nach § 68 der Gemeindeordnung führt die Verbandsgemeindeverwaltung die Verwaltungsgeschäfte der Ortsgemeinden in deren Namen und in deren Auftrag. Sie ist dabei an die Beschlüsse der Ortsgemeinderäte und an Entscheidungen des Ortsbürgermeisters gebunden. Zu den Verwaltungsgeschäften zählen auch die Verwaltung der gemeindlichen Abgaben, […]
– Führung der Verwaltungsgeschäfte der Ortsgemeinden.
– Aufgaben der örtlichen Ordnungsbehörde.
– Standesamt, […]

Habe ich das jetzt falsch verstanden, oder könnte Torsten Bechtel als Stadtbürgermeister anordnen, dass die verbandsgemeindliche Standesbeamtin am 10.10.2010 zumindest Wachenheimer Brautpaare traut? Dann hätte er zwar immer noch kein Auto, könnte sich aber ein Taxi bestellen.

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