Oktober 2011


Gestern waren die Social Media Experten der IBM Social Business JamCamp Bustour zur Weinprobe 2.0 in Wachenheim. Bei den Wachtenburg Winzern gab es gute Weine und spannenden Diskussionen rund um Web 2.0.

Mehr dazu auf dem Burg- und Weinfest-Blog.

Ganz Wachenheim? Naja, ein Wachenheimer wird zumindest morgen bei der Buchmesse die selbsternannte Wein- und Sektstadt vertreten. Dabei wird mein kleiner Ausflug in die fremdernannte Bankenstadt vor allem dienstlich sein, denn seit Mittwoch liegt in Halle 3.1 an Stand G 131 ein nicht besonders unscheinbares Kinderbilderbuch, dessen Impressum als Erscheinungsort Wachenheim an der Weinstrasse angibt: Dschibonka.

Fast sieben Jahre hat es gedauert, bis ich vor knapp zwei Wochen die Vorabexemplare aus China bekommen habe, gerade noch rechtzeitig für die Buchmesse. Gestern abend gab es im ZDF ein Spezial zur Buchmesse, bei dem verlagsfreie Veröffentlichungen als Trend ausgemacht wurden. Insofern liegen Jörg, der Zeichner, und ich echt im Trend. Wir haben Dschibonka mit Sponsorengeldern produziert – die Verlagssuche haben wir auf Anraten der Sponsoren abgeblasen.

Ich treffe morgen am Stand, an dem unser Buch liegt, Hellen, unsere unglaublich geduldige Ansprechpartnerin von der Druckerei in Shenzhen. Sie besucht mit ihren Kollegen Kunden auf der Buchmesse. Mit  2000 Exemplaren dürfte Adewani, unter diesem gemeinsamen Namen veröffentlichen Jörg und ich, sicher der mit großem Abstand kleinste dieser Kunden sein.

Ich hoffe, dass ich möglichst bald dazu komme, von meinem Trip zu berichten. Wenn nicht hier, dann auf dem Adewani-Blog.

Wahr ist, dass Wachenheim nur einen kleinen Supermarkt hat.
Unwahr ist, dass wegen Mangelversorgung der Wachenheimer Bürger eine Luftbrücke mit Deidesheim errichtet wird.

Wahr ist, dass die Stadthalle sanierungsbedürftig ist.
Unwahr ist, dass sie teilabgerissen wird, um eine griechische Akropolis nachzuempfinden.

Wahr ist, dass in der alten Post T-Shirts verkauft werden.
Unwahr ist, dass in diese einzig sinnvollen Räume der neue Supermarkt gebaut wird.

Wahr ist, dass das Pfortenstück bebaut werden soll.
Unwahr ist, dass im Stadtrat ein Antrag zur Bebauung mit einem Supermarkt eingebracht wurde.

Wahr ist, dass es eine Zukunft gibt.
Unwahr ist, dass sie sich in einem Haus in Wachenheim befindet wird.

Wahr ist, dass es eine Vergangenheit gibt.
Unwahr ist, dass in Wachenheim das Königstum wieder eingeführt wird.

Wahr ist, dass es keine Gegenwart gibt.
Unwahr ist, dass die fehlende Gegenwart in Wachenheim durch die Vergangenheit ersetzt wird.

Wahr ist, dass der ‚Alte Galgen‘ kein Galgen mehr ist.
Unwahr ist, es gäbe ein Fluch, deswegen sich alle Wirtsleute erhängen.

Wahr ist, dass es an der Friedelsheimer Strasse keine Ampel gibt.
Unwahr ist, dass die Friedelsheimer Strasse die Zielgerade für einen Wachenheimer Grand Prix sein soll.

Wahr ist, dass Wachenheim einen Bahnhof hat.
Unwahr ist, dass es ein ICE Bahnhof ist.

Wahr ist, dass es einen Haushaltsposten für eine Skaterbahn gibt.
Unwahr ist, daß das vorgesehene Geld für Parteien eingesetzt werden soll, die sich auf rutschigem Boden befinden.

Wahr ist, dass man darüber nachdenkt einen Supermarkt neben der Schule zu bauen.
Unwahr ist, dass die Grundschüler in Jung-Verbraucher umbenannt werden sollen.

Wahr ist, dass es ein Multifunktionsgebäude auf der Burg gibt.
Unwahr ist, dass eine Supermarktnutzung vorgesehen ist.

Wahr ist, dass Wachenheim eine hohe Verschuldung hat.
Unwahr ist, dass ein FZRW(Fond zur Rettung Wachenheims)in Deidesheim eingerichtet wird.

Wahr ist, dass das Freibad stark defizitär ist.
Unwahr ist, daß die Winzergenossenschaft das Becken als Lagertank nutzen wird.

Wahr ist, dass Wachenheim den Wachtenblog hat.
Unwahr ist, dass Herr Morell ein Autor des Blogs ist.

Wahr ist, dass die FWG ein ‚Family City Konzept‘ hat.
Unwahr ist, dass Wachenheim ein Teil des Commonwealth werden wird und damit Englisch zur Amtssprache.

Wahr ist, dass dieser Artikel zu Ende ist.
Unwahr ist, dass keine anderen mehr folgen werden.

War das ein herrliches Wochenendwetter! Die richtigen Bedingungen, damit Wachenheim sich wieder einmal von seiner besten Seite zeigen konnte. Besonders am Sonntag haben wir genossen, was engagierte Wachenheimer mit viel Phantasie und Einsatz auf die Beine gestellt haben. Und ich habe gemerkt, dass Berlin (wo ich letzte Woche mal wieder beruflich war) immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben wird – aber für mich nur die zweitschönste Stadt in Deutschland ist.

Wir begannen unsere Sonntagstour mittags beim Apfelhof Zimmermann. Wie an jedem ersten Oktoberwochenende pilgerten dort Wachenheimer, aber auch Besucher aus dem Rhein-Neckar-Delta und von deutlich weiter weg zu den Apfelprobiertagen. Das ist jedes Jahr ein Höhepunkt in unserem Wachenheim-Jahr: Man sitzt im Hof oder im baumbestandenen Garten und genießt allerlei Köstlichkeiten mit (Apfelpfannkuchen, Apfelbratwurst, Apfelflammkuchen) und ohne Apfel (Flammkuchen mit Münsterkäse, Fleischknepp mit Meerettichsauce, Kartoffelsuppe mit Pflaumenkuchen). Dazu hat man die Wahl zwischen Apfelsaft, Cidre oder doch einem Glas Wein. Und wer eher zur Kaffeezeit kommt, findet ein sagenhaftes Kuchenbuffet vor.

Besonders beeindrucken mich immer die vielen Helfer, die zusammen mit der Familie Zimmermann über den Hof wimmeln, voll beladene Tabletts bringen, Tische abräumen, Äpfel abwiegen, mit den Kindern spaßen – und dabei kein bisschen von der Hektik ausstrahlen, die man eigentlich bei so einem Hochbetrieb erwarten würde.

Die Apfelprobiertstube gibt mir auch jedes Jahr Gelegenheit, von dem bekannten Pfad namens Braeburn abzuweichen. Schließlich gibt es bei Zimmermanns 16 Apfelsorten zum kosten und kaufen: Kindheitserinnerungen wie Cox Orange und Boskopp, neuere Züchtungen wie Pinova und Topas, oder auch Ausgefallenes wie die Ananasrenette. So sind wir dann nach einem sehr leckeren Mittagessen – und vielen netten Gesprächen mit Wachenheimer Freunden – mit einem Drei-Kilo-Paket gemischter Äpfel nach Hause gelaufen.

Auf dem Heimweg haben wir noch gesehen, warum in den vergangenen Wochen so oft Besucher mit dem Suchbegriff „Dalberger Hof“ bei uns auf dem Burg-und-Weinfest-Blog landen: Die wollen sich wahrscheinlich nicht über die Juninächte in dem schönen Anwesen informieren, sondern interessieren sich für die aktuellen Öffnungszeiten. Seit dem letzten Augustwochenende betreiben die Besitzer des schönen Anwesens nämlich einen regelmäßigen Ausschank. Im September gab es einzelne Termine, und im Oktober soll der historische Hof – wenn’s nicht zu sehr regnet – an jedem Wochenende geöffnet sein. Den Ausschlag für die Entscheidung gab wohl der große Erfolg an den vergangenen beiden Weinfesten, über den wir uns ja auch immer wieder im Blog gefreut haben. Wie ich von Wolfgang Tempel hörte, möchte er ab kommendem Jahr von Frühling bis in den Herbst geöffnet haben. Das ist eindeutig eine Bereicherung der Wachenheimer Gastronomie-Landschaft!

Und damit die neue Webseite des Dalberger Hofs mal ein bisschen weiter nach oben rückt bei den Google-Ergebnisse, hier ein direkter Link von uns.

Über den Dalberger Hof haben wir dann glatt das Mühlgassen-Fest verpasst, das auch am Sonntag stattfand. Dieses Fest wird von Anwohnern der historischen Mühlgasse organisiert – und ist leider bisher jedes Jahr an uns vorbei gegangen. Daher kann ich nur ein paar Stichworte wiedergeben, die wir von begeisterten Besuchern gehört haben: Wunderbare Stimmung in der Gasse, mittelalterliche Kostüme, liebevoll aufgebaute Stände, phantastisches Kürbisgemüse. Vielleicht war ja ein Wachtenblog-Leser beim Mühlgassen-Fest und möchte seine Eindrücke per Kommentar schildern?

Vom Abend kann ich dann wieder etwas erzählen: Da hatte die Stadtmauer-Initiative zum Lichterfest am Diebesturm eingeladen. Wo wir noch vor zwei oder drei Jahren gegen einen Supermarkt am Pfortenstück demonstriert hatten, traf sich nun eine bunt gemischte Gruppe, um den unverdorbenen Blick auf die historische Stadtmauer zu genießen. Einziges neues „Bauwerk“, das aber auf „breiten Konsens in der Bevölkerung“ stieß, war der Wein- und Sektstand der Stadtmauer-Initiative. Die Weingüter Bürklin-Wolf, Peter und Zimmermann sowie die Sektkellerei Schloss Wachenheim hatten gespendet, der Erlös dient der Erhaltung der Stadtmauer.

Wie immer bei solchen Festen in Wachenheim standen die Menschen in fröhlichen Grüppchen beisammen, und wir trafen sogar noch die, die wir mittags beim Zimmermann vermisst hatten. Als die Sonne untergegangen war, folgten wir dem Nachtwächter zur Wanderung entlang der Stadtmauer. Jetzt weiß ich auch, woher die Grabenstraße ihren Namen hat (liegt natürlich nahe, hatte ich aber noch nie drüber nachgedacht – hier war der Graben außerhalb der Stadtmauer) und warum der Zehnthof einige Schießscharten-artige Fenster hat (hier lagerten die Steuerabgaben der Bürger, und die musten schon mal mit Waffengewalt verteidigt werden).

Der krönende Abschluss kam dann wieder am Diebesturm: ein Feuerwerk, sogar als Dialog. Erst wurde der Diebesturm von überdimensionalen Wunderkerzen gekrönt, dann schoss ein leuchtender Pfeil vom Turm in den benachbarten Wingert, wo schließlich ein fulimnantes Feuerwerk startete. Mit etwas Phantasie – wovon es am Sonntag ja reichlich in Wachenheim gab – konnte man sich das Spektakel als Feuerwerk-gewordenen Kampf zwischen Stadt-Verteidigern und Angreifern von außerhalb vorstellen. Ein Schelm, wer dabei an den Hasslocher Bauunternehmer Müller denkt. Der hat sich – wie neulich zu erfahren war – wohl immer noch nicht ganz verabschiedet von der Idee, wegen der geplatzten Baupläne in genau diesem Wingert Schadensersatz von der Stadt zu verlangen  ;-).