Mai 2011


Die altehrwürdige Villa Rustica wurde am Wochende wieder einmal mit Leben erfüllt.

Die Eigentümer waren auf der Durchreise. Römische Händler bauten ihre Zelte und boten Waren  und lukullische Genüsse feil. Es wurde geschmiedet, geflochten, gewoben, Spiele für die Kinder wurden angeboten.

In dieser schönen antiken Atmosphäre machte es Spass ein paar Stunden zu verbringen, zu schlendern, sich von den Handwerkern Ihr Handwerk erklären zu lassen, oder mit dem Filius römische Spiele zu spielen, und natürlich palatinates Erbe von den Römern zu geniessen. In Vino veritas…

Eine rundum gelungene gemütliche und interessante Begegnung mit der Geschichte.

Ave Caesar, morituri te salutant!

Die ersten zwei Lieder gaben mir Anlass zu schlimmsten Befürchtungen, Oberrang mit Sichtbehinderung, Preis €72,50 pro Person, zu zweit waren das immerhin fast €150,00. Zu allem Elend hatte ich noch meine Brille vergessen, sodass die ganze Bühne mir etwas verschwommen vorkam. Die Bildschirme, die den ehemals unter ‚Cat Stevens‘ berühmten Yussuf Islam, den Leuten in der ausverkauften SAP-Arena etwas größer zeigen sollten, waren durch die Pressebühnen verdeckt. Die gefühlte Entfernung zur Bühne betrug 1 Km.

Da war dann halt so ein Männlein auf der Bühne, das mit einer Gitarre zwei Liedchen trällerte und stimmlich ein paar Anfangsprobleme hatte. Ich war bereit zu fluchen und vorzeitig zu gehen.

Doch plötzlich passierte etwas. Ein Zauber legte sich über die Halle und dieser kleine Mann dort übte diesen Zauber aus. Plötzlich war ich für etwas mehr als zwei Stunden nicht in der kalten und technischen SAP-Arena. Plötzlich war ich in einem 8m² großen Kinderzimmer, ich war 15, 16 Jahre alt und hörte die Musik, die mich und meine Gefühle in die Zukunft trug.

Die Musik, die  mich träumen ließ von Freiheit, Liebe, vom Erwachsensein. Immer verliebt, meistens unglücklich, die Düfte, das Feeling alles war wieder da. Diese Lust zu leiden, die Ideen, was man später mal emotional vom Leben erwartete.

Er sang vom ersten Schnitt, der ja bekanntlich der tiefste sein soll, es aber, so wie das Leben spielt, nicht ist. Er sang von Vater und Sohn, vom sich auf den Weg machen, von der wilden Welt, die einen erwartet, von einem Mondschatten, dem man folgt, von traurigen Mädchen. Und als ich dann wieder die Augen öffnete, fühlte ich mich wie an einer Zugstation, an der dieser Zug einfach mal angehalten hat, und sah jemand in die Augen, der mir wieder diese schönen  Gefühle gibt, mich neugierig und begierig auf die Zukunft macht. Ich war selbst der  Vater, dessen Kinder sich bald auf den Weg machen werden. Ich war aber auch wieder der junge Mann am Beginn eines Weges. Ich war auch der Alte mit tiefen Wunden, mit der Erfahrung zum Weitergeben.Das Alles zusammen mit dieser zeitlosen Musik, die wie ein Zauberstab wirkte, machte dieses Konzerterlebnis so einzigartig.

Es war ein Stück eigene Geschichte. Bittersüße eigene Geschichte von verlorenen und gewonnenenen Träumen.

Standing Ovation!!

Vielleicht ist es dem ein oder anderen Stammleser des Wachtenblogs aufgefallen, dass ich in letzter Zeit seltener Beiträge geschrieben habe. Auch um die Weinfest-Community habe ich mit die vergangenen Wochen weniger intensiv gekümmert (ich hatte gehofft, dass sie stärker zum Selbstläufer wird, aber das ist eine andere Geschichte).

Glücklicherweise leide ich nicht unter Krankheit, Ideenmangel, Schreibblockade oder Unlust. Nur diese kleine Nebenbeschäftigung, der ich tagsüber nachgehe, schiebt dem Bloggen im Moment oft einen Riegel vor. Ich hab‘ einfach wahnsinnig viel um die Ohren im Job.  Nur gut, dass mein Beruf gerade nicht nur anstrengend ist, sondern mir auch einen Riesenspaß macht.

Was ich tue? Auf meiner Visitenkarte steht „Senior Enterprise Community Manager“. Mit Raumschiff Enterprise hat das nichts zu tun (schade eigentlich, wo ich doch ein glühender Star-Trek-Fan bin), sondern mit Enterprise 2.0, also dem Einsatz von Web 2.0-Plattformen in Unternehmen.  Ich bin bei der BASF für ein weltweites Online-Business-Netzwerk verantwortlich. So etwas wie unsere Weinfest-Community, nur vieeeeeel größer (wir haben schon mehr als 21.000 BASF-Mitarbeiter aus aller Welt als Mitglieder) – und quicklebendig!

Ich hatte das große Glück, von Anfang an bei dem Projekt dabei zu sein. So habe ich das Konzept mit entwickelt, Pilotphase und weltweite Einführung begleitet. Jetzt berate ich die Mitarbeiter darin, connect.BASF (so heißt das Netzwerk) etwa zum Aufbau von Expertengruppen, zur Projektarbeit oder zum Wissensaustausch zu nutzen. Diese Aufgabe stemmen wir in einem Team mit Kollegen in Ludwigshafen, Asien, Nord- und Südamerika. Unser Community Management ist so erfolgreich, dass wir von vielen BASF-Teams um Beratung für konkrete Projekte gebeten werden. Außerdem stelle ich das Netzwerk dieses Jahr noch an vielen BASF-Standorten in Europa vor.

Jetzt hat connect.BASF eine tolle Auszeichnung bekommen: Wir haben den Deutschen Preis für Onlinekommunikation in der Kategorie „Interne Onlinekommunikation“ gewonnen. Dazu mussten wir unser Projekt und die zugrunde liegende Strategie in einem Bewerbungsformular beschreiben. Ich hätte nie gedacht, wie aufwendig das ist, obwohl – eigentlich gerade weil – wir nur 2000 Zeichen hatten! Wir haben uns schon sehr gefreut, als wir für den Preis nominiert wurden – zusammen mit Siemens und Bosch. Jetzt galt es, connect.BASF bei der Endausscheidung in Berlin vor der Jury zu präsentieren. Genau 8 Minuten hatte man dafür, also habe ich den Vortrag mit der Stoppuhr geübt. Als ich das letzte Mal so aufgeregt vor einer Tür stand, hinter der ein Professor auf mich wartete, habe ich meine Diplomprüfung an der Uni gemacht!

Verliehen wurden die Preise dann abends auf einer Gala-Veranstaltung – und es wusste tatsächlich niemand vorher, ob er gewonnen hat. Wie bei den Oscars :-).  Hier ist das Beweisfoto, dass wir es wirklich geschafft haben:

Deutscher Preis für Onlinekommunikation

Mein Kollege Dr. CheeChin Liew und ich bei der Preisverleihung in Berlin - zusammen mit Kommunikationsprofessor Ansgar Zerfas (rechts) und den Gewinnern in der Kategorie Virale Kommunikation (links). Pressefoto: Helios Media

Letzte Woche war ich schon wieder in Berlin, um connect.BASF bei einem Internet Kongress vorzustellen. Wer sich für Details interessiert – hier ist die Präsentation.

Den treuen Wachtenblog-Lesern wird dieses Wort irgendwie bekannt vorkommen. In der Westerngeschichte, die vor ein paar Wochen veröffentlicht wurde, spielt die Zeitung ‚Immaculate Lard‘, bzw. eine Redakteurin dieser, eine entscheidende Rolle.

Wörtlich übersetzt heisst dieses Wortspiel ‚Unbefleckter Speck‘ mit der erweiterten Bedeutung ‚Rein-Schmalz‘, also unsere altehrwürdige Rheinpfalz.

Als Online-Freizeit-Journalist, wobei dies in meinem Fall maßlos übertrieben ist, Journalist ist mein Mitblogger Achim, habe ich mir in der letzten Zeit oft die Frage gestellt, wie sinnvoll es heutzutage noch ist eine Tageszeitung abonniert zu haben. Die Infos aus der großen weiten Welt, bekommt man online 24 Stunden rund um die Uhr kostenlos und sekündlich aktuell. Regionalnachrichten aus Wachenheim verbreiten wir zum Teil selbst und den Rest, der ein- bis zweimal im Regionalteil der Rheinpfalz steht, bekommt man auch irgendwie mit.

Zudem ist die Zeitung oftmals auch kritisch mit den eigenen Themen oder Aktionen, sodaß es doch schon Leute des öffentlichen Lebens gegeben haben soll, die auf Grund der Kritik das Abo von Tageszeitungen gekündigt haben sollen. Kritik, Informations-Overload etc.. Nicht zu vergessen ist auch der umweltpolitische Faktor. Papier wird aus Holz gemacht, welches eine knappe Ressource ist, da könnte man doch eigentlich sparen…

Nun werde ich demnächst umziehen. Nachdem ich, bzw. wir, meine, definitiv, bessere Hälfte und ich, einige Monate nach einem geeigneten Objekt suchten. Per Internet, per Makler, Mund-zu-Mund-Propaganda, auf dem Wachtenblog, wir haben nichts passendes für acht(!) Personen gefunden. Doch irgendwann eines Freitags nahm ich die solch ambivalent erachtete Rheinpfalz in die Hand, las eine Annonce, und?! Alles unterschrieben, Aktion Kaninchenstall läuft auf vollen Touren. Ein Traumhaus in Wachenheim, wo wir alle so gerne bleiben wollten.

Bei diesem kleinen Beispiel wird der Wert, dieses gewachsenen Kulturgutes klar. Die Tageszeitung auch als Informationskompetenz-Center, ist durch nichts zu ersetzen. Schon das Gefühl morgens an den Briefkasten zu laufen und nicht ein kaltes elektronisches Teil, sozusagen ein Medien-Dildo, in die Hand zu nehmen, ist für mich ein Stück Lebensqualität und Kultur, die einfach, ähnlich wie ein Buch, zum Leben dazugehört.

Es gehen genügend alte Werte verloren, die vermeintlich nicht mehr gebraucht werden, in der Politik, in der Wirtschaft, im Miteinander. Politische Aufrichtigkeit, Engagement, ordentliches Wirtschaften, Nur Ausgeben was da ist, Stichwort vor ein paar Jahren ‚New Economy‘, Facebook, nur noch rudimentäre Nachrichten schicken in einem sinnlosen Kauderwelsch. Meines Erachtens sind dies alles Blasen, die früher oder später platzen werden, oder sich zumindest relativieren. Doch seit Urzeiten wird die menschliche Kultur auf festen Untergründen hinterlassen, Höhlenwände, Tonscherben, Papyrus, Papier.

Für viele Dinge ist eben diese Dinglichkeit Voraussetzung weitergegeben werden zu können, oder gar vererbt zu werden.

Oder würden Sie Ihren Kindern lieber ein Ebook-Reader als ein altes Buch vererben? Beides kann heutzutage nebeneinander sein, aber ohne Papier, ohne Zeitung?

Also Rheinpfalz, auch wenn es manchmal schwierig ist, dich nachzuvollziehen, ist es schön, und wertvoll, dass du da bist.

Es wird sicherlich bei Lektüre ein kleiner Aufschrei durch unsere Leserschar, und auch durch meine Mitblogger, gehen.

Ich hatte das große Vergnügen beim Kräutermarkt meine Eltern zu Grill eingeladen zu haben. Daher versorgte ich mich beim Bummeln, mit Kräutern und Schnickschnack für den Grillabend. Mein Vater, ein Kriegskind, das noch gelernt hat, was Entbehrung, Verlust und Hunger sind, ging auf einmal Schnurstracks auf unseren örtlichen Pferdemetzger zu.

Nach einem kleinen Schwätzchen mit dem Meister Bergold warf ich den ursprünglichen Speiseplan über Bord und ging mit, ja aufgepasst meine bigotten Carnivoren, Fohlenkoteletts aus dem Laden. Diese sind eher T-Bone Steaks als Koteletts, ähnlich zu einem Ochsenkotelett. Zusätzlich hatte ich meine Kinder, allesamt Schinkenfans, noch einen rohen Schinken dabei.

Das Fleisch hatte eine Marmorierung und eine Konsistenz, wie ich das nicht erwartet hätte. Geschmacklich ganz fein, etwa Richtung Kalbslende, wurde dieses Fohlensteak zu einem der besten Grillgenüsse der letzten Jahre. Toll.

Auch der Schinken war hervorragend und war etwas anderes als der schinkige Einheitsbrei, Parma, Serrano, Schwarzwälder usw.

Es ist schade, dass Pferdefleisch in Deutschland, ungerechtfertigter Weise, einen solch schlechten Ruf hat und auch als Arme-Leute- Essen angesehen wird. Bei unseren Nachbarn in Frankreich hat jeder Supermarkt eine Theke mit Pferdefleisch. Und wer einmal wirklich gutes Pferdefleisch gegessen hat, versteht warum.

Ich persönlich werde jedenfalls nun Pferdefleisch regelmässig in mein Grillprogramm aufnehmen.

Meine Tochter, Reiterin, wird mich zwar steinigen wollen, aber mir doch egal, ich wiehere sie dann einfach an.

Als 45 jähriger Ringrocker begab ich mich heute auf einen absolut neuen Weg. Den Weg eines tätowierten, asozialen und arbeitslosen Kriegers.

BUSHIDO.

Mein Sohn äusserte sich irgendwann mal positiv über den jungen Mann aus Berlin, also gab es als Weihnachtsgeschenk zwei Eintrittskarten für das Bushido-Konzert im Stuttgarter Club LKA in Wangen. Neugierig wie ich bin, war die zweite Karte für mich gedacht und tatsächlich nahm mein Filius mich mit. Zum Glück.

Wir fuhren gegen 17.00 Uhr hier in Wachenheim los und ich kannte KEIN Lied dieses Skandal-Rappers. Aber ,als ITunes-Fan, hatte ich mir vorher die neuste Platte von Bushido heruntergeladen, um auf dem Weg nach Stuttgart mich, durch mein ebenso modernes Iphone, ein wenig in den modernen Musikgeschmack eingewöhnen zu können. ‚Na ja‘ war so das erste was ich dachte, aber die Texte und die Rap-Melodien waren doch sehr eingängig.

So schlugen wir in Stuttgart auf, gingen, ich sehr skeptisch, in die Veranstaltung und los ging es, das Bushido-Konzert, mit ca. 15 Minuten Verspätung, für mich Anti-Rapper, denn ich hasse Rap, oder besser hasste.

Nach ca. 30 Minuten schrieb ich an meine bessere Hälfte folgende Worte: „Dieses Konzert ist der Oberhammer!! Unglaublich…“

Ich weiss gar nicht mit welchem Superlativ ich beginnen soll.

Publikum? Superdrauf! Musik? Fetzig mit Druck! Texte? Übelste Gossensprache, als Pfälzer und bekennender Proletarier finde ich das sehr wohltuend. Bühnenshow? Unauffällig, aber passend. Performance? Tja das war für mich die grösste Überraschung. Absolut authentisch und sympathisch. Bushido war wirklich in der Lage das Publikum zu fesseln und zu aktivieren. Und er gab den Leuten das Gefühl sie ernst zu nehmen. Ich habe in letzter Zeit so einige Konzerte von sogenannten Rockgrößen mitgemacht unter anderem Rammstein, Westernhagen also durchaus querbeet. Gegen diesen ehemals tätowierten, nein isser immer noch, asozialen und arbeitslosen Was-auch-immer haben alle glatt , aber aalglatt gewirkt. Man merkte ihm die Freude und den Stolz an, soweit in seinem Leben gekommen zu sein.

Bushido heisst übersetzt ‚Der Weg des Kriegers‘. Und diesem Krieger konnte man anmerken, dass er Kampferfahrung hat, froh ist nicht mehr kämpfen zu müssen und seine im Krieg erworbene Weisheit, auf eine zugegebener Maßen manchmal rüde, aber faszinierende Art, an seine Fans weitergibt.

Das war ein klasse Konzert-Highlight, und seit heute verstehe ich die Generation, die nach mir kommt ein Stückchen besser.

Zumindest was die Musik angeht.

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