Als 45 jähriger Ringrocker begab ich mich heute auf einen absolut neuen Weg. Den Weg eines tätowierten, asozialen und arbeitslosen Kriegers.

BUSHIDO.

Mein Sohn äusserte sich irgendwann mal positiv über den jungen Mann aus Berlin, also gab es als Weihnachtsgeschenk zwei Eintrittskarten für das Bushido-Konzert im Stuttgarter Club LKA in Wangen. Neugierig wie ich bin, war die zweite Karte für mich gedacht und tatsächlich nahm mein Filius mich mit. Zum Glück.

Wir fuhren gegen 17.00 Uhr hier in Wachenheim los und ich kannte KEIN Lied dieses Skandal-Rappers. Aber ,als ITunes-Fan, hatte ich mir vorher die neuste Platte von Bushido heruntergeladen, um auf dem Weg nach Stuttgart mich, durch mein ebenso modernes Iphone, ein wenig in den modernen Musikgeschmack eingewöhnen zu können. ‚Na ja‘ war so das erste was ich dachte, aber die Texte und die Rap-Melodien waren doch sehr eingängig.

So schlugen wir in Stuttgart auf, gingen, ich sehr skeptisch, in die Veranstaltung und los ging es, das Bushido-Konzert, mit ca. 15 Minuten Verspätung, für mich Anti-Rapper, denn ich hasse Rap, oder besser hasste.

Nach ca. 30 Minuten schrieb ich an meine bessere Hälfte folgende Worte: „Dieses Konzert ist der Oberhammer!! Unglaublich…“

Ich weiss gar nicht mit welchem Superlativ ich beginnen soll.

Publikum? Superdrauf! Musik? Fetzig mit Druck! Texte? Übelste Gossensprache, als Pfälzer und bekennender Proletarier finde ich das sehr wohltuend. Bühnenshow? Unauffällig, aber passend. Performance? Tja das war für mich die grösste Überraschung. Absolut authentisch und sympathisch. Bushido war wirklich in der Lage das Publikum zu fesseln und zu aktivieren. Und er gab den Leuten das Gefühl sie ernst zu nehmen. Ich habe in letzter Zeit so einige Konzerte von sogenannten Rockgrößen mitgemacht unter anderem Rammstein, Westernhagen also durchaus querbeet. Gegen diesen ehemals tätowierten, nein isser immer noch, asozialen und arbeitslosen Was-auch-immer haben alle glatt , aber aalglatt gewirkt. Man merkte ihm die Freude und den Stolz an, soweit in seinem Leben gekommen zu sein.

Bushido heisst übersetzt ‚Der Weg des Kriegers‘. Und diesem Krieger konnte man anmerken, dass er Kampferfahrung hat, froh ist nicht mehr kämpfen zu müssen und seine im Krieg erworbene Weisheit, auf eine zugegebener Maßen manchmal rüde, aber faszinierende Art, an seine Fans weitergibt.

Das war ein klasse Konzert-Highlight, und seit heute verstehe ich die Generation, die nach mir kommt ein Stückchen besser.

Zumindest was die Musik angeht.

Advertisements