Eigentlich wollte ich einen Artikel der losen Serie ‚Gastronomie in Wachenheim‘ schreiben und die Eisdiele ‚Angelo‘ in Wachenheim loben, da ich gestern für meine Gäste und meine Kinder eine riesige Schüssel Eis gekauft habe, von jeder Sorte eine Kugel. Und jede Sorte war auf ihre Art wirklich sehr leckeres Eis. Das einzige Manko bei Angelo, ist die etwas sehr lieblose Bestuhlung des Freisitzes und die Innenausstattung, das Wesentliche jedoch, das Eis ist spitze. Cremig, sehr fruchtig frisch gemacht. Sehr lecker!!!!

Heute dann stieg ich mit meiner Holden auf Gina und genoss das schöne Wetter bei einer Ausfahrt. Eine Ausfahrt, kleine Tour, die uns zuerst nach Bad Dürkheim führte. Als, wie oben beschrieben, Eis-Freaks, wollten wir uns ins dortige Eiscafé Cortina setzen, was uns auf Anhieb nicht gelang. Es war schlicht zu voll. Wir bummelten noch 10 – 15 Minuten schauten ein paar Geschäftsauslagen an, und dann hatten wir Erfolg. Eis war nicht leckerer als in Wachenheim, aber die Stimmung auf dem Platz war einfach klasse. Straßenmusiker, flanierende Menschen, die in den Cafes und Strassen saßen, auf einem Platz der auch nicht wesentlich  größer ist als unser Marktplatz in Wachenheim. Nach dem Eis schwangen wir uns, und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn meine Holde hatte einen schön knappen Minirock an, ich weiss nicht was mehr Aufmerksamkeit erregte, Gina oder die Beine meiner Frau, und fuhren gen Wachenheim, nicht Gen-Italien.

Einer Eingebung folgend leitete Gina uns durch den wahrlich wunderschönen Ortskern unseres Städtchens. Und wir sahen die oben erwähnte Eisdiele, wir sahen mehrere Restaurants, Kneipen, ein richtiges Schloss, eine sehr hübsche Kirche, deren Vorplatz bestuhlt war, Läden. Es war alles da, was es in Bad Dürkheim auch gibt. Nur bei näherem Betrachten fehlte eines, der gravierende Unterschied.

Es fehlten die Menschen auf der Strasse.

Kaum wieder zu Hause angekommen, änderten sich die Pläne für meinen Artikel und er wurde so, wie er Sie jetzt erreicht. Zudem überlegte ich im Vorfeld, woran das liegt, dieses Fehlen der Menschen.

Nun, fange ich mal an.

Die Qualität des Eises kann den fehlenden Charme der Bestuhlung nicht wettmachen. Auf die spezielle Situation im Schellack brauche ich nicht mehr einzugehen, auch hier fehlt Stefan Pflüger. Aber auch er hätte das Gesamtbild nicht geändert. Die Läden die da sind, eine Apotheke, eine Drogerie, ein leerstehendes Haus, ein leerstehendes Kaffee, ein Schloss das geschlossen ist, eine Kirche die geschlossen ist, ein Friseurladen in den Arkaden, eine Bäckerei, eine Sparkasse.

Das ist ein so schöner Platz, Wachenheim ist eine solch schöne Stadt, aber selbst das Potential, welches vorhanden ist, wird äusserst lieblos gestaltet. Dies ist ein Spiegelbild zu den Vorgängen mit dem Weinfest. Wachenheim, bzw. die Personen, die Wachenheim gestalten sollten und könnten, hat, bzw. haben eine katastrophale Aussendarstellung und verstehen es nicht, oder wollen es nicht verstehen, Wachenheim aus diesem Dornröschenschlaf zu wecken. Die anderen sind einfach träge, sie wollen, schlimmes Wort, geführt werden

Und über die, die es tun, und unter Einsatz Ihrer Zeit, Ihres Geldes, oder Ihrer Grundstücke, oder auch nur Ihrer Kreativität wird dann noch Müll und Unrat ausgeschüttet. Meist von denen, die diese Dornrösschen-Situation zu verantworten haben.

Im Märchen war das eine böse Hexe. Aber das ist zum Glück in Wachenheim anders. Hier sind die Hexen welche, die diesen Schlaf beenden wollen, und lange dagegen gekämpft haben.

Was ich noch seltsam finde, ist, dass es viele sogenannte Neubürger sind, die sich in Wachenheim beginnen zu engagieren. In den Vereinen, in den Parteien, in den Medien. Und dass es so genannte Altbürger sind, die blocken, die diese Vereine seit Jahren geführt haben, die jahrelang Parteiarbeit gemacht haben.

Diese beiden Kulturen reiben sich aneinander, die Alten und die Jungen. Fast so wie in der Familie. Die Kinder und Jugendlichen, also die Neubürger, werden aufmüpfig, es gibt die Rebellen, die Langhaarigen, Die Rocker, Die Mods, Die Popper. Speziell die Generation aus der ich entstamme kennt diese Konflikte, die Generation X. Oder auch die Generation vorher, die sogenannten 68er. Die Leute, die die Studentenbewegung nach vorne gebracht haben, die mehr Demokratie gewagt haben. Doch, halt!

Wo sind diese hier in Wachenheim, die die früher auf die Strasse sind? Gibt es die noch? Die die etwas bewegen wollten. In Wachenheim ist es heute einfacher als früher auf der Strasse.

Nur muss man sich daran erinnern, wie es damals war, damals kurz bevor man seine Ideale verraten oder zumindest luxuriös auf Eis gelegt hat,  als 68er oder Generation- X ler .

Wo ist das Herz, oder österlicher, wo sind die Eier?

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