Die ersten zwei Lieder gaben mir Anlass zu schlimmsten Befürchtungen, Oberrang mit Sichtbehinderung, Preis €72,50 pro Person, zu zweit waren das immerhin fast €150,00. Zu allem Elend hatte ich noch meine Brille vergessen, sodass die ganze Bühne mir etwas verschwommen vorkam. Die Bildschirme, die den ehemals unter ‚Cat Stevens‘ berühmten Yussuf Islam, den Leuten in der ausverkauften SAP-Arena etwas größer zeigen sollten, waren durch die Pressebühnen verdeckt. Die gefühlte Entfernung zur Bühne betrug 1 Km.

Da war dann halt so ein Männlein auf der Bühne, das mit einer Gitarre zwei Liedchen trällerte und stimmlich ein paar Anfangsprobleme hatte. Ich war bereit zu fluchen und vorzeitig zu gehen.

Doch plötzlich passierte etwas. Ein Zauber legte sich über die Halle und dieser kleine Mann dort übte diesen Zauber aus. Plötzlich war ich für etwas mehr als zwei Stunden nicht in der kalten und technischen SAP-Arena. Plötzlich war ich in einem 8m² großen Kinderzimmer, ich war 15, 16 Jahre alt und hörte die Musik, die mich und meine Gefühle in die Zukunft trug.

Die Musik, die  mich träumen ließ von Freiheit, Liebe, vom Erwachsensein. Immer verliebt, meistens unglücklich, die Düfte, das Feeling alles war wieder da. Diese Lust zu leiden, die Ideen, was man später mal emotional vom Leben erwartete.

Er sang vom ersten Schnitt, der ja bekanntlich der tiefste sein soll, es aber, so wie das Leben spielt, nicht ist. Er sang von Vater und Sohn, vom sich auf den Weg machen, von der wilden Welt, die einen erwartet, von einem Mondschatten, dem man folgt, von traurigen Mädchen. Und als ich dann wieder die Augen öffnete, fühlte ich mich wie an einer Zugstation, an der dieser Zug einfach mal angehalten hat, und sah jemand in die Augen, der mir wieder diese schönen  Gefühle gibt, mich neugierig und begierig auf die Zukunft macht. Ich war selbst der  Vater, dessen Kinder sich bald auf den Weg machen werden. Ich war aber auch wieder der junge Mann am Beginn eines Weges. Ich war auch der Alte mit tiefen Wunden, mit der Erfahrung zum Weitergeben.Das Alles zusammen mit dieser zeitlosen Musik, die wie ein Zauberstab wirkte, machte dieses Konzerterlebnis so einzigartig.

Es war ein Stück eigene Geschichte. Bittersüße eigene Geschichte von verlorenen und gewonnenenen Träumen.

Standing Ovation!!

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