Ein nach den letzten Bürgermeisterwahlen fast in Vergessenheit geratenes Stilmittel der Kommunalpolitik ist ja, die eigene Sicht der Dinge als Realität darzustellen. Man könnte es Deformation nennen. Mit dem aktuellen Flugblatt, das die befremdliche neue Allianz zwischen SPD und FWG in Wachenheim zu zementieren scheint, kehrt diese überwunden geglaubte Unart zurück. Eigentlich nicht verwunderlich, denn es geht ja immer noch um den Supermarkt. Doch Obacht: Information und Deformation können Menschen oft gut unterscheiden.

Kurz der Stand der Dinge bei der Standortfrage (so wie ich ihn verstanden habe):
1. Pfortenstück – von den Behörden endgültig abgelehnt
2. „Norden“ oberhalb des Kreisels – Bodenpreise für Interessenten zu hoch, Genehmigung wegen Eingriff am Haardtrand extrem unwahrscheinlich
3. REWE-Standort – Erweiterungsmöglichkeiten kostspielig und sehr, sehr unwahrscheinlich (warum sollte El Loco dicht machen?)
4. Bischofsgarten – vom VG Rat abgelehnt
5. Oberstnest – Süßwaren direkt an der Schule sind eine so ungeheuer minderhirnige Idee, dass hier die Proteste wesentlich heftiger ausfallen werden als bei allen anderen Standorten

Wo kann also ein neuer Markt gebaut werden? Genau, nicht in Wachenheim. Ob das eine Tragödie ist, sei allerdings dahin gestellt.

Das ganze Projekt zeigt vor allem, wie man es nicht machen soll. Vom ersten Bauantrag für den Bischofsgarten vor über sechs Jahren, den der damalige Bürgermeister nicht einmal in den Stadtrat eingebracht hat, bis zu der denkwürdigen VG-Ratssitzung, über die außerhalb Wachenheims reichlich Köpfe geschüttelt werden, ging es nur ganz selten um die Entwicklung der Stadt.

Den sieben Fragen, die SPD und FWG gerne beantwortet hätten, könnte man welche hinzu fügen:

1. Warum soll ein Standort auf der grünen Wiese direkt an Wachenheim verhindert werden, vorgeblich, damit die Chancen auf einen Markt zwischen Friedelsheim und Gönnheim gewahrt bleiben? Dieser Standort befindet sich unzweideutig auch auf der grünen Wiese.

2. Warum war es nach dieser jahrelangen Hängepartie nicht möglich, die Abstimmung im VG-Rat noch zu vertagen, bis das Bürgervotum Wachenheims vorliegt? Könnte das nicht vielleicht an parteipolitischen Allianzen gegen den Bischofsgarten zu tun haben?

3. Glaubt die SPD, das Kurpfalzauditorium/Haus der Zukunft wird beliebter, wenn man es mit der erschreckend unintelligenten Idee eines Supermarktes in Schulnachbarschaft kombiniert?

Ich habe seit meinem 18. Geburtstag bei so vielen Wahlen mein Kreuzchen bei der SPD gemacht, dass ich beinahe als alter Sozi bezeichnet werden könnte. Die Wachenheimer SPD ist für mich allerdings inzwischen völlig unwählbar, ihre neu entdeckte Nähe zur FWG wie gesagt befremdlich.

Advertisements