Nach La Marmotte, einer vergnüglichen Fahrt über 3 Alpenberge und einem nicht mehr ganz so vergnüglichen Schlussanstieg nach Alpe d’Huez, hätte ich nicht gedacht, dass ich nicht genug von derlei Ausflügen hätte. Doch ohne Ziel kein Training und ohne Training macht Rennradeln keinen Spaß, weil man sich ja immer erinnert, wie locker es mal lief, wenn man sich die Kalmit nach Monaten einmal wieder hochquält.

Lange Rede, kurzer Sinn. Für nächstes Jahr habe ich mir wieder einen Radmarathon vorgenommen, wahrscheinlich das Alpenbrevet, wenn es zeitlich passt. Das bedeutet, dass ich wieder öfter auf dem Rennrad unterwegs bin, was mich wiederum des öfteren mit schwer verständlichen Ausfallserscheinungen motorisierter Verkehrsteilnehmer konfrontiert.

Gerade heute morgen wurde in der Zeitung klar gestellt, dass das Vorhandensein eines Radweges keinesfalls bedeutet, dass Radler ihn benutzen müssen. Nein, sie dürfen. Trotzdem zeigen Autofahrer immer wieder erschreckende Symptome cerebraler Totalausfälle, wenn sie Radler auf der Straße  antreffen: Sie hupen, brüllen Unverständliches aus dem Fenster und gestikulieren wild in Richtung vermeintlicher Radweg, der dann doch oft nur ein Wirtschaftsweg ist.

Liebe Autofahrer, ich benutze gern Radwege. Wann immer ich mit einem normalen Rad oder einem Mountainbike unterwegs bin, nehme ich das freundliche Angebote dankend an (auf ausgeschilderten Wegen ist es ja auch Pflicht). ABER nicht mit dem Rennrad. Die allermeisten Radwege sind für Rennräder gelindegesagt ungeeignet, oft aber schlicht unpassierbar. Innerstädtisch wären da zuerst einmal die Bordsteinkanten zu erwähnen, die filigranen Laufrädern zusetzen. Davon abgesehen werden Radwege auch gerne mal als Parkstreifen genutzt, in Neustadt bevorzugt von orangen städtischen Fahrzeugen. Und Wirtschaftswege neben den Wingerten? Sobald Sie, liebe Autofahrer, diese befestigten Arbeitswege täglich fegen, wären sie eine Option. So bleiben sie, was sie sind: Wirtschaftswege, nicht weniger, aber auch nicht viel mehr. Dünne Reifen und eine Geschwindigkeit um die 30 passen nicht zusammen mit tiefen Pfützen, Unmengen von Steinen aller Größen, ziemlich oft auch Scherben, Stöckchen und Blättern. Das geht einfach nicht mit dem Rennrad, falls man kein Begleitfahrzeug mitsamt Ersatzrad dabei hat. Natürlich gibt es auch relativ saubere Passagen, aber 50 oder 60 km lang vorsichtiges Slalomfahren hat mit Training nichts zu tun.

Also, liebe Autofahrer: Wenn Sie das nächste Mal auf freier Strecke auf einer breiten Straße ohne nennenswerten Gegenverkehr Rennradler überholen wollen, oder besser gleich zwei (die dürfen nämlich sogar nebeneinander fahren): nicht wieder ein geistiges Armutszeugnis abliefern und den Blutdruck belasten. Einfach blinken und mit einem Meter Abstand vorbei fahren. Danke.

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