Mai 2012


Das Rock am Ring open air wirft seine Schatten voraus. Noch zwei Tage dann geht unser Trip los. Aufmerksame Leser wissen, dass ich vor zwei Jahren, im Alter von 44, zum Ring Rocker wurde.

Vermeintlich, wie sich heute herausstellte!

Als vorsorgender Familienvater schaut man so ein paar Tage vorher mal die Wetterprognose an. Und dabei wurde mir richtig schlecht. Ab Freitag 10 – 12 Grad und Regen. Pünktlich bis einschliesslich Sonntag. Danach wird’s besser. Vorgezogene Schafskälte nennen das die Experten. Eine typische Wetterlage nur dieses Jahr ein bisschen früh. Sagen die Experten.

Also Campen bei arktischen Nachtemperaturen in der Eifel, drei Tage Musik Open Air in der Eifel, drei Tage nass in der Eifel. Aber kluger Mann baut vor.

Also ab zu einem großen Sport und Camping Discounter. Dickere Isomatten, Regencapes, et..

Und „Gummistiefel“!!!

Diese, damit man nicht am zweiten Tag kniehoch durch die weggeschwemmten Auswürfe der ach so bierseeligen Rocker mit den normalen Straßenschuhen waten muss.

Wir mit zwei vollen Einkaufswagen an die Kasse, an der auch einige junge Menschen standen, die auch zum RaR 2012 wollten. Direkt vor mir ein solcher Jungmensch, erkennbar an seinem T-Shirt vom letzten Jahr. Welch wichtige Rolle diesem jungen Mann in meinem Leben zugeteilt wurde, war mir zwei Minuten später klar.

Das erste Anzeichen des Alters ist eine gewisse Geschwätzigkeit. Insbesondere in langen Schlangen vor Supermarktkassen. Ich sprach den jungen Mann an, betont jugendlich, aber doch ein wenig gönnerhaft.

„10° und Dauerregen dieses Jahr, da brauchste Gummistiefel!“

Jetzt kam der Moment meines Lebens in dem mir in einer bis dahin ungekannten Offenheit und Brutalität klar gemacht wurde, daß ich NIEMALS ein Ringrocker sein kann. Ich zähle nicht mehr zu dieser Generation. Ich wußte augenblicklich, ich bin alt, verweichlicht, dekadent mit einem Hauch von Luxus.

Der junge Man machte eine verächtliche Handbewegung, und sagte dieses lässige eine Wort, das mich bis in die Grundfesten meiner Weltanschauung erschütterte:

C H U C K S

Immerhin wusste ich sofort was er meinte.

Aber auch sofort wo ich im Leben gelandet bin.

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Mit der Ehe ist es so wie mit einigen anderen Dingen.

Manchmal wird jemand geheiratet, weil der, den man eigentlich liebt nicht will oder schon verheiratet ist.

Ist der oder die Auserwählte nicht bereit, so gibt es mehrere Möglichkeiten. Eben jemand anders heiraten, also eine Art Zweckehe eingehen, oder alleine bleiben weil man keinen anderen will. Oder mit aller Macht versuchen doch den auserwählten Partner zu überzeugen, daß man die einzig aufrichtige Wahl sei.

Nun es gibt da zwei, da ist schon irgendwie eine Ehe angedacht und angebahnt. Man setzt sich auseinander, redet über Synergien, man diskutiert welche Familienmitglieder welche Aufgaben übernehmen können. Wer hält den Garten sauber, wer kümmert sich um die Pools, wer macht die Familienverwaltung etc. etc.

Und doch hat es so den Eindruck, daß die beiden Verlobten nicht so ganz hinter der Sache stehen und eigentlich jemand ganz anderes lieben. Wenn man telefoniert, telefoniert man über das Telefon der eigentlich Geliebten, man nutzt gerne das Fortbewegungsmittel der eigentlichen Geliebten, und täglich schaut man was die eigentlich Geliebte eigentlich so macht, selbst die Familienverwaltung wird zum Teil noch von der eigentlich Geliebten erledigt.

Warum hat man dann nicht die Chuzpe zu sagen:

„Hey laß uns mal reden. Es war eine tolle Idee und du bist mir auch etwas wert. Aber ich habe gemerkt, daß ich die andere noch viel mehr lieb. Ich bin einfach nicht bereit etwas zu tun, von dem ich mittlerweile weiß, daß es keine Herzenssache, sondern eine Kopfsache ist.

Laß uns Freunde bleiben, aber unsere Wege trennen sich hier, weil ich noch eine Sache gerade zu rücken habe.

Mein liebes Deidesheim, lassen wir es bleiben. Ich achte Dich, aber ich liebe Dich nicht!

Meine wahre Liebe war, ist und wird immer Bad Dürkheim sein. Dafür bin ich bereit zu kämpfen, denn die und nur die will ich haben!“

Die für den 05.05. und 06.05.2012 geplante Weinwanderung durch die Weinlagen Goldbächel, Altenburg, Gerümpel und Schlossberg ist mangels Anmeldungen abgesagt worden.

Die Veranstaltung war von allen(!) Wachenheimer Weingütern organisiert und sollte kulinarisch auf hohem Niveau begleitet werden.

Allerdings schien doch der hoch erscheinende Preis für die Teilnahme an der Veranstaltung von €25, – pro teilnehmender Person abschreckend für die Interessenten gewesen sein.

Vielleicht gelingt es ja beim nächsten Mal durch eine geschicktere Aussendarstellung und einer moderateren Preispolitik die Weinwanderung zum Leben zu erwecken.

Was in anderen Gemeinden sich schon zu einem richtigen Highlight entwickelt hat, sollte doch in Wachenheim auch klappen.

Wir drücken die Daumen!

Heute gibt es beim Weingut Peter in der Burgstrasse einen Tag der offenen Tür.

Man wird Einblicke in die Produktionsanlagen etc. erhalten und kann den kleinen Hunger mit einem Flammkuchen bekämpfen.

Wir wünschen viel Spaß!

Heute morgen schwang ich mich auf meine Vespa um Brötchen zu kaufen und um die jährliche 1.Mai-Frühstückslektüre, das allseits beliebte Hexenblatt zu ergattern. Aber irgendwie scheinen die Hexen über Wachenheim hinweg geflogen zu sein.

Ich kam zu Ehrat’s Backhaus keine Brötchen da ausverkauft, kein Hexenblatt. Bäcker beim REWE, geschlossen, kein Hexenblatt. Tankstelle offen, kein Hexenblatt. Marktplatz, kein Hexenblatt.

Traurig, wie einige andere, die auch auf der Suche waren, fuhr ich bei schönstem Mai-Wetter wieder nach Hause, ohne Brötchen und ohne Hexenblatt, immer noch hoffend, daß sich die Hexen nur verflogen haben.

Welch böser Zauber war da wieder am Werk?