Morgen, am Mittwoch, 13. Juni, tagt der Verbandsgemeinderat, während Portugal um den Verbleib im Turnier kämpfen. Und wahrscheinlich auch noch, wenn es auch für die Niederländer gegen Deutschland ums sportliche Überleben geht. Und ausgerechnet für diese Sitzung hat sich der VG-Rat die Tagesordnung vollgepackt. Vollgepackt mit wichtigen Themen. Fusion, Verbandsgemeindezulage, Einzelhandelskonzept, Bischofsgarten.

Dass das angekündigte Fehlen von Räten, die für den Bischofsgarten gestimmt hätten, mit der Ansetzung eben dieses Themas zu tun hat, ist selbstredend eine mutwillige Unterstellung böser Verschwörungstheoretiker. Ganz bestimmt.

Klar ist, dass das Drama um den Lebensmittelmarkt eine Fortsetzung erfährt, ob dann eine Entscheidung oder eine Vertagung dabei rauskommt, bleibt offen. Völlig unklar ist indes, was in die SPD gefahren ist. Ich sollte an dieser Stelle nochmal erwähnen, dass ich bei vielen Wahlen seit 1985 mehr Kreuze neben die Abkürzung dieser Partei gemacht habe als beim Wunschkoalitionspartner der Sozialdemokraten. Meist hatte ich den Eindruck, die SPD sei wenigstens etwas näher dran an der Realität.

Nähe zur Realität kann man nun Helmut Rentz nicht unterstellen, wenn er für die SPD behauptet, die CDU habe sich einseitig auf den Standort Bischofsgarten festgelegt, oder er sehe Alternativen im Ort. Bitte? Geht’s noch? Wenn es um die Ansiedlung eines großflächigen Einkaufsmarkts mit 1200 qm geht, bleibt als einziger realistischer Standort der Bischofsgarten. Hat sich das immer noch nicht in die Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde herumgesprochen? Mit der Standortfrage quält sich Wachenheim seit sieben Jahren rum. Investoren gab es bislang nur für zwei. Für das ungeliebte und abgelehnte Pfortenstück und für der mit gebremstem Schaum befürwortete – und nach Aussagen von Herrn Villinger vom Planungsbüro, das das Einzelshandelsgutachten erstellt hat – genehmigungsfähige Bischofsgarten. Von einseitiger Festlegung kann nicht die Rede sein. Nach dem hin und her der letzten Jahre bleibt, wenn man den großen Markt will, nur dieser eine Standort übrig.

Der Standort Ringstraße, den die SPD jetzt ins Spiel bringt (natürlich auch die FWG, daher kommt wohl die plötzliche SPD-Begeisterung für die Idee) ist sicher für vieles geeignet, aber ganz sicher nicht für einen großen Supermarkt. Mal ganz davon abgesehen, dass es keinen Investor dafür gibt, würde ein Supermarkt, wie an jedem innerörtlichen Standort, den ganzen Lieferverkehr in den Ort ziehen, vermutlich auf die Weinstraße oder die Bahnhofstraße. Beim Rewe liefern derzeit zwischen 30 und 40 LKWs die Woche an (nicht nur Rewe selbst liefert, auch alle Firmen, die nur Regalplatz gemietet haben, machen ihre Touren mit großen LKWs). Das würde für die ohnehin schwierige Belebung der Weinstraße eine schwerwiegende Erschwernis.

Immerhin hat der Bürgermeister der Verbandsgemeinde bei der Bürgerversammlung ja gesagt, dass er ein Votum der Wachenheimer für den Bischofsgarten nicht ignorieren kann. Enthalten geht in diesem Fall aus meiner Sicht nicht. Denn da die FWG ja in jedem Fall gegen den Bischofsgarten stimmt, weil es nicht das Pfortenstück ist, und die FWG derzeit scheinbar auch die SPD nach Belieben manipuliert, ist eine Enthaltung im Grunde nicht besser als eine Stimme gegen den Bischofsgarten.

Natürlich kann man grundsätzlich gegen einen großflächigen Supermarkt in Wachenheim sein. Aber das dusselige Gerede von der „grünen Wiese“ bei einer so kleinen Gemeinde oder der haarsträubende Blödsinn, jetzt noch mal alternativen Standorten abzufragen, disqualifizieren die SPD für mich, wenn sie dabei bleibt. Sollte das Neustück etwa tatsächlich Baugebiet werden, wäre ein Supermarkt im Bischofsgarten für einen beträchtlichen Teil der Wachenheimer zu Fuß erreichbar. Ach, was schreibe ich mir die Finger fusselig, die Argumente sind bekannt. Eigentlich geht es ja nur darum, mit welcher konstruierten Begründung die SPD rechtfertigen will, so zu stimmen, wie die FWG es ihr aufträgt, oder sehe ich das falsch (ich weiß, wer das bestimmt denkt)?

Public Viewing kommt ja bekanntermaßen aus dem Englischen. Natürlich haben wir es von seiner ursprünglichen Bedeutung komplett getrennt, so wie etwa bei Wort Handy. Die eigentliche Bedeutung von Public Viewing ist ja das öffentliche Aufbahren von Toten, meist prominenten Ex-Zeitgenossen. Es gibt gelegentlich Vorschläge, die Sitzungen der Stadt- oder Verbandsgemeinderäte im Internet zu Übertragen. Verhält sich morgen die SPD, wie Herr Rentz es andeutet, wäre eine solche Übertragung von der VG-Ratssitzung für mich ein echtes Public Viewing – meine Idee von Sozialdemokratie als relevante Stimme in der Region öffentlich aufgebahrt.

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