Man möge die ebenso sperrige wie der Fastenzeit geschuldet nüchterne Überschrift entschuldigen. Doch genau darum ging es heute im Wesentlichen bei der Sitzung des Verbandsgemeinderats: um geeignete Standorte für einen Supermarkt und um den von der SGD-Süd monierten maroden Hochwasserschutz im Burgtal.

Vor rund fünf Jahren behauptete der damalige Bürgermeister der Stadt Wachenheim, dass der Ort 2008 ganz ohne Supermarkt da stehen werde, wenn nicht Müller-Bau unverzüglich einen EDEKA auf Pfortenstück setzen dürfe. Inzwischen schreiben wir das Jahr 2011 und kaufen immer noch im REWE zu Wachenheim ein.

Nun ist dieser Laden aber alt und wird wohl nur solange weiterbetrieben, bis ein moderner an einem alternativen Standort eröffnet. Das kann natürlich noch einige Jahre so gehen. Derweil hat die Raumplanungsbehörde sich Gedanken gemacht, welche Standorte die Versorgung der Verbandsgemeinde langfristig sicherstellen könnte. Offiziell geht es dabei wohlgemerkt um die Verbandsgemeinde, also um die Ortsgemeinden Wachenheim, Friedelsheim, Gönnheim und Ellerstadt. Untersuchte Standorte in Ellerstadt: null. Dann gibt es einen potenziellen Standort zwischen Gönnheim und Friedelsheim, aber nur für einen kleinen Markt. Und natürlich vier genauer betrachtete und einige der Vollständligkeit aufgezählte Standorte in Wachenheim. Dass die Vertreter der anderen Gemeinden das so ruhig über sich ergehen lassen, hat mich überrascht.

Dummerweise sind zwei der vier Vorschläge der Königswingert und das Neustück. Am Königswingert, neben dem bestehenden Markt, hat man den Winzern mal den Floh eines Neubaugebiets in den Ohr gesetzt, deshalb lagen bei der letzen Abfrage eines Investors die Preisvorstellungen für die Grundstücke dort weit oberhalb des Machbaren. Zudem sieht man hier einhellig die Gefährdung des Ortsbildes.

Das Neustück am östlichen Ortsausgang wird Neubaugebiet – hätte die Raumplanungsbehörde vielleicht wissen können.

Der Favorit der Behörde ist das Oberstnest. Ja, ganz richtig, ein Supermarkt mit seinem reichhaltigen Angebot an nahrungsähnlichen Dickmachern und Blutzuckerboostern gleich neben der Schule. Wie meinte neulich Judith Holofernes doch so recht: Ich glaube, es hackt. Wer einen Supermarkt neben der Schule ernsthaft in Erwägung zieht, bewegt sich geistig auf dem Niveau einer Amöbe oder hat noch nie ein Schulkind mit zwei Euro zur freien Verfügung unbeaufsichtigt einkaufen geschickt.

Ein Argument gegen einen  Supermarkt im Pfortenstück war ja auch das Aufeinandertreffen von Schulweg und Lieferverkehr. Den Lieferverkehr jetzt direkt an die Schule ranzuplanen, ist natürlich noch viel besser. Bravo, Raumplaner ohne Schulkinder in Wachenheim!

Auch wieder mit im Rennen ist der Bischofsgarten. Den halte ich nach wie vor für den geeigneten Platz, wenn ein neuer Markt unbedingt her müsste. Der Lieferverkehr muss nicht in den Ort. Die Friedelsheimer können die Stelle im Nu erreichen und mit dem Neubaugebiet Neustück ist der Markt dort auch für viele zu Fuß zu erreichen.

Die Fußläufigkeit – ein herrlich populistisches Argument. Immer wieder wird betont, wie wichtig es ist, dass die Senioren zu Fuß einkaufen können. Ein Mensch, der solche Supermärkte für verschiedene Betreiber plant, teilte mir vor zwei Jahren auf Anfrage mit, dass der Anteil der Kundschaft, die zu Fuß kommt, keinesfalls höher als 20% sein darf, damit der Laden wirtschaftlich bleibt. Klar, wer zu Fuß kommt, kauft nicht viel.

Immer noch sind innerörtliche Supermärkt bei Raumplanern in Mode. Dass sie auch zu „Konflikten“ führen, gestand Raumplaner Fillinger, der die Standorte vorstellt, freilich ein. Zulieferverkehr und Entsorgungsverkehr ist jederzeit zwischen 6 und 22 Uhr zulässig, Lärmschutzwände von 2,50 m Höhe meist unumgänglich.
Torsten Bechtel erinnerte daran, dass diese Bevorzugung der innerörtlichen Entwicklung für Orte von der Größe von Frankental oder Ludwigshafen erdacht wurde, um grüne-Wiesen-Ansiedlungen zu erschweren. In der VG Wachenheim, sagte er, sind alle Gemeinden flächenmäßig so klein, dass hier alles leicht zu erreichen ist und oberdrein auch die meisten Senioren mit dem Auto zum Einkaufen fahren. Tatsächlich habe ich bisher kaum Wasserkästen schulternde Rentner auf Wachenheims Gehwegen getroffen.

Dass vorwärtsgerichtetes Denken und Zugehörigkeit zur SPD sich auch widersprechen können, bewies Hans-Jürgen Häfner. Er verteidigte vehement den Standort Pfortenstück für einen Supermarkt – ganz so, als sei er nicht endgültig und amtlich abgelehnt. Ganz so, als wären nicht vorsichtig geschätzt 70% der Wachenheimer dagegen. Ganz so, als würden nicht im Flur vor dem Ratssaal die prämierten Entwürfe des Ideenwettbewerbs zur Bebauung des Pfortenstück stehen.

Die Studenten, wo wir schon so schön übers Pfortenstück plaudern, haben sich übrigens intensiv mit Wachenheim und seinen Befindlichkeiten auseinandergesetzt. Vom Widerstand gegen den Supermarkt wussten sie, sogar über die Probleme des Weinfests wussten sie Bescheid. Vielleicht hätten sie ihr Wissen auch mit der Raumplanungsbehörde Rhein-Neckar teilen sollen.

Nun, die vorgestellten Standorte gehen zur Beratung an die Ortsgemeinderäte. Und obwohl es um die VG, eigentlich aber um die Stadt Wachenheim ging, fiel des öfteren der Name Deidesheim. Dort entsteht ja zu den außerörtlichen Supermärkten von Wasgau, Penny und Lidl gerade auch ein Aldi außerhalb. Andreas Berger verwies hier aber darauf, dass es in Deidesheim im Ort keinen Platz gegeben hätte und Deidesheim ja auch auf Tourismus setze. Will Wachenheim denn nicht auch Tourismus?

Das zweite Thema, das VG-Bürgermeister Udo Kittelberger beim Frühlingsempfang der Stadt Wachenheim schon angedeutet hatte, ist der Hochwasserschutz. Offenbar sind die baulichen Vorkehrungen dazu im Burgtal nicht mehr in bestem Zustand. Die SGD-Süd kommt zu dem Schluss, dass 3000 Kubikmeter Rückhaltemöglichkeiten fehlen. Zudem ist die Trasse unter dem Campingplatz, durch die der Bach aus dem Burgtal in den Burgtalweiher fließt, ziemlich verstopft. Bei einem starken Regen, der länger anhält (nicht so ein Sommerplatzregen, eher so ein Landregen, der alles so richtig triefnass macht), drohen dann doch beträchtliche Mengen Wasser zuerst einmal auf den Parkplatz beim Badehaisl und dann weiter stadteinwärts zu fließen.

Die VG nimmt die Sache ernst und macht sich ein Bild vom Zustand, um dann weitere Schritte einzuleiten. Überraschenderweise nahmen aber einige Räte die Sache nicht ernst. Da sei ja schließlich Wald, und wann soll es denn so ein 20jähriges Ereignis geben? Als ob wir nicht die vergangenen Tage ausgiebig mit dem Unvorstellbaren konfrontiert worden wären.

 

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