Es ist wieder mal Volkszählung. Und damit es nicht alle gleich merken, haben sie die Aktion schnell mal zensus2011 genannt. Für die Hausbesitzer unter unseren Lesern ist das natürlich ein mottenzerfressener Hut. Doch nun lag auch in unserem Briefkasten die Ankündigung, dass wir erfasst werden. „…um widersprüchliche Angaben in den Daten, die aus den Melderegistern stammen…“ zu klären. Bei Orten unter 10.000 Einwohnern. Widerstand ist zwecklos.

Nach all der Aufregung um vergangene Volkszählungen und Datensammelwut habe ich mich also auf einiges gefasst gemacht. Schließlich kamen ja erst kürzlich wieder mahnende Datenschützer zu medial Wort, die vor der totalen Durchleuchtung warnten.

Also habe ich mich aufs Schlimmste gefasst gemacht. Bestimmt würde die angekündigte Volkszählerin alles wissen wollen. Angefangen von meiner Schuhgröße über die Kaffeebohnensorte meiner Wahl zu meiner bevorzugten Beischlafposition. Wenn nicht noch intimere Details auf den Tisch gebracht werden müssten…

Und jetzt liegt er da, der Zensusbogen, hier neben der Tastatur. Tut ganz unschuldig, fast sprachklischee-erfüllend geduldig. Mal sehen, was der Big Brother alles wissen will: Namen (wusst‘ ich’s doch…), Adresse (die kennen sie offenkundig schon, sonst hätten sie mich kaum per Post vorwarnen können), Geschlecht (nachdem sie mich mit Herr angesprochen habe, verrate ich da wohl auch kein Geheimnis), Geburtsdatum (habe ich das nicht beim Einwohnermeldeamt schon mal verraten? Na ja, ist bisher nix passiert, also…), Staatsangehörigkeit (wo musste ich das schon mal angeben?), Familienstand (ich hab‘ so ’ne Ahnung, das sei von amtswegen bekannt, jedenfalls hat uns da mal so ein Beamter eine Urkunde ausgestellt, die bestimmt auch mal registriert wurde), wie viele Personen wohnen hier? (na, da die Volkszählerin vier Bögen mit Namen drauf dagelassen hat, scheint sie schon eine grobe Ahnung zu haben), wohne ich noch woanders in Deutschland? (ja oder nein ist schon verdammt detailliert), und…wie, mehr nicht?

Da will Facebook ja fast schon mehr wissen. Mal ganz davon abgesehen, dass Väterchen Staat all diese Angaben längst hat. Da wird man angeschrieben, um dann nach seiner Adresse gefragt zu werden. Fast so schön, wie Anwälte, die mir einen Brief zustellen lassen, in dem sie mir Anonymität vorwerfen. Ganz so klamm scheinen die staatlichen Kassen ja nicht zu sein, wenn sie zur Sammlung bekannter Daten einen solchen Aufwand treiben. Oder misstrauen die staatlichen Behörden den Einwohnermeldeämtern in kleinen Gemeinden? So könnte man „widersprüchliche Angaben in den Daten, die aus Melderegistern stammen…in Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern…“ auch verstehen. Also ich hatte bisher keinen Grund, unserem Einwohnermeldeamt derart zu misstrauen.

Und als ich das letzte Mal durchleuchtet wurde, hat mir anschließend mein Zahnarzt anhand eines Schwarzweißbilds erklärt, warum eine Wurzelspitzenresektion unumgänglich sein würde.

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