Das Thema Supermarkt-Standort scheint wie kein zweites dazu geeignet, gesunden Menschenverstand und einige Stadträte voneinander zu trennen. REWE will seit Jahren im Bischofsgarten bauen, hat noch zu Zeiten von VG Bürgermeister Huter und Stadtbürgermeister Nagel einen Bauantrag gestellt. Mir liegt der Plan und eine Skizze vom Gebäude vor: wäre ein moderner REWE-Markt etwa wie der am Osteingang von Maxdorf. Sieht allemal besser aus als die Hallen der Aussiedlerhöfe um Wachenheim.

Aber wie es aussieht ist ja nicht der entscheidende Punkt (schließlich bekommen wir ohne mehr Übernachtungsmöglichkeiten auch nie wesentlich mehr Touristen in den Ort), sondern was so ein Markt mit seiner Umgebung tut. Die Waren werden ja schließlich nicht in den Laden gebeamt. Neben den LKWs von REWE beliefern zahlreiche Firmen mit eigenen Transporten die Regale. Bei einem Markt in der Größe für Wachenheim sprechen Experten von 800 Kunden-PKW pro Tag, die nötig sind, um den Laden wirtschaftlich zu betreiben. Müll fällt natürlich auch an, der sicher nicht nur einmal die Woche abgefahren wird. Klimatisiert wird das Gebäude ebenfalls.

Muss so ein Markt also mit einem Schulweg zusammengebracht werden? Ich finde, wenn es vermeidbar wäre, nein.

Im Oberstnest stünde der Laden in direkter Nachbarschaft zu Grund- und Integrierter Gesamtschule. Komischerweise kann man Süßwaren produzieren Diabetes und Sozialdemokratische Partei Deutschlands beides mit SPD abkürzen. Was die lokalen Vertreter einer Partei, für die ich schon oft ein Kreuz gemacht habe, reitet, wenn sie diesen Standort vorschlagen, ohne nach dramaturgischer Pause kurz zu lachen und dann etwas wie „Späßle gemacht“ in die Runde werfen, ist mir unverständlich. Aber gut, da gibt es ja auch noch Applaus für die Idee „Pfortenstück“…

Im Neustück würde ein Supermarkt ebenso wie im Bischofsgarten den Liefer- und Entsorgungsverkehr aus dem Ort halten. Nur soll im Neustück Wohnbebauung angesiedelt werden. Das wissen die Grundstückeigentümer – für einen Supermarktbetreiber sind die Bodenpreise also viel zu hoch.

Natürlich ist der Bischofsgarten nicht im Ort. Das Gebot des integrierten Standortes ist allerdings mal für größere Stadte erdacht worden, deren Innenstädte größer als ganz Wachenheim sind. Ich habe jetzt weniger als 400 Meter bis zum REWE zurückzulegen. Bis zum Bischofsgarten wären es dann vielleicht 1200 Meter (werde ich bei Gelegenheit hat mit dem Fahrrad abmessen). Für viele Wachenheimer wäre der Standort näher als der jetzige. Eine U-Bahnanbindung muss wahrscheinlich nicht gebaut werden, auch wenn der ein oder andere im Stadtrat den Eindruck erwecken möchte. Wahrscheinlich gibt es flächenmäßig in Deutschland jede Menge Dörfer, die größer sind, als die Stadt Wachenheim.

Dass ein kostenloser Lieferservice für Senioren (wie beim Gemüse- und Obstladen Allerlei Am Königswingert) die Standortfrage entspannen könnte, wurde schon früher angesprochen. Könnte der Stadtrat mit einem Betreiber darüber sprechen?

Wundern muss ich mich über Herrn Villinger. Hat er sich gar nicht mit Wachenheim und seinen Befindlichkeiten befasst? Mal abgesehen, dass das Pfortenstück behördlich auch durch ist: die letzte Bürgermeisterwahl hat gezeigt, was die Wachenheimer davon halten (kleiner Hinweis auch an Herrn Häfner von der SPD). Jetzt also das Pfortenstück wieder aus der Mottenkiste zu holen und als beste Alternative das beschlossene Neubaugebiet auszuloben – kriegt der Mann für derart wirklichkeitsverneinende Einschätzungen etwa Steuergelder?
Den Standort oberhalb des Kreisels am Nordeingang hat er ausgeschlossen. Hier frage ich mich, ausnahmsweise einmal wieder mit der SPD, warum? Liegt aber wahrscheinlich auch an den Kosten für den Baugrund und das Abtragen von Gelände. Das wäre aber eher eine Frage, die ein Betreiber beantworten müsste, nicht ein Planer ohne Gespür für Akzeptanz von Standorten in der Stadt. So ein Planer hilft Wachenheim nun wirklich nicht weiter. Kann er nicht einfach sagen, wo ein Markt theoretisch genehmigt werden kann und dann wieder heim gehen?

Entgegen eines etwas kryptischen Kommentars auf dem Wachtenblog scheint das Thema Supermarkt Bürgermeister Bechtel doch nicht egal zu sein. Betrachtet man die Alternativen, hat er meiner Meinung nach völlig Recht: Den Markt wird es im Bischofsgarten geben oder gar nicht.

Gegen einen Standort an der Schule ist mit erheblichem und medial leicht verwertbarem Widerstand zu rechnen (à la „die SPD will freien Zugang zu Süßigkeiten für Grundschüler“ oder „Süße Verführung neben Hort und Schule“…).
Nach dem Ausschlußverfahren bleibt eigentlich nur der Bischofsgarten übrig. Vielleicht sollte der Stadtrat eher darüber beraten, wie der Standort am verträglichsten für die Anwohner auf der anderen Seite der Bahnlinie gestaltet werden kann, anstatt neue Gräben auszuheben. Vielleicht könnte mit so einem Supermarkt ja auch noch mal das Thema Skaterbahn verknüpt werden? Das haben wir auch nicht vergessen…

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