März 2011


Nachdem wir Freizeitblogger in den Bereichen Informieren und Kommentierten in den vergangenen 21 Monaten reichlich tätig waren, wollen wir nun auch in einem Sektor wildern, der ansonsten eher Freizeitpolitikern vorbehalten ist: wir orakeln.

Wenn schon, denn schon, dachten wir uns, und haben Kosten, nicht jedoch Mühen gescheut, um unsere Prognosen zu erstellen. Zu den Methoden:

1. Die Kaffeesatzleserei. Sicher die einfachste aller Tätigkeiten, die jeder auch ohne jegliche mediale Begabung erlernen kann, ja sogar mit minimalen Qualifikationen in promptu beherrscht.  Hier der Beweis: Lesen Sie folgenden Satz: Dies ist ein Kaffeesatz. Tada – schon sind Sie ein Kaffeesatzleser.

2. Das Tintenfisch-Orakel. Wir haben uns in Oberhausen einen in Formalin eingelegten Tintenfisch mit Orakelvergangenheit besorgt, der mit einem Fisch vor allem die Gesprächigkeit gemein hatte, ansonsten mindermitteilsam war und in seiner Regungslosigkeit für das Spiel Deutschland – Australien ein torloses Unentschieden vorher gesagt hat. Damit war er zwar näher an der Realität als man hätte ahnen können, für unsere Zwecke haben wir das Tintenfisch-Orakel dann doch nicht bemüht.

3.  Das Kasperl-Orakel. Eine wie wir finden äußerst passende Form der Divination. Man steckt eine Hand in eine Kasperlpuppe (es muss nicht der Kasperl sein, es kann auch der Teufel oder das Krokodil oder der Sockenmann sein) und spricht mit verstellter Stimme.

Selbstredend spricht der Kasperl nicht von selbst. Ein mitteltiefe Trance, wie sie etwa der fastenzeitliche Verzicht auf Süßigkeiten und Alkohol induzieren kann, muss schon erreicht werden.

Und also sprach das Kasperle: „Erst mal die restlichen Finger schön krümmen, sonst habe ich so ’ne seltsame Auswuchtung am Bauch….oh, Wachenheim…ich sehe Bilder…ich sehe Bilder von Gebäuden…ich sehe Menschen, die sich ihre eigenen Gedanken über diese Bilder machen wollen…aber ich sehe auch Menschen, die wollen, dass alle Anderen ihre eigenen Gedanken zu den Bildern denken sollen…ich sehe Menschen, die mir vom Teufel haben ausrichten lassen, dass sie mir die Pritsche wegnehmen, wenn ich ihre Namen nenne, die diese Bilder fotografieren und sie dann veröffentlichen…diese Menschen wollen ins Gespräch, kommen aber nur ins Gerede…mit den Bildern wollen sie den Menschen vorgaukeln, dass ein Supermarkt mitten in den Ort gehört – und als Aquarell auch viel besser aussieht als ein gezeichnetes Hotel…“

An dieser Stelle ist wohl eine Interpretation des zusammenhangsarmen Geredes angebracht: Mit Bildern könnte das Orakel so ziemlich alles meinen. Sollten etwa die Ergebnisse des studentischen Ideenwettbewerbs zur Pfortenstückbebauung gemeint sein? Denkbar. Sollte etwa irgendjemand mit diesen Bildern Stimmung gegen die Ideen und die Auslober machen wollen? Gar in Form einer Vereinsschrift? Kaum vorstellbar. Schliesslich ist ein Supermarkt im Pfortenstück so gründlich abgelehnt, sowohl unter den Wachenheimern als beim Denkmalschutz, dass sogar seine Verfechter den Blick nun endlich nach vorne richten sollten.

Also sprach das Kasperle: „Ich sehe Kinder mit glänzenden Augen…ich sehe Schokoriegel…Ich sehe Kinder mit glänzenden Augen…ich sehe Cola-Dosen…Ich sehe Kinder mit glänzenden Augen…ich sehe Kartoffelchips…ich sehe Kinder mit glänzenden Augen…ich sehe einen Schwimmbad-Kiosk…oder habt ihr Schwachköpfe gedacht, ich sehe einen Supermarkt neben einer Schule?…damit ich so einen Schwachsinn sehe, müsst Ihr seltsames Zeug rauchen und 10 dicke Schorle trinken…“

Nun, wir können nur ahnen, dass es bei dieser Orakelpassage ums Schwimmbad geht. Scheint so als könnte ein neuer Pächter für den Kiosk gefunden werden. Und ein Supermarkt neben der Schule? Ich bitte Sie! Das wäre ja für Kinder wie ein Schwimmbad-Kiosk, für den sie keinen Eintritt zahlen müssen. Wer käme denn auf so eine abstruse Idee?

Und also sprach das Kasperle: „…ich sehe ein Haus…so ein Haus ist schwer zu übersehen, ich bin ja nicht blind…ich sehe Eis und Pizza…halt, ich soll ja nicht in die Vergangenheit blicken…also, ich sehe kein Eis und keine Pizza mehr…ich sehe auch gar kein Haus mehr…ich sehe direkt auf einen häßlichen Anbau an einem Altersheim…“

Spätestens hier müssen wir raten. Sollte das Kasperle etwa den Abriss der ehemaligen Pizzeria an der Ampelkreuzung noch fürs Frühjahr vorhersagen? Gewagte Hypothese.

Und also sprach das Kasperle: „Ich sehe Kinder an mir vorbeigleiten…wenn ich auf der anderen Seite des Mäuerchens stünde, sähe ich, dass sie auf einem Skateboard stehen…ich sehe den Lärm, den die Skateboards machen, nicht…oder können Sie Lärm sehen…ich sehe genervte Anwohner…ich sehe keinen Skaterplatz…ich sehe Stadträte, die auch keinen Platz dafür sehen…“

Was das Kasperle heir faselt, bleibt der wissenschaftlichen Analyse völlig verschlossen. Sorry.

Und also sprach das Kasperle: „Ich sehe angetrunkene Menschen…ich sehe Verdruss…ich sehe kein stringentes Konzept…ich sehe Ideen…ich sehe Menschen, die die Ideen zwar nett finden, sie aber geflissentlich ignorieren…ich sehe, dass kaum jemand bereit ist, etwas Altes für etwas Neues aufzugeben…ich sehe, dass ich wohl wieder beim Seppel bleiben muss, wenn der Typ an der Hand an dem Finger in meinem Kopf bei Zimmermann im Hof sitzt und Wein trinkt…ich sehe im Wörterbuch nach, was stringent eigentlich heißt…“

Wenn nicht der Hinweis mit Zimmermann wäre, hätten wir nie geahnt, dass es hier ums Weinfest geht. Aber da soll ja alles besser werden, also scheint hier Kasperles drittes Auge getrübt zu sein.

Und also sprach das Kasperle: „Ich sehe Einsen und Nullen…Computer…Nullen an Computern…ich sehe Landschaften…blühende Presselandschaften…virtuelle Pluralität in Wachenheim…ich sehe pompöse Ansprüche…das Ende von Blogs und Zeitungen…marginalisiert durch ein Online-Medium nie dagewesener Gesetzeskonformität…ich sehe wohl in ein Paralleluniversum…“

Ja, die Tage der klassischen Printmedien sind gezählt. In kaum 50 Jahren werden sie wohl verschwunden sein. Und auch Blogs werden bis dahin von flüchtigeren oder profunderen Ausdrucksformen der Mitteilsamkeit abgelöst worden sein. Man sollte das Kasperle nicht allzu ernst nehmen, wenn es bahnbrechende und wegweisende neue Medien für Wachenheim ankündigt. Neu könnten sie freilich sein.

Und also sprach Kasperle: „Ich sehe einen Ort voller Harmonie…ich sehe Menschen, die einander zuhören und gemeinsam arbeiten…ich sehe Menschen, denen spalterische Schriften wesensfremd sind…“

Eigentlich hatten wir ja gedacht, dass sich Kasperle mit Wachenheim beschäftigt, aber nun scheint er ins Königreich Bhutan abgedriftet zu sein, wo das Glück der Landeskinder oberstes Ziel der Verfassung ist. Und so beenden wir jegliche Versuche, das Frühjahrsgeschehen in Wachenheim zu orakeln ohne greifbares Ergebnis und mit gammeligen Tintenfisch auf dem Tisch.

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Unser Neubaugebiet, welches ja gar nicht mehr so neu ist, Auf der Höh I und II, besteht ja nun mal aus einigen Strassen, Höhnhausen, Portugieserweg, Bad Dürkheimer Weg, Backhauswiesen, etc., und aus geschätzten 60 – 80 Häusern. Bisher gab es für die Anwohner zwei Wege um nach Hause zu kommen. Einfahrt über den Kreisel und Einfahrt über das Neustück. Wobei die Einfahrt über das Neustück ja auch schon Jahre ein Zankapfel war, da die unmittelbaren Anwohner, gefühlte 8 Häuser, sich über die Tatsache beschwerten, dass die anderen anliegenden Neubürger, dieses Stück Weg überhaupt benutzen durften. Lediglich die morgendlichen Scharen an Schülern, die diesen Weg benutzen waren geduldet.

Nun gab es wohl eine Geheime Kommandosache. Das Schild ‚Anlieger Frei‘ ist weg. Lediglich Landwirtschaftstreibende dürfen den Weg noch nutzen. Und die Fahrrad fahrenden Schüler. Die allerdings, augenscheinlich, nur aus der Richtung Stadtmitte kommend, da in die Gegenrichtung nur das ‚Durchfahrt verboten‘ Schild prangt.

Zudem werden wohl von Zeit zu Zeit Polizeikontrollen durchgeführt.

Ein Anwohner, der freundlich auf dem Amt, die Situation hinterfragte, wurde ziemlich rüde abgebügelt. Weitere Auskunft gab es keine.

Diese Handlungsweise ist aber typisch für die bisherige Vorgehensweise bez. der Verkehrsgestaltung in dem Wohngebiet.

Einem Wohngebiet in dem Myriaden von kleinen Kindern auf der Straße spielen, insbesondere Im Höhnhausen gibt es keine Verkehrsberuhigung und über diese Strasse führt der einzig mögliche Zugang und Abgang für LKW, für Gäste der Kneipe, etc. etc.. Jegliche Zufahrt führt über den Höhnhausen. Wer jetzt den Portugieser Weg ins Spiel bringt, soll mal versuchen, nur mit einem PKW an der Firma Manz vorbeizukommen…Zudem ist die Parksituation, insbesondere seit eine florierende Gastwirtschaft eröffnet hat, eine Zumutung für die Anwohner.

Ich werde jetzt auf dem Amt beantragen, dass das gesamte Wohngebiet mit einem Sackgasse Schild versehen wird. Vielleicht beantrage ich auch noch eine Schranke, mit Stacheldraht. Wohlgemerkt für die Ausfahrt der Anwohner, die sich dann kontrollieren lassen müssen!!!

Aber da kann man sich ja auch, einfacher Weise, ein weithin sichtbares Emblem auf die Kleidung machen.

Einen Davidsstern oder so…

Kurz nach halb acht Uhr abends war es, als Bürgermeister Torsten Bechtel die Stimmen des Wahlbezirks 101 (westlich der Weinstraße) per Telefon weitergab. Damit war das Ergebnis Wachenheims komplett – und wir waren immerhin noch schneller als Ellerstadt. Mittlerweile ist die gesamte Verbandsgemeinde ausgezählt, das Wahlergebnis ist im Internet einsehbar.

Hier das Gesamtergebnis Wachenheims:

Landes- oder Zweitstimmen (die entscheidend sind für die Sitzverteilung) mit Veränderung gegenüber der Landtagswahl 2006:

CDU: 36,3 % (+ 4,8 Prozentpunkte)

SPD: 30,0 % (- 11,9 Prozentpunkte)

Grüne: 18,4 % (+ 12,7 Prozentpunkte)

FDP: 7,5 % (- 5,5 Prozentpunkte)

Linke: 1,5 % (+ 0,2 Prozentpunkte)

Sonstige: 6,4 % (- 0,2 Prozentpunkte)

Im Vergleich zum Landesergebnis ist Wachenheim etwas schwärzer, deutlich grüner und deutlich gelber als der rheinland-pfälzische Durchschnitt – und viel weniger rot.

Allerdings ist die FDP-Euphorie im Vergleich zur Bundestagswahl 2009 zurückgegangen – damals hatte die FDP in Wachenheim 20,7 % erhalten.  Gleichzeitig konnte die SPD in Wachenheim gegenüber den 20,5 % von der Bundestagswahl zumindest wieder Boden gutmachen.

Auch bei den Direktkandidaten wählte Wachenheim etwas anders als die Umgebung. Während Manfred Geis von der SPD den Wahlkreis Bad Dürkheim insgesamt gewonnen hat, lag  er in Wachenheim mit 32,2 % hinter dem CDU-Kandidaten Norbert Mittrücker (36,7 %) zurück. Dabei gab es allerdings einen Unterschied zwischen beiden Wachenheimer Wahlbezirken: Im Bezirk 101 (westlich der Weinstraße), der traditionell stärker links wählt, liegt der SPD-Kandidat vorne. Im Bezirk 102 (östlich der Weinstraße, wo nach Aussage von Torsten Bechtel vor allem der Wohnpark, aber auch die anderen Neubaugebiete sehr CDU-freundlich sind) liegt der konservative Kandidat um so deutlicher vorne.

Die grüne Direktkandidatin Ruth Ratter, die sich vergangenes Wochenende im Cafe Schellack vorgestellt hatte, kam in Wachenheim auf 15,9 %. Hier liegen die Grünen in Wachenheim – wie auch bei den Landes- oder Zweitstimmen – vor den anderen Orten der Verbandsgemeinde. Bei den SPD-Erst- und Zweistimmen liegt Wachenheim am unteren Ende der Verbandsgemeinde, bei den Stimmen für die FDP am oberen Ende der Verbandsgemeinde.

Der Versuch der Freien Wählergemeinschaft, in den Landtag einzuziehen, hat wieder nicht funktioniert. Leider ist nur eine Zahl für die gesamte Verbandsgemeinde ausgewiesen – dort kam die FWG auf 4,4 % (+ 0,3 Prozentpunkte). In Wachenheim habe ich nur eine Zahl für den Wahlbezirk 101 gehört. Da erhielt die FWG 14 Landesstimmen –  im Vergleich zu 18 Stimmen für die Piratenpartei. Im selben Bezirk erhielten Republikaner und NPD zusammen 13 Stimmen – meines Erachtens 13 Stimmen zu viel.

Wir hatten uns in der letzten Zeit ein wenig auseinandergelebt.

Aber heute mit dieser Sonneneinstrahlung und den damit freigesetzten Glückshormonen loderte sofort die alte Leidenschaft auf wie ein Grillfeuer aus trockenem Rebholz. Heiss und alles verzehrend.

Sie stand mit dem Rücken zu mir, leicht gebeugt. Ich ging zu ihr hin, schaute bewundernd auf Ihr Hinterteil, ich bin ja auch nur ein Mann, und berührte Sie. Erst vorsichtig. Eine Reaktion abwartend. Sie rührte sich nicht. Nun ein wenig forscher und mutiger, sie hielt mich nicht ab. Ich nahm sie nun fest in meine Hände und spürte jede einzelne Ihrer Konturen, die ich mit meinen Fingern nachzeichnete. Eine Woge durchflutete mich und meine so lange verborgene und beherrschte Lust und Leidenschaft brachen aus mir heraus.

Ich fasste Sie richtig fest an, doch der Ständer verhinderte weiteres. Also fing ich an rüde zu werden und sagte, sie solle sich nicht so anstellen. Ich gab ihr mit meinen beiden vor Verlangen zitternden Händen einen Stoß, dass Sie nach vorne kippte, und ein leichtes Stöhnen von sich gab.

Endlich war sie bereit.

Ich bockte sie ab und rollte sie aus der Garage. Meine Gina della Vespa. In ihrer knallrosa mediterranen Pracht, und knapp in ihre 50ccm gekleidet, stand sie in gleisendem Sonnenlicht vor mir und ich meinte wirklich sie redete zu mir:

‚Komm schon, Gazzo! Du hast mir gefehlt! Mach mich an!‘

Ich schwang mich auf Sie und sofort verschmolzen unsere Körper zu einem. Und mit gefühlter Lichtgeschwindigkeit erklommen wir die Höhen und durchfuhren die Tiefen unserer Leidenschaft. Und nach fast einer gefühlten Ewigkeit heulte Sie auf und riss sich und mich mit einem Aufbäumen zum Höhepunkt..Endlich am Kurpfalzpark.!!! Mein Gott war das ein steiler Ritt.

Und:

Endlich, endlich Frühling!!!!

Hallo Nachbar! Was? Wieso ich so ein Zeug schwafele wenn ich vom Moped steige? Ich, äh, äh, also ich, schönes Wetter heute! Oder?

Man möge die ebenso sperrige wie der Fastenzeit geschuldet nüchterne Überschrift entschuldigen. Doch genau darum ging es heute im Wesentlichen bei der Sitzung des Verbandsgemeinderats: um geeignete Standorte für einen Supermarkt und um den von der SGD-Süd monierten maroden Hochwasserschutz im Burgtal.

Vor rund fünf Jahren behauptete der damalige Bürgermeister der Stadt Wachenheim, dass der Ort 2008 ganz ohne Supermarkt da stehen werde, wenn nicht Müller-Bau unverzüglich einen EDEKA auf Pfortenstück setzen dürfe. Inzwischen schreiben wir das Jahr 2011 und kaufen immer noch im REWE zu Wachenheim ein.

Nun ist dieser Laden aber alt und wird wohl nur solange weiterbetrieben, bis ein moderner an einem alternativen Standort eröffnet. Das kann natürlich noch einige Jahre so gehen. Derweil hat die Raumplanungsbehörde sich Gedanken gemacht, welche Standorte die Versorgung der Verbandsgemeinde langfristig sicherstellen könnte. Offiziell geht es dabei wohlgemerkt um die Verbandsgemeinde, also um die Ortsgemeinden Wachenheim, Friedelsheim, Gönnheim und Ellerstadt. Untersuchte Standorte in Ellerstadt: null. Dann gibt es einen potenziellen Standort zwischen Gönnheim und Friedelsheim, aber nur für einen kleinen Markt. Und natürlich vier genauer betrachtete und einige der Vollständligkeit aufgezählte Standorte in Wachenheim. Dass die Vertreter der anderen Gemeinden das so ruhig über sich ergehen lassen, hat mich überrascht.

Dummerweise sind zwei der vier Vorschläge der Königswingert und das Neustück. Am Königswingert, neben dem bestehenden Markt, hat man den Winzern mal den Floh eines Neubaugebiets in den Ohr gesetzt, deshalb lagen bei der letzen Abfrage eines Investors die Preisvorstellungen für die Grundstücke dort weit oberhalb des Machbaren. Zudem sieht man hier einhellig die Gefährdung des Ortsbildes.

Das Neustück am östlichen Ortsausgang wird Neubaugebiet – hätte die Raumplanungsbehörde vielleicht wissen können.

Der Favorit der Behörde ist das Oberstnest. Ja, ganz richtig, ein Supermarkt mit seinem reichhaltigen Angebot an nahrungsähnlichen Dickmachern und Blutzuckerboostern gleich neben der Schule. Wie meinte neulich Judith Holofernes doch so recht: Ich glaube, es hackt. Wer einen Supermarkt neben der Schule ernsthaft in Erwägung zieht, bewegt sich geistig auf dem Niveau einer Amöbe oder hat noch nie ein Schulkind mit zwei Euro zur freien Verfügung unbeaufsichtigt einkaufen geschickt.

Ein Argument gegen einen  Supermarkt im Pfortenstück war ja auch das Aufeinandertreffen von Schulweg und Lieferverkehr. Den Lieferverkehr jetzt direkt an die Schule ranzuplanen, ist natürlich noch viel besser. Bravo, Raumplaner ohne Schulkinder in Wachenheim!

Auch wieder mit im Rennen ist der Bischofsgarten. Den halte ich nach wie vor für den geeigneten Platz, wenn ein neuer Markt unbedingt her müsste. Der Lieferverkehr muss nicht in den Ort. Die Friedelsheimer können die Stelle im Nu erreichen und mit dem Neubaugebiet Neustück ist der Markt dort auch für viele zu Fuß zu erreichen.

Die Fußläufigkeit – ein herrlich populistisches Argument. Immer wieder wird betont, wie wichtig es ist, dass die Senioren zu Fuß einkaufen können. Ein Mensch, der solche Supermärkte für verschiedene Betreiber plant, teilte mir vor zwei Jahren auf Anfrage mit, dass der Anteil der Kundschaft, die zu Fuß kommt, keinesfalls höher als 20% sein darf, damit der Laden wirtschaftlich bleibt. Klar, wer zu Fuß kommt, kauft nicht viel.

Immer noch sind innerörtliche Supermärkt bei Raumplanern in Mode. Dass sie auch zu „Konflikten“ führen, gestand Raumplaner Fillinger, der die Standorte vorstellt, freilich ein. Zulieferverkehr und Entsorgungsverkehr ist jederzeit zwischen 6 und 22 Uhr zulässig, Lärmschutzwände von 2,50 m Höhe meist unumgänglich.
Torsten Bechtel erinnerte daran, dass diese Bevorzugung der innerörtlichen Entwicklung für Orte von der Größe von Frankental oder Ludwigshafen erdacht wurde, um grüne-Wiesen-Ansiedlungen zu erschweren. In der VG Wachenheim, sagte er, sind alle Gemeinden flächenmäßig so klein, dass hier alles leicht zu erreichen ist und oberdrein auch die meisten Senioren mit dem Auto zum Einkaufen fahren. Tatsächlich habe ich bisher kaum Wasserkästen schulternde Rentner auf Wachenheims Gehwegen getroffen.

Dass vorwärtsgerichtetes Denken und Zugehörigkeit zur SPD sich auch widersprechen können, bewies Hans-Jürgen Häfner. Er verteidigte vehement den Standort Pfortenstück für einen Supermarkt – ganz so, als sei er nicht endgültig und amtlich abgelehnt. Ganz so, als wären nicht vorsichtig geschätzt 70% der Wachenheimer dagegen. Ganz so, als würden nicht im Flur vor dem Ratssaal die prämierten Entwürfe des Ideenwettbewerbs zur Bebauung des Pfortenstück stehen.

Die Studenten, wo wir schon so schön übers Pfortenstück plaudern, haben sich übrigens intensiv mit Wachenheim und seinen Befindlichkeiten auseinandergesetzt. Vom Widerstand gegen den Supermarkt wussten sie, sogar über die Probleme des Weinfests wussten sie Bescheid. Vielleicht hätten sie ihr Wissen auch mit der Raumplanungsbehörde Rhein-Neckar teilen sollen.

Nun, die vorgestellten Standorte gehen zur Beratung an die Ortsgemeinderäte. Und obwohl es um die VG, eigentlich aber um die Stadt Wachenheim ging, fiel des öfteren der Name Deidesheim. Dort entsteht ja zu den außerörtlichen Supermärkten von Wasgau, Penny und Lidl gerade auch ein Aldi außerhalb. Andreas Berger verwies hier aber darauf, dass es in Deidesheim im Ort keinen Platz gegeben hätte und Deidesheim ja auch auf Tourismus setze. Will Wachenheim denn nicht auch Tourismus?

Das zweite Thema, das VG-Bürgermeister Udo Kittelberger beim Frühlingsempfang der Stadt Wachenheim schon angedeutet hatte, ist der Hochwasserschutz. Offenbar sind die baulichen Vorkehrungen dazu im Burgtal nicht mehr in bestem Zustand. Die SGD-Süd kommt zu dem Schluss, dass 3000 Kubikmeter Rückhaltemöglichkeiten fehlen. Zudem ist die Trasse unter dem Campingplatz, durch die der Bach aus dem Burgtal in den Burgtalweiher fließt, ziemlich verstopft. Bei einem starken Regen, der länger anhält (nicht so ein Sommerplatzregen, eher so ein Landregen, der alles so richtig triefnass macht), drohen dann doch beträchtliche Mengen Wasser zuerst einmal auf den Parkplatz beim Badehaisl und dann weiter stadteinwärts zu fließen.

Die VG nimmt die Sache ernst und macht sich ein Bild vom Zustand, um dann weitere Schritte einzuleiten. Überraschenderweise nahmen aber einige Räte die Sache nicht ernst. Da sei ja schließlich Wald, und wann soll es denn so ein 20jähriges Ereignis geben? Als ob wir nicht die vergangenen Tage ausgiebig mit dem Unvorstellbaren konfrontiert worden wären.

 

Ich habe es gewagt!

Ich habe den Wahl-O-Mat Test im Internet gemacht. Die Tatsache, dass ich sofort danach einen Artikel schreibe, zeigt, wie sehr mich das Ergebnis beschäftigt, bzw. wie sehr ich glaube, dass es andere Leser beschäftigen wird.

Nach 38 Fragen, die ich ohne anschliessende Wichtung beantwortet habe, sagt mir die Maschine folgende drei erste Parteien, die ich entsprechend meiner, ehrlichen, Antworten wählen müsste.

1. Platz: FWG !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

2. Platz: CDU

3. Platz: Die Linke

Welche Aussagen kann ich jetzt treffen?

1. Politische Meinung ist so stabil, dass sie nicht durch Personen zu zerstören ist.

2. Man kann vom Kleinen nicht aufs Große schließen.

3. Wer mit 20 kein Sozialist ist, hat kein Herz.

4. Wer mit 45 noch Sozialist ist, hat keinen Verstand.

5. Mein Sohn wird trotzdem weiterhin Ché gerufen.

6. Ob ich jetzt noch weiterhin als Blogger verklagt werde?

7. Ich wollte eigentlich Grün wählen.

8. Bin ich schizoid?

9. Was soll ich jetzt wählen?

10. Trete ich jetzt in die FWG ein und verbreite dort Angst und Schrecken??!!

Während ich diesen Beitrag schreibe, läuft das ARD Nachtmagazin. Wie in allen Nachrichten und Sondersendungen dieses Tages gab es einen kurzen Bericht über die aktuelle Lage in Gebieten Japans, die vom Tsunami heimgesucht wurden.  Danach drehte sich fast alles um das Thema Atomkraft.

Nun verstehe ich die Angst vor einem Super-GAU im AKW Fukushima. Was unsere Familie von Atomstrom hält, sollte seit Achims Blogbeitrag „Strom aus Wasserkraft“ klar sein. ABER es macht mich fassungslos, dass den politischen Verästelungen der deutschen Atomkraft-Debatte in allen Sendungen viel mehr Zeit gewidmet wird als dem aktuellen, nur schwer vorstellbaren Leid der Japaner.

Der Tsunami hat Küstenorte zu Trümmerhaufen gemacht. Mehr als 3000 Tote sind bestätigt. 2300 Personen sind offiziell als vermisst gemeldet. Überlebende suchen zwischen dem Schutt nach ihren Angehörigen, warten an öffentlichen Telefonen auf eine Stimme am anderen Ende der Leitung – oft vergebens. Ich mag gar nicht überschlagen, wie viele Todesopfer es wohl am Ende sein werden.  Noch viel mehr Menschen haben ihr Zuhause, haben ihren materiellen Besitz verloren. Die Kinderhilfsorganisation „Save the Children“ schätzt, dass allein 100.000 Kinder obdachlos geworden sind.

Besonders bedrückt hat mich die Nachricht, dass die Freiwilligen des Technischen Hilfswerks wieder aus Japan abreisen. Nach ihrer Einschätzung gibt es dort, wo sie eingesetzt waren, keine Überlebenden mehr zu retten. Wegen der zerstörten Verkehrswege – und wahrscheinlich auch wegen der drohenden Verstrahlung von Helfern – kommen wohl nicht genug Wasser, Lebensmittel und andere Hilfsgüter in den Notunterkünften an.

Auch ohne drohenden Super-GAU wäre diese apokalyptische Situation die schlimmste Krise in Japan seit dem 2. Weltkrieg. Auch wenn es ein reiches Land ist – die derzeit nötige Hilfe, die langwierigen Aufräumarbeiten und den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur wird Japan vor eine riesige Herausforderung stellen.

Das deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), das in Deutschland die Seriosität von Hilfsorganisationen überprüft, hat sehr hilfreiche Informationen für diejenigen zusammengestellt, die den Japanern mit einer Spende helfen möchten. Enthalten ist auch eine Liste von Organisationen, die nicht nur seriös sind, sondern auch über die notwendigen Kontakte in Japan verfügt, um Spendengelder effektiv einsetzen zu können.

Wer möchte – hier geht’s zu den Informationen vom DZI.

Wer sich ein genaueres Bild von der Lage in den Tsunami-Gebieten machen möchte – und verstörende Fotos verträgt – dem kann ich diesen Beitrag der britischen Daily Mail empfehlen.

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