Gestern, am 24. Juli, wurde der etwas theoretisch daher kommende Begriff Spielleitplanung endlich mit Leben gefüllt. Gestern nämlich gab es eine erste Begehung der zu beplanenden Gemeinde. Zusammen mit Helga Berger vom Ingenieursbüro Stadt und Natur http://www.stadt-und-natur.de/ und Martin Theodor vom Beratungszentrum Kobra http://www.kobra-online.info/siteneu/ machten sich Bürgermeister Torsten Bechtel, Mitglieder des Arbeitskreises zur Spielleitplanung, interessierte Bürger und Kinder auf den Weg, um eine Bestandsaufnahme zu machen.

Besonders das Gebiet um Schulen und Schwimmbad wurde dabei begutachtet. Vor allem rund um die Schulen ruht hier einiges an ungenutztem oder bisher nicht nutzbarem Potenzial: das große Sportgelände hinter Grundschule und IGS ist nicht öffentlich nutzbar – von den Schulen wird es jedoch auch nur selten genutzt. Auf den Ascheflächen sprießt Botanik und die Weitsprunggrube zeigt eine beeindruckende Artenvielfalt heimischer Ruderalvegetation. Auch der Schulhof der Grundschule ist außerhalb der Schulzeiten für Kinder Tabu – das scheint andernorts nicht so geregelt zu sein. Das Kleinspielfeld hinter der Turnhalle ist in städtischen Besitz und theoretisch – außerhalb der Schulzeiten – jedermann zugänglich. Theoretisch. Natürlich ist das Gelände abgeschlossen und Schilder weisen darauf hin, dass das Betreten des Geländes für Unbefugte verboten ist. Dass sich Wachenheimer den Schlüssel zum Tor beim Hausmeister Herrn Bauer oder bei Bürgermeister Bechtel borgen können, wird auf keinem Schild erwähnt.

Oft wird unter Verweis auf den auch in Wachenheim grassierenden Vandalismus die Nutzung öffentlicher Flächen eingeschränkt. Und gerade hier hakt das Konzept der Spielleitplanung ein. Es setzt stark auf die Beteiligung derer, die es angeht: Kinder und Jugendliche und Bürger der Gemeinden. Die Idee ist, dass Anlagen, bei deren Planung man mitreden und mithelfen kann, später nicht schnöde städtische Anlagen sind, sondern dass auch ein gemeinsames Verantwortungsgefühl für den Zustand entsteht.

Insgesamt steht als Zeil der Spielleitplanung ja nicht nur die Verbesserung der Spielmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche, sondern insgesamt eine nachhaltige Weiterentwicklung von Gemeinden und die Etablierung von mehr Bürgerbeteilgung.

Frau Berger und Herr Theodor haben sich etliche Notizen und viele Fotos gemacht. Beim nächsten Rundgang, für den allerdings noch kein Termin feststeht, sollen dann die Kinder und Jugendlichen die Führung übernehmen und ihre Wünsche und Vorstellungen einbringen.

Zusammen mit einer Verkehrsleitplanung kann diese Spielleitplanung Wachenheim viel bringen. Jedenfalls, wenn das Thema nicht auch in den Sog der Wachenheimer Parteipolitik mit den altbekannten Fronten gerät. Davon war bei der Begehung gestern erfreulicherweise noch nichts zu spüren.

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