War das ein herrliches Wochenendwetter! Die richtigen Bedingungen, damit Wachenheim sich wieder einmal von seiner besten Seite zeigen konnte. Besonders am Sonntag haben wir genossen, was engagierte Wachenheimer mit viel Phantasie und Einsatz auf die Beine gestellt haben. Und ich habe gemerkt, dass Berlin (wo ich letzte Woche mal wieder beruflich war) immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben wird – aber für mich nur die zweitschönste Stadt in Deutschland ist.

Wir begannen unsere Sonntagstour mittags beim Apfelhof Zimmermann. Wie an jedem ersten Oktoberwochenende pilgerten dort Wachenheimer, aber auch Besucher aus dem Rhein-Neckar-Delta und von deutlich weiter weg zu den Apfelprobiertagen. Das ist jedes Jahr ein Höhepunkt in unserem Wachenheim-Jahr: Man sitzt im Hof oder im baumbestandenen Garten und genießt allerlei Köstlichkeiten mit (Apfelpfannkuchen, Apfelbratwurst, Apfelflammkuchen) und ohne Apfel (Flammkuchen mit Münsterkäse, Fleischknepp mit Meerettichsauce, Kartoffelsuppe mit Pflaumenkuchen). Dazu hat man die Wahl zwischen Apfelsaft, Cidre oder doch einem Glas Wein. Und wer eher zur Kaffeezeit kommt, findet ein sagenhaftes Kuchenbuffet vor.

Besonders beeindrucken mich immer die vielen Helfer, die zusammen mit der Familie Zimmermann über den Hof wimmeln, voll beladene Tabletts bringen, Tische abräumen, Äpfel abwiegen, mit den Kindern spaßen – und dabei kein bisschen von der Hektik ausstrahlen, die man eigentlich bei so einem Hochbetrieb erwarten würde.

Die Apfelprobiertstube gibt mir auch jedes Jahr Gelegenheit, von dem bekannten Pfad namens Braeburn abzuweichen. Schließlich gibt es bei Zimmermanns 16 Apfelsorten zum kosten und kaufen: Kindheitserinnerungen wie Cox Orange und Boskopp, neuere Züchtungen wie Pinova und Topas, oder auch Ausgefallenes wie die Ananasrenette. So sind wir dann nach einem sehr leckeren Mittagessen – und vielen netten Gesprächen mit Wachenheimer Freunden – mit einem Drei-Kilo-Paket gemischter Äpfel nach Hause gelaufen.

Auf dem Heimweg haben wir noch gesehen, warum in den vergangenen Wochen so oft Besucher mit dem Suchbegriff „Dalberger Hof“ bei uns auf dem Burg-und-Weinfest-Blog landen: Die wollen sich wahrscheinlich nicht über die Juninächte in dem schönen Anwesen informieren, sondern interessieren sich für die aktuellen Öffnungszeiten. Seit dem letzten Augustwochenende betreiben die Besitzer des schönen Anwesens nämlich einen regelmäßigen Ausschank. Im September gab es einzelne Termine, und im Oktober soll der historische Hof – wenn’s nicht zu sehr regnet – an jedem Wochenende geöffnet sein. Den Ausschlag für die Entscheidung gab wohl der große Erfolg an den vergangenen beiden Weinfesten, über den wir uns ja auch immer wieder im Blog gefreut haben. Wie ich von Wolfgang Tempel hörte, möchte er ab kommendem Jahr von Frühling bis in den Herbst geöffnet haben. Das ist eindeutig eine Bereicherung der Wachenheimer Gastronomie-Landschaft!

Und damit die neue Webseite des Dalberger Hofs mal ein bisschen weiter nach oben rückt bei den Google-Ergebnisse, hier ein direkter Link von uns.

Über den Dalberger Hof haben wir dann glatt das Mühlgassen-Fest verpasst, das auch am Sonntag stattfand. Dieses Fest wird von Anwohnern der historischen Mühlgasse organisiert – und ist leider bisher jedes Jahr an uns vorbei gegangen. Daher kann ich nur ein paar Stichworte wiedergeben, die wir von begeisterten Besuchern gehört haben: Wunderbare Stimmung in der Gasse, mittelalterliche Kostüme, liebevoll aufgebaute Stände, phantastisches Kürbisgemüse. Vielleicht war ja ein Wachtenblog-Leser beim Mühlgassen-Fest und möchte seine Eindrücke per Kommentar schildern?

Vom Abend kann ich dann wieder etwas erzählen: Da hatte die Stadtmauer-Initiative zum Lichterfest am Diebesturm eingeladen. Wo wir noch vor zwei oder drei Jahren gegen einen Supermarkt am Pfortenstück demonstriert hatten, traf sich nun eine bunt gemischte Gruppe, um den unverdorbenen Blick auf die historische Stadtmauer zu genießen. Einziges neues „Bauwerk“, das aber auf „breiten Konsens in der Bevölkerung“ stieß, war der Wein- und Sektstand der Stadtmauer-Initiative. Die Weingüter Bürklin-Wolf, Peter und Zimmermann sowie die Sektkellerei Schloss Wachenheim hatten gespendet, der Erlös dient der Erhaltung der Stadtmauer.

Wie immer bei solchen Festen in Wachenheim standen die Menschen in fröhlichen Grüppchen beisammen, und wir trafen sogar noch die, die wir mittags beim Zimmermann vermisst hatten. Als die Sonne untergegangen war, folgten wir dem Nachtwächter zur Wanderung entlang der Stadtmauer. Jetzt weiß ich auch, woher die Grabenstraße ihren Namen hat (liegt natürlich nahe, hatte ich aber noch nie drüber nachgedacht – hier war der Graben außerhalb der Stadtmauer) und warum der Zehnthof einige Schießscharten-artige Fenster hat (hier lagerten die Steuerabgaben der Bürger, und die musten schon mal mit Waffengewalt verteidigt werden).

Der krönende Abschluss kam dann wieder am Diebesturm: ein Feuerwerk, sogar als Dialog. Erst wurde der Diebesturm von überdimensionalen Wunderkerzen gekrönt, dann schoss ein leuchtender Pfeil vom Turm in den benachbarten Wingert, wo schließlich ein fulimnantes Feuerwerk startete. Mit etwas Phantasie – wovon es am Sonntag ja reichlich in Wachenheim gab – konnte man sich das Spektakel als Feuerwerk-gewordenen Kampf zwischen Stadt-Verteidigern und Angreifern von außerhalb vorstellen. Ein Schelm, wer dabei an den Hasslocher Bauunternehmer Müller denkt. Der hat sich – wie neulich zu erfahren war – wohl immer noch nicht ganz verabschiedet von der Idee, wegen der geplatzten Baupläne in genau diesem Wingert Schadensersatz von der Stadt zu verlangen  ;-).

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